Veranstalter zählt 100.000 Zuschauer bei Vivawest-Marathon durch das Ruhrgebiet

Vor der Kulisse von Zeche Zollverein. Foto: Jakob Studnar
Vor der Kulisse von Zeche Zollverein. Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Nach Angaben des Veranstalters hat der Vivawest-Marathon rund 100.000 Menschen an den Rand der Strecke in den vier beteiligten Städten Bottrop, Essen, Gladbeck und Gelsenkirchen gelockt. Sie unterstützten fast 7000 Sportler auf der Strecke. Gewonnen hat den Marathon ein Läufer aus Trier. Die Polizei schätzte die Zahl der Zuschauer deutlich geringer ein.

Essen/Gelsenkirchen/Gladbeck/Bottrop.. Die Startnummer 1 war für Florian Neuschwander ein gutes Omen: Mit der Zeit von zwei Stunden, 25 Minuten und 57 Sekunden ging der 33-Jährige Trierer als erster Läufer über die Ziellinie des 1. Vivawest-Marathons. Der Sportler vom Trierer Stadtlauf e.V. war erstmals zum Laufen im Ruhrgebiet und zeigte sich danach über die Strecke durch Gelsenkirchen, Essen, Gladbeck und Bottrop begeistert. Neuschwander hielt seine Podiumsnachbarn auf Distanz: Mit 02:41:24 kam Christian Bröring vom TuS Blau Weiß Lohne ins Ziel, mit 02:43:01 folgte Patrick Loos von der LG Mülheim an der Ruhr als Dritter.

Das Wetter spielte mit

Überhaupt spielte das Wetter mit an diesem Tag, berichtet Kai Meesters vom Veranstalter des Lauf-Events: "perfekt" für die Läufer. Ein ein oder anderer kleiner Schauer kann da die Laune nicht trüben. Und auch die Stimmung unter den Zuschauern sei "sehr, sehr gut", sagt Meesters.

Im Zielbereich in Gelsenkirchen hat Meesters "nur glückliche Gesichter" gesehen - bei den Läufern und im Publikum: "Es ist ein sehr schönes Sportfest, was das Ruhrgebiet hier erlebt." Bis zum Beginn des Vivawest-Marathons hatten sich etwa 6.800 Läufer bei den Veranstaltern angemeldet. Als die Veranstaltung gegen 15 Uhr offiziell endet, meldet die Gelsenkirchener Polizei: keine besonderen Vorkommnisse. Nach Angaben des Veranstalters haben am Rande der Strecke in den vier Städten 100.000 Menschen zugesehen und die Läufer angefeuert. Die Gelsenkirchener Polizei geht dagegen von einer Größenordnung von "nur" 20.000 Zuschauern aus.

Der Malteser Hilfsdienst hatte die Einsatzleitung bei den Rettungs- und Sanitätsdiensten. 250 Kräfte der Malteser, der Johanniter Unfall Hilfe, des Deutschen Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes waren vor Ort. 600 professionelle Securitykräfte einer Sicherheitsfirma sicherten zudem die 42,195 Kilometer lange Strecke. Die Rettungsdienste erlebten eine ruhige Schicht. In 30 Fällen leisteten sie Sportlern oder Zuschauern Hilfe, fünf Krankentransporte fielen am Rande des Marathons an.

Neuauflage im nächsten Jahr steht nichts entgegen

Für den Veranstalter zieht Meesters ein rundum positives Fazit. Die Verantwortlichen würden sich einige "Stellschrauben" ansehen, um zu schauen, wo es noch Potential für Verbesserungen gibt - so hatte es etwa Probleme mit dem Shuttle-Verkehr von der Arena auf Schalke zum Start- und Ziel-Ort gegeben. Nach jetzigem Stand der Dinge steht für Meesters einer Neuauflage des Marathons im nächsten Jahre nichts entgegen.

Über 550 Volontäre reichten den Sportlern am Rande des Vivawest-Marathons unter anderem 3700 Liter hochwertige Elektrolyt-Getränke und 20.000 Traubenzucker-Täfelchen, 16.000 Bananen, 5000 Liter Coca Cola, 1200 Liter Apfelsaft, 250 Fleischwurstringe, 300 Schnittkuchenbleche, 7000 Müsliriegel, 2300 Äpfel, 20.000 Wasser-Schwämme und zum Ausklang für jeden Teilnehmer ein Erdinger alkoholfrei.

