Verdi startet Protest gegen Kürzungen bei der Evag

Die Verdi-Vertrauensleute bei der Evag tragen ihren Protest am Samstag in die Essener Innenstadt. Vor der Marktkirche wollen sie Unterschriften sammeln.
Die Verdi-Vertrauensleute bei der Evag tragen ihren Protest am Samstag in die Essener Innenstadt. Vor der Marktkirche wollen sie Unterschriften sammeln.
Was wir bereits wissen
Unter dem Motto „Rettet Essener Bus und Bahn“ startet die Gewerkschaft heute eine groß angelegte Kampagne gegen Einsparungen im Nahverkehr. Ihre Kritik richtet sich auch an OB Reinhard Paß.

Essen.. Gegen drohende Einschnitte beim Öffentlichen Personen-Nahverkehr formiert sich Widerstand. Die Gewerkschaft Verdi startet dazu am heutigen Samstag eine groß angelegte Protestaktion. Das Motto lautet: „Das geht nur gemeinsam: Rettet Essener Bus und Bahn!“ Ab zehn Uhr will Verdi vor der Marktkirche in der Innenstadt Unterschriften sammeln. Auch im Internet können Bürger den Protest unterstützen. Ab Samstag können sie den Aufruf unter der Adresse www.verdi-essen-verkehr.de online unterschreiben.

Wie Verdi gestern mitteilte, richtet sich die Kampagne insbesondere gegen den angekündigten Stellenabbau bei der Essener Verkehrs-AG (Evag). Wie berichtet, sollen dort befristete Arbeitsverträge nicht verlängert werden. Verdi will erfahren haben, dass davon bis zu 200 Beschäftigte betroffen sein sollen. Die Evag spricht von rund 100 befristeten Verträgen für Bus- und Bahnfahrer, aber auch für Mitarbeiter in den Werkstätten. Hinzu kommen 60 Auszubildende.

Evag-Vorstand Michael Feller sagte im Gespräch mit der WAZ, jeder einzelne Fall werde geprüft. Muss die Evag doch sicherstellen, dass Busse und Bahnen fahren. Andernfalls drohe der Verlust von Konzessionen durch die Bezirksregierung. Eine Job-Garantie könne er jedoch nicht geben, so Feller.

Stadt ist verpflichtet, die Nahverkehrsleistung zu finanzieren

Als Mitglied des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr ist die Stadt Essen dazu verpflichtet, die Nahverkehrsleistung zu finanzieren. Doch das bisher praktizierte Modell, wonach Verluste der Evag mit den Einnahmen der Stadtwerke verrechnet werden und die verbliebene Lücke im Etat mit der Dividende der RWE-Aktien gestopft wird, funktioniert nicht mehr, seit das Papier im Zuge der Energiewende mehr als zwei Drittel seines Wertes eingebüßt hat. Für 2015 rechnet die Evag mit einem Defizit von 65 Millionen Euro. Obwohl die Vorgaben des Wirtschaftsplanes für 2015 erfüllt würden, ist der Betrieb gehalten seine Kosten zu senken. Derzeit verhandeln Geschäftsführung und Betriebsrat über die Kürzung von Leistungen.

„Wie es mit Bus, Bahn und hunderten Arbeitsplätzen in unserer Stadt weitergehen soll, ist unklar“, beklagt Verdi-Sekretär Rainer Sauer. Über mögliche Einschnitte beim Angebot der Evag muss die Politik mit der Verabschiedung des neuen Nahverkehrsplanes entscheiden. Verdi sieht den Fortbestand des heutigen Leistungsangebotes für die Bürger stark gefährdet. „Wir werden uns in den kommenden Wochen massiv für den Erhalt von Bus und Straßenbahn in unserer Stadt einsetzen und gegen die wirren Sparpläne“, betont Sauer. Verdi sieht dabei auch die Stadtspitze in der Pflicht. Von Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) und Stadtkämmerer Lars Martin Klieve (CDU), aber auch von der Politik, fordert die Gewerkschaft, dass sie alles unternehmen, um Schaden von der Evag abzuwenden. Immerhin seien Klieve und Paß „nicht ganz Unschuldig an diesem Desaster“.

Vom Oberbürgermeister dürften die Arbeitnehmer mehr erwarten, meint Sauer in Anspielung an die Rede des OB bei der Mai-Kundgebung auf dem Burgplatz. Paß hatte in einigen wenigen Sätzen betont, wie wichtig der Nahverkehr auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sei. Sauer: „Es kam nicht richtig rüber.“