Das aktuelle Wetter Essen 0°C

Demographie

Täglich sieben Einwohner weniger in Essen

05.09.2010 | 17:43 Uhr
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
Leerstand – eine Folge des demographischen Wandels. Nicht nur in Essen, sondern in vielen Städten. Unser Bild zeigt eine Szene in Mülheim. Foto: WAZ FotoPool

Essen.In den nächsten 15 Jahren wird Essen mit über 40 000 Bürgern die Bevölkerung einer Kleinstadt verlieren und im Jahr 2025 nur noch 531 155 Einwohner haben. Oder: Essen schrumpft täglich um sieben Einwohner.

Hintergrund
Essen auf Platz 9

Die größten Städte (Zahlen Stand Anfang 2009):
1. Berlin (3,43 Mio)
2. Hamburg (1,77 Mio)
3. München (1,33 Mio)
4. Köln (995 000)
5. Frankfurt (665 000)
6. Stuttgart (600 000)
7. Dortmund (584 400)
8. Düsseldorf (584 200)
9. Essen (579 000)

Das geht aus der neuesten bisher noch unveröffentlichten Prognose des Statistikamtes der Stadt zur Bevölkerungsentwicklung von 2010 bis 2025 hervor.

Damit schrumpft Essen zwar nicht ganz so schnell wie noch 2005 angenommen, muss jedoch intensiv über die Folgen für die Infrastruktur nachdenken: Denn Essen benötigt künftig noch weniger Schulen, Kindergärten und Mietwohnungen; die Stadt wird weniger Strom, Wasser und Heizenergie verbrauchen und auch die Kanal- und Straßeninfrastruktur muss weiter angepasst werden.

Vor 50 Jahren, 1961, hatte Essen inklusive der damals noch eigenständigen Gemeinden Kettwig und Burgaltendorf den historischen Rekord an Einwohnern erreicht: 750 000. Die Zahl sank dann stetig: Auf 627 000 Einwohner 1990, auf 600 000 im Jahr 2000 und auf 572 600 in diesem Jahr - mit fast gleichbleibender Tendenz. Von 1990 bis 2000 betrug das Minus 4,5 Prozent, von 2000 bis 2010 4,4 Prozent - und nun erwarten die Stadt-Statistiker einen leicht beschleunigten Rückgang von knapp 5 Prozent bis zum Jahr 2025.

Süden verliert weniger Einwohner

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahren gehen das Statistik-Amt davon aus, dass Essen an Attraktivität bei Familien und Singles gewinnt: Jährlich ziehen im Schnitt 21 000 neu nach Essen, 20 000 verlassen diese Stadt, also ein leichter Zugewinn. Insgesamt schrumpft Essen vor allem deshalb, weil mit 7000 bis 8000 Menschen jährlich mehr Menschen sterben als Babys geboren werden. Denn nur noch rund 4500 Kinder kommen pro Jahr als Essener auf die Welt, vor zehn Jahren wurde in dieser Stadt zum letzten Mal die Marke von 5000 Babys erreicht.

So geht allein die Zahl an Kita-Kindern über drei Jahre, Grundschulkindern und Jugendlichen von heute 61 200 auf 53 700 zurück - ein Minus von 12,3 Prozent. Die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahren steigt dagegen um 2560 Menschen auf 36 390 - ein Plus von 7,6 Prozent.

Das fügt sich zunächst ins Bild der ständigen Litanei von Politikern: Wir werden weniger, älter und - wegen des zunehmenden Migrantenteils - bunter. Die Stadtstatistiker glauben allerdings interessanterweise, dass sich der Anteil der über 65-jährigen in Essen insgesamt nicht mehr großartig verändern wird: Von 22,2 Prozent in diesem Jahr auf 22,6 Prozent 2025.

Der Süden (Kettwig, Werden, Burgaltendorf, Kupferdreh) verliert nur wenige Einwohner oder gewinnt sogar welche. Er wird genauso als beliebtes Zuzugsgebiet mit positiver Wanderungsbilanz eingeschätzt wie der ganze Nordwesten: So büßen Borbeck, Gerschede, Bedingrade und Frintrop, mit 5,2 Prozent bis 2025 weniger Einwohner ein als im Schnitt das gesamte Stadtgebiet mit 7,2 Prozent. Dagegen verlieren der Westen der Stadt, Altendorf und Holsterhausen, und der Norden, Altenessen und Vogelheim, absolut und prozentual die meisten Bewohner, über 10 000 Leute. Das sind bis zu 18 Prozent.

Peter Szymaniak

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
07.09.2010
20:09
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von Mike Kloepar | #43

Das ist doch kein Wunder, das jeder vernünftige Mensch hier abhaut. Schaut Euch mal an wie die Bürger abkasiert werden. Wasser oder Grundsteuer. Damit die Beamten im Rathaus ordentlich krank Feiern können!

07.09.2010
17:07
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von Ruhrostfriese | #42

Traurig, wenn man bedenkt, dass Essen in den 70er Jahren noch fünftgrößte Stadt, und damit sogar vor Frankfurt am Main war. Krass, wie schnell so ein Bevölkerungsrückgang geht.

07.09.2010
14:35
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von quasselkopp | #41

Ich habe noch den Print Gesamtauflage am Wochenende 750.000 auf der WAZ vor Augen.
Ich möchte auch nicht weg. Ja, wirklich, man mag es nicht glauben: Auch der 5.klassige RWE hält mich hier. Adler Krone und Schwert sind mir heilig.
Aber im Augenblick ist es doch zum Kotzen in Essen!
Während RWE real 5.klassig spielt, ist Unterklassigkeit aber wohl auch eine verleugnete Stärke der gegenwärtigen Stadtverwaltung