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Trauerfeier

30.03.2008 | 16:01 Uhr
Trauerfeier

Die Anwohner im Bergmannsglück verabschiedeten sich am Freitagabend mit einer Party vom Pfarrheim der Christus-König-Gemeinde, das geschlossen und abgerissen werden wird.

„Die Tischtennisfreunde nehmen Abschied”, steht in Druckschrift im Kondolenzbuch, das sich im Laufe des Abends mit über hundert Unterschriften füllen sollte. Die Bergmannsglücker betrauerten allerdings keinen Angehörigen, sondern ihr Pfarrheim Christus König, jahrzentelang Anlauf- und Treffpunkt für Gemeindemitglieder, Vereine und Verbände aus der Nachbarschaft, die dort gemeinsam feierten, arbeiteten, lebten.

Norbert Hartmaring kann ein Lied davon singen. Er ist in Bergmannsglück aufgewachsen und hat den Aufbau des ursprünglich als Jugendheim konzipierte Pfarrhauses in den 1960-er Jahren miterlebt. „Wir Kinder haben Postkarten mit einem Bild der Kirche für 50 Pfennig verkauft, um Geld für den Bau zu sammeln”, berichtet Hartmaring.

Doch nicht nur die Jugendlichen, auch die älteren Bergmannsglück-Bewohner packten kräftig mit an. „Viel wurde damals in Eigenleistung gebaut. Wer Maurer war, hat halt in seiner Freizeit die Wände mit hochgezogen.”

Dieses gemeinschaftliche Engagement zeichnete seit jeher die Nachbarn rund um die Gemeinde an der Sydowstraße aus. „Wann immer es was zu tun gab, waren alle dabei”, berichtet Christa Peters. So wurden unter anderem die Kegelbahn im Keller oder die Theke in der ersten Etage auch von den Bergmannsglückern mit gebaut und kräftig genutzt.

„Hier haben sich alle getroffen”, blickt Reinhard Ostermann zurück. „Dabei spielte es keine Rolle, welcher Konfession oder Partei man angehörte. Da haben wir nie Unterschiede gemacht.” Bis auf vielleicht eine Ausnahme, an die sich Norbert Hartmaring erinnert. „Meine Frau ist evangelisch, und als wir damals vor dem katholischen Pfarrer standen, meinte der nur, dass sowas eh nicht lange halten wird. Hat's aber.”

Im Laufe der letzten rund 40 Jahre trafen sich immer wieder verschiedene Gruppen – nicht nur aus der Gemeinde – im Pfarrheim, die sich jetzt einen anderen Treffpunkt suchen müssen. „Wir wissen derzeit noch nicht, wo wir hin sollen”, so Andreas Kutz, 1. Vorsitzender der Siedlergemeinschaft.

Fest steht allerdings: Im Michaelshaus, wie von der St.-Urbanus-Gemeinde vorgeschlagen, werden sich die wenigsten wiederfinden. „Für Kinder ist das zu weit entfernt und mit der Überquerung des Nordrings auch zu gefährlich”, findet Christa Peters und fügt hinzu: „Außerdem versuchen Sie da mal einen festen Termin zu bekommen.”

Deshalb hofft die Gemeinschaft Bergmannsglücker Vereine, möglicherweise auf ehemaligem Zechengelände an der Bergmannsglückstraße in einer alten Halle ein neues Heim zu finden. „Doch das ist mindestens eine mittel- wenn nicht sogar langfristige Perspektive”, so Ostermann.

Trotz aller Trauer, gefeiert wurde am Freitag dann doch noch. Im großen Saal fanden sich über 100 Nachbarn zusammen. Und das Programm der Trauerfeier (übrigens ausschließlich von Bergmannsglücker Eigengewächsen bestritten) konnte sich sehen lassen. Zum Auftakt gab es feurige Flamenco-Tänze von Bella Schrader. Danach standen noch Auftritte von Sängerin Kerstin Konrad und Choreografien von den Crazy Girls auf dem Programm.

Dafür gab's von allen Seiten berechtigten lautstarken Applaus, bevor am späten Abend die Lichter im Pfarrheim an der Sydowstraße ausgingen. Zum letzten Mal.

Sebastian Konopka



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