Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Kommunalpolitik

Verschwiegene Gewalt in Amtsstuben

10.04.2013 | 19:40 Uhr
Verschwiegene Gewalt in Amtsstuben
Personaldezernent Christian Kromberg.Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Eine Anfrage wird zum Politikum: Werden Bürger stigmatisiert, wenn die Stadt deren Übergriffe zum Thema macht?

Wenn die Helfer kommen, ist die Gefahr schon fast vorüber? Von wegen: Manchmal geht sie dann erst richtig los, wie jene Rettungssanitäter und Feuerwehrleute berichten können, die in der Silvesternacht gezielt mit Böllern und Raketen „beschossen“ wurden . Aber es ist nicht nur aus dem Ruder laufende Partylaune, die städtische Bedienstete angelegentlich in Gefahr bringt, manchmal ist es schlicht die kalte Wut der „Kunden“ über vermeintlich schlechte Behandlung. Und dann wird auch schon mal mit dem Messer gedroht.

Seltene Einzelfälle sind das, nicht mehr – vor allem angesichts Hunderttausender Bürgerkontakte. Für CDU, FDP und Essener Bürger Bündnis dennoch Grund genug, einmal im Jahr einen Bericht über gefährliche oder bedrohliche Situationen in Amtsstuben einzufordern.

 

Personalausschuss bügelt Antrag ab

Doch was im Aufsichtsrat der Essener Verkehrs AG geübte Praxis darstellt, wurde im städtischen Personalausschuss gestern zum Politikum und prompt mehrheitlich abgebügelt: Von einem „Schauantrag, der die Verwaltung beschäftigen soll“, sprach die SPD, und selbst die Grünen – sonst mit den Antragstellern im Schulterschluss – schüttelten über den „populistischen“ Vorstoß den Kopf: Da werde, so Elisabeth van Heesch-Orgaß empört, „das Publikum stigmatisiert und kriminalisiert“, auch und gerade im Job-Center. Der Antrag von CDU und Co. – nur ein Instrument also, um sattsam bekannte Vorurteile zu schüren?

Christdemokrat Matthias Hauer war erklärtermaßen „ein Stück weit erschüttert“, dass nicht mal ein schnöder Jahresbericht allgemeine Zustimmung findet. Was bei ihm den Verdacht auslöse, es sollten keine Fragen gestellt werden, „weil man die Antworten darauf nicht hören möchte“. Und auch Josef Förster vom Bürger Bündnis konnte sich nur wundern: Hinterher, wenn was passiert, „ist der Kummer groß – und alle schieben die Verantwortung hin und her“.

Belegschaft sieht keinen Nachholbedarf beim Thema Sicherheit

Aber was will die Politik machen, wenn selbst die Betroffenen eine solche Aufarbeitung mit gebremster Begeisterung beäugen: Kai-Uwe Gaida jedenfalls, Personalrats-Chef der gut 9100 städtischen Bediensteten, wies gestern darauf hin, dass die Belegschaft grundsätzlich keinen Nachholbedarf an Sicherheit sehe: Das im vergangenen Jahr eingestielte Konzept mit Alarmknöpfen am Schreibtisch funktioniere offenbar, und die Mitarbeiter in den Amtsstuben hätten „keine Lust und kein Interesse, sich gegen die Bürger regelrecht abzuschotten“. „Wut und Enttäuschung, Frust und damit letztlich Aggression“ entstünden vielmehr, wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Bis zu sieben Stunden Wartezeit im Ausländeramt „machen die Menschen nicht freundlicher, das kann ich ihnen sagen“.

Personaldezernent Christian Kromberg musste da widersprechen: Wartezeiten dieser Länge „gehören längst der Vergangenheit an.“ Alles in Ordnung also? Die „Amtsgewalt“ wird jedenfalls kein Berichtsthema: Der Ausschuss lehnte das Ansinnen mehrheitlich ab.

Wolfgang Kintscher



Kommentare
10.04.2013
20:09
Verschwiegene Gewalt in Amtsstuben
von trickflyer | #1

kleiner exkurs:oops....da sehe ich aber ne menge einsparpotential.....der gut 9100 städtischen Bediensteten.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Lachen für gute Laune - und die Bäume im Grugapark
Lach-Yoga
Jeden Montag ist an der Orangerie im Grugapark ab sofort Lach-Yoga angesagt: „Hihihi. Hohoho. Hahaha.“ Die Spenden der Teilnehmer fließen komplett in die Wiederaufforstung. Wer die lachende Gruppe beobachtet, schüttelt verdutzt den Kopf oder lacht ganz selbstverständlich mit.
An der Essener Uniklinik mit Kunstblut den Ernstfall proben
Lokales
30 Medizinstudenten spielen bei der Sommerakademie für Notfallmedizin am Uniklinikum Essen realitätsnahe Unfallszenarien durch. Höhepunkt: ein Geiseldrama. Blut fließt, es wird geschrieen und unter Hochdruck operiert. Bei der gestrigen Abschlussübung war auch das SEK dabei.
Stadtwerke Essen führen neuen Tarif ein
Energieversorgung
Der städtisch beherrschte Energieversorger aus Rüttenscheid vereinfacht seine Tarifstruktur: „Essen Gas“ ersetzt „Klaro“. Der Preis bleibt stabil - mindestens bis Mitte nächsten Jahres. Für einige Kunden wird es sogar günstiger.
Hundstage für Tiertrainer
Arbeitsrecht
Seit dem 1. August benötigen Hundetrainer aufgrund einer Neuerung des Tierschutzgesetzes eine Erlaubnis des Ordnungsamtes, um ihre Tätigkeit weiterhin ausüben zu dürfen – viele Betreiber von Hundeschulen bangen nun um ihre Existenz
Groß-Asyl in Essens Süden rückt näher
Flüchtlinge
Essen rechnet mit einem Okay des Landes für das Groß-Asyl. Der Standort Wallneyer Straße ist dabei schon so gut wie ausgeschieden. Alle Signale aus Politik und Verwaltung deuten darauf hin, dass das Heim auf dem ehemaligen Kutel-Gelände entsteht.
Umfrage
Wie bewerten Sie das Umsonst-und-draußen-Stadtfest
 
Fotos und Videos
Auftakt zum Festival
Bildgalerie
Essen original
Proben für die Premiere
Bildgalerie
Theater Freudenhaus.
Lachyoga im Grugapark
Video
Entspannung
Ritter im Schrebergarten
Bildgalerie
KGV Stiftsdamenwald