Durch den Marathon kam es am Veranstaltungstag in den beteiligten Städten ab sechs Uhr zu zahlreichen Straßen-Sperrungen und den ganzen Tag auch zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Stefan Kober

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Der Vivawest-Marathon in Gelsenkirchen war ein gelungenes Spektakel

In die lauten Beats aus den Lautsprechern fällt die Stimme des Moderators: „Wollt Ihr laufen? Habt Ihr Spaß?“ Was für eine Frage, natürlich wollen sie laufen! Die Anspannung der Marathon-Läufer, die um 9 Uhr auf die Strecke gehen, ist spürbar. Blauweißer-Konfetti-Regen wirbelt in den wolkenverhangenen Himmel, als die drahtigen Ausdauersportler sich auf ihren 42,195 Kilometer Weg machen. Der Vivawest-Marathon am Sonntag mit Start und Ziel auf der Overwegstraße in Höhe der alten Polizeiwache war ein gelungenes Spektakel, von kräftigen Schauern zwischendurch mal abgesehen.

Die Stimmung auf und neben der Strecke ist gut, Besucher feuern Freunde, Verwandte, Fremde an – mit Rufen, mit Klatschen, mit Ratschen, mit Trillerpfeifen. An die Bomben beim Boston-Marathon vor einem Monat scheint hier niemand zu denken. Nur wer kurz vor dem Start den Kopf in den Nacken legt und in knapp zehn Metern Höhe die Kamera-Drohne schweben sieht, wird kurz an das sensible Thema Sicherheit erinnert. Dahinter steckt aber lediglich der Veranstalter, der das Geschehen aufzeichnen möchte.

„Auch für Euch ist noch Strecke übrig!"

[kein Linktext vorhanden] Um 9.20 Uhr starten die Staffeln. „Da ist sie!“, ruft eine Zuschauerin und zeigt in den Läufer-Pulk. „Da, mit dem Regencape!“ Und dann eilt sie davon, ihrem Mann hinterher. „Unsere elfjährige Tochter nimmt am Schulmarathon teil und startet in Essen“, verrät die Mutter aus Bulmke-Hüllen im Laufen. „Dort fahren wir jetzt hin und mein Mann läuft dann neben der Strecke mit. Ich hole die beiden dann in Bottrop wieder ab.“ Die besagte Person mit dem Regencape war die erste Läuferin der Staffel. Die transparenten Umhänge säumen später die vier Startblockbereiche auf mehreren hundert Metern an der Overwegstraße und zeugen von den knapp 7000 Menschen, die sich hier eben noch in ihren teils grellbunten Dresses warm hüpften. „Auch für Euch ist noch Strecke übrig!", hatte der Moderator seinem „Stimmungsblock“ zugerufen, der zu „I’ve been looking for freedom“ in die Hände klatschte.

Zeitsprung – Ankunft der Halbmarathoni ab etwa 11.45 Uhr: Die Gesichter der Läufer sprechen Bände. Einige überqueren die Ziellinie ganz cool, wie der Sieger Tolger Arnold, der nur wenige Sekunden später ganz entspannt Interviews gibt. In den Gesichtern der „durchschnittlichen“ Ankömmlinge spiegelt sich alles wieder: Glück, coole Routine, aber auch absolute Erschöpfung. Tobias Mühlenschulte, Sibylle Raudies

„Die Stimmung an der Strecke ist wirklich fantastisch – Kompliment an die Bottroper“

Mit Trommeln, Rasseln, Trillerpfeifen und aufblasbaren Klatsch-Stangen feuern die Zuschauer am Fanpoint in der Welheimer Mark den Teilnehmern des Vivawest-Marathons an. Zur Mittagszeit stehen über 100 Marathon-Begeisterte bei Kilometer 24 am Streckenrand. Die Anwohner haben Fenster und Türen weit geöffnet, sie jubeln den Läufern aus ihren Wohnzimmern zu. Anne Marie Knop steht mit Hundetröte am Fenster. „Die Trommler, die Zuschauer und die ganzen Stände: Hier ist eine tolle Stimmung“, findet die 83-Jährige.

Anfeuern und Getränke reichen

25 Mitglieder der St. Johannes Gemeinde aus dem Stadtteil Boy kümmern sich am Fanpoint um die Verpflegung der Läufer, verteilen Klatschwerkzeug an die Zuschauer und jubeln selbst kräftig mit. Charlotte Bautz (16) fürchtet schon um ihre Stimme, jeden Läufer begleitet sie mit lauten Anfeuerungsrufen und reicht ihnen Energydrinks an. Ihre Eltern und die beiden Schwestern Henrieke und Mariele helfen auch mit. „Es macht uns einfach riesigen Spaß, die Läufer zu motivieren“, sagt Charlotte.

Die Trommler von der Samba-Band „Katakichi Cologne“ heizen Zuschauern und Läufern mit ihren heißen Latin-Rhythmen ein. „Einige Läufer bleiben sogar kurz stehen und tanzen mit uns. Wir sind froh, dass es sich mit dem Regen einigermaßen in Grenzen hält“, freut sich Band-Mitglied Manfred Quade.

Oberbürgermeister gibt sich kämpferisch

Für ein Tänzchen oder eine Wurst im IGBCE-Zelt hat Oberbürgermeister Bernd Tischler keine Zeit. Einen kurzen Moment hält er am Fanpoint inne und lässt sich ein Becher mit Wasser angeben. „Ich würde gerne unter 3 Stunden und 45 Minuten bleiben“, gibt sich Tischler kämpferisch. Die Strecke mit vielen Erhöhungen sei anspruchsvoll, durchhalten werde er in jedem Fall. „Die Stimmung an der Strecke ist wirklich fantastisch – Kompliment an die Bottroper“, lobt er die Helfer und Zuschauer. Tischler kommt als 245. Läufer mit einer Zeit von 3 Stunden und 40 Minuten ins Ziel.

Klaus Falk wäre mitgelaufen, musste die Teilnahme jedoch krankheitsbedingt absagen. „Mein Favorit ist unser Oberbürgermeister. Ich wäre gerne gegen ihn angetreten, jetzt feuere ich ihn eben an.“

Jürgen Grütjen ist extra aus Duisburg gekommen, um seine Arbeitskollegen von der RAG zu unterstützen. „Die Menschen sind begeistert, die Zuschauer auch. Ich bin das erste Mal bei einem Marathon. Das ist eine tolle Veranstaltung.“ Teilnehmer Gregor Brodowki gönnt sich eine kurze Auszeit am Fanpoint. „Kompliment an die Helfer. Es ist schön, wenn wir Läufer hier noch ein nettes Lächeln mit auf den Weg bekommen. Das ist genauso wichtig wie die Getränke.“ Tim Schulze

„Ein gelungener Vivawest-Auftakt, und hier in Gladbeck dank der vielen Helfer eine tolle Veranstaltung“

Gute Stimmung, viel Jubel und bewundernswerte Läufer – der Vivawest-Marathon auf Gladbecker Gebiet war ein tolles Event. Kurz vor elf Uhr war der erste Läufer am Kilometerpunkt 33 vorbeigeflitzt, die Welle der Marathonis lief gegen 12 Uhr in Gladbeck ein. Und die Anfeuerungsrufe hörten gar nicht mehr auf...

Gute 300 Gladbecker waren zur Ecke Horster-/Heringstraße gekommen, hatten Tröten, Lautsprecher Rasseln und anderes, was Krach macht, mitgebracht. Viele klatschten sich die Hände müde, um den Läufern Mut zu machen, sie ein wenig zu beflügeln, auch den „Rest“ der 42,195 Kilometer bis zum Ziel in Gelsenkirchen zu bestehen. Lautstark wurden vor allem bekannte Gesichter begrüßt, etwa Läufer der Fun Runner. Die Marathonis freuten sich, soviel Unterstützung zu bekommen, viele winkten, manche machten im Laufen sogar die „Welle“.

Wasser gab es natürlich, aber auch Cola und Stärkungsdrinks

Reichlich genutzt wurde die Verpflegung am Wegesrand – ehrenamtliche Helfer hatten Organisation und Durchführung der offiziellen Verpflegungsstation übernommen. Wasser gab es natürlich, aber auch Cola und Stärkungsdrinks, selbstverständlich auch Bananen. Den Zuschauer wurden ebenso Leckereien angeboten - der Erlös aus dem Verkauf fließt in die Unterstützung von Gewaltopfer Kevin.

Schon um 8 Uhr hatten die gut 40 Freiwilligen den Versorgungsstand und all das, was dazu gehört, aufgebaut. Noch früher waren die Straßen rund um Brauck-, Hering- und Horster Straße, die Route des neuen Vivawest-Marathons auf Gladbecker Gebiet, gesperrt worden. Die ersten Zuschauer kamen trotz der Kühle und des dicken Schauers am Morgen schon um 9.30 Uhr.

Man wollte auf keinen Fall jemanden verpassen – immerhin sah man mit dem ersten Läufer um zwei Minuten vor elf auch den späteren Sieger Florian Neuschwader, der seiner Startnummer 1 alle Ehre machte. Der erste Gladbecker, der die Kurve in Brauck als Vierter absolvierte, war Felix Ogrzwalla vom SV 13. Kurz nach elf Uhr entzückte er die Zuschauer. Am Ende wurde er als bester Gladbecker Siebter.

„Klasse, super, halt durch!“

Am Anfang sah man die Läufer noch vereinzelt die Heringstraße hochkommen, gegen 11.25 Uhr war erstmals eine kleine Gruppe zu sehen, fünf Minuten später wurde die erste Frau bejubelt, die in Fahrradbegleitung unterwegs war. So langsam spürte man, dass das Hauptfeld nahte. „Klasse, super, halt durch!“, immer wieder hörte man aus den Zuschauerreihen Anfeuerungen. Besonders laut wurde es immer, wenn Gladbecker erkannt wurden. Unaufhörlich schlug die Trommelgruppe der Elsa-Brandström-Schule auf umfunktionierte Eimer ein und sorgte für einen nicht zu überhörenden (Lauf-)Rhythmus.

Kurz vor 14 Uhr passierten die letzten Marathonläufer die Verpflegungsstelle, es folgten - in gebührendem Abstand - Putz- und Räumfahrzeuge. Gegen 14.15 Uhr wurden die Straßen wieder für den Verkehr freigegeben. „Ein gelungener Vivawest-Auftakt, und hier in Gladbeck dank der vielen Helfer eine tolle Veranstaltung“, hieß es am Ende. Georg Meinert

Moderator ohne Publikum, Läufer ohne Zuschauer: Der Vivawest-Marathon in Essen war ausbaufähig

Als am Sonntag um Punkt neun Uhr in der Gelsenkirchener Innenstadt der Startschuss für den Marathon durchs Ruhrgebiet fällt, drehen sich die Essener vermutlich gerade noch mal um, träumen von gutem Wetter, oder sitzen vielleicht alle schon an Muttis Kaffeetafel. An der 42,195 Kilometer langen Strecke, die ne­ben Gladbeck und Bottrop vom Start aus auch gut 16 Kilometer durch Essen führt, steht jedenfalls kaum jemand, um die rund 2.000 Läufer anzufeuern. Auch auf dem Kennedyplatz kommentiert ein Moderator ohne Publikum, das Glücksrad dreht sich einsam im Wind, und die (fast) einzigen Zuschauer dort sind die Sportlerlegenden Franziska van Almsick und Heiner Brand – als Pappaufsteller am Rande.

Daniela Christoph ist nicht aus Pappe, hat aber ein Schild aus solcher für den Schwager gebastelt und wartet seit 9.30 Uhr in der Rathaus-Galerie auf seine Ankunft. Mit ihr stehen dort noch etwa ein Dutzend Passanten an den Absperrungen, mindestens genau so viel Sicherheitspersonal ist ebenfalls da. Viele sind nach den Anschlägen in Boston vielleicht lieber gleich zu Hause geblieben, obwohl man doch extra sämtliche Mülleimer vorsorglich aus dem Center entfernt (und an den Eingängen verteilt) hat.

Polizei und Evag melden den ganzen Tag über keine besonderen Vorkommnisse

Polizei und Essener Verkehrs AG melden den ganzen Tag über keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter mag – neben der Uhrzeit – auch manch einen abgehalten haben, nicht aber Dagmar Krause: Schon bevor die ersten Läufer überhaupt aus der Rathaus-Galerie kommen, trötet die Holsterhauserin fleißig auf der Vuvuzela, die bei der letzten Fußball-Meisterschaft schon etliche Trommelfelle zerstört haben muss. Wen sie anfeuert? „Niemand bestimmten“, so die 61-Jährige, die bei jedem Lauf in der Umgebung mit ihrer Tochter Karina dabei ist – seit ihrem Bandscheibenvorfall allerdings neben und nicht auf der Strecke, doch „Anfeuern gibt mir auch Kraft“. Aber jetzt hat sie keine Zeit mehr, die ersten Läufer erreichen gerade die Rathaus-Galerie.

Nach zehn Sekunden Jubel-Ekstase der circa 20 Zuschauer für den ersten Läufer (und späteren Sieger) kommt lange nichts. Dann folgen etliche Marathon-Männer in Kniestrümpfen, teils im Partner-Look oder rosa Tüllröckchen, bis ein Radfahrer sie endlich mit einem großen Schild ankündigt: „die erste Frau“. Und als ein männliches Laufpaar schließlich für sich selbst jubelnd die Arme hochreißt, muss man sich unweigerlich der Frage stellen, ob man bei zwei euphorisierten Personen eigentlich von La Ola, der Welle sprechen kann. Julia Rathcke