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Wiebold TV - Tag und Nacht dem Verbrechen auf der Spur

04.06.2014 | 06:00 Uhr
Lkw in Sparkassen-Filiale. Ein Fall für Wolfgang Wiebold - so geschehen am 10. Oktober 2011. Ein abgestellter 40-Tonner hatte sich selbstständig gemacht und war vor den Eingangsbereich der Hauptstelle in der Essener Innenstadt gerollt. Der 56-jährige Fahrer versuchte noch aufzuspringen und wurde bei dem Versuch, den Laster zu stoppen, schwer verletzt.Foto: Wolfgang Wiebold

Essen.   „Ich habe immer Pionierarbeit gemacht“, sagt Wolfgang Wiebold über sich. Als einer der ersten setzt der Fotograf in den 80ern Tatorte in Farbe in Szene. Der 64-Jährige ist der Blaulicht-Reporter schlechthin: „Ich habe keine Familie, „ich bin verheiratet mit dem Job.“ Eine Biografie ist in Arbeit.

Es könnte das ambitionierteste Projekt im Leben von Wolfgang Wiebold werden: die Vita des Blaulicht-Reporters schlechthin zwischen zwei Buchdeckel pressen zu lassen. Der mittlerweile 64-Jährige hat eine Bekannte gefunden, die sich dieser Aufgabe angenommen hat. Sie liegen aktuell bei 60 Seiten. Das ist noch eine sehr überschaubare Zahl für das Leben, das Wiebold geführt hat.

Die Biografin könnte anfangen im Studio in einer Nebenstraße in Rüttenscheid, modernste Technik und abgewetzteste Ledersessel, die von langen Tagen und langen Nächten zeugen. Wenig persönliche Gegenstände, im Keller ein Server, der unaufhaltsam wummert, im Erdgeschoss überquellende Aschenbecher. In die schafft es Wiebold tatsächlich immer wieder, noch einen und noch einen Glimmstengel unterzubringen ohne einen Großbrand auszulösen, während der nächste schon in seinem Mundwinkel steckt. Warten auf den nächsten Einsatz. „Die Zigarette“, sagt der 64-Jährige, „gehört einfach zu mir.“ Er zündet sich noch eine an, während er innerlich glüht. „Aktuell“, „schnell“, Attributen wie diesen hat er sich verschrieben. Unter Strom. Immer. „Ich habe keine Familie“, sagt Wiebold, „ich bin verheiratet mit dem Job.“ Wiebold TVnews betreibt er mit einem Partner, freie Mitarbeiter liefern zu. Ihr Anspruch: Da sein, wenn es brennt. Und möglichst die ersten zu sein.

„Mein Traum war immer, Pressefotograf zu werden“

„Wenn ich zur Ruhe komme, denke ich zu oft darüber nach, was ich alles erlebt habe“, sagt Wolfgang Wiebold. Ans Aufhören ist für ihn nicht zu denken. Foto: Sebastian Konopka

Das Buch könnte von den Träumen erzählen, die der 64-Jährige in seinem Leben gehabt hat. Als Heranwachsender ist sein großes Ziel die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Aktiv Leichtathletik betreibt er in den 60er Jahren, Leistungssport, läuft abends 20 Kilometer zum Training quer den Hafen in Duisburg, seiner Heimatstadt. Nach dem Bund in Rheine macht er erste Fotos für die Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung (NRZ), und reist mit einem Zirkus durch Europa, die Kamera immer im Gepäck. Mitte der 80er Jahre segelt er einmal mit zwei Bekannten per Schiff von Gran Canaria nach Kuba. 30 Tage lang. Es ist sein erstes Mal auf dem Wasser - und wie sein Motto fürs Leben: „Ich habe immer nach vorne geguckt.“

Unfälle, Verbrechen und Enschede

„Mein Traum“, sagt Wiebold, „war immer, Pressefotograf zu werden.“ In den 70er Jahren heuert er bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) an, zur Mitte des Jahrzehnts arbeitet er in der Lokalredaktion in Essen, bis Mitte der 80er Jahre dann als Springer in etlichen Städten des Ruhrgebiets. Es ist das, was Wiebold tagsüber macht; wenn andere schlafen, liegt er auf der Lauer: „Wenn nachts etwas passiert ist, bin ich losgefahren.“ Zu Unfällen und Unglücken, zu Leichen und Bränden.

„So begann das Frühstücksfernsehen im Ersten“

Wiebold ist der, der vorneweg gegangen ist. So sieht er sich selbst: „Ich habe immer Pionierarbeit gemacht.“ Anfang der 80er Jahre fotografiert er als einer der ersten Tatort-Fotografen in Farbe, er legt sich ein Autotelefon zu - „dadurch war ich noch schneller“ - und damit war er letztlich auch immer erreichbar. Schon in den frühen 80er Jahren dreht Wiebold Filme. 1982 liefert er seinen ersten Beitrag fürs TV. Der Clip zeigt den Brand der Großdiskothek Fledermaus an der Gelsenkirchener Stadtgrenze. Unzählige folgen. „So habe ich mir beim Fernsehen einen Namen gemacht“, sagt der 64-Jährige heute. Daraus erwachsen abenteuerliche Ideen. Als Anfang 1991 die Befreiung Kuwaits von der irakischen Besatzung beginnt, schnappt sich Wiebold seine Kamera und holt Stimmen der Menschen in Essen ein, wie sie darauf reagieren, mitten in der Nacht, am Großmarkt, am Schlachthof. Die Bilder strahlt die ARD um vier Uhr morgens in der Tagesschau aus. Es sind die ersten Reaktionen bundesweit. „So begann das Frühstücksfernsehen im Ersten“, sagt Wiebold.

16.Oktober 2010: Ein Auto droht nach einem Wasserrohrbruch in Essen-Dellwig, in dem Loch zu versinken. Die Feuerwehr barg den Wagen schließlich mit einem Kran. Foto: Wolfgang Wiebold

Wiebold ist auch der, der nicht zurückschreckt. Den ein Flatterband auf der Autobahn nicht davon abhält, sich zum Flughafen Düsseldorf durchzuschlagen, als der 1996 in Flammen steht: „Ich bin in das brennende Terminal rein und stolpere fast über die ersten Leichen.“ Die Bilder verkauft Wiebold später an die Tagesschau. Und Deutschland sieht, dass es Tote am Düsseldorfer Flughafen gegeben hat. „Was ich filmen konnte, habe ich gefilmt“, blickt Wiebold zurück. Als Chronist der Zeitgeschichte betrachtet sich der 64-Jährige. „Ethik und Moral fangen an, wenn es veröffentlicht wird, alles andere ist ein Dokument.“

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Kommentare
04.06.2014
16:27
Wiebold TV - Tag und Nacht dem Verbrechen auf der Spur
von CarlFunke73 | #7

Ich kann mich #4, #5, #6 nur anschließen....
und erinnere mich noch an den Aktionsjournalismus, als schwer Verletzte Menschen, zum Teil nur noch mit...
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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #7-1

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Wiebold TV - Tag und Nacht dem Verbrechen auf der Spur
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2014-06-04 06:00
Wolfgang Wiebold, Wiebold TV, Essen, Blaulicht, Polizei, Feuerwehr
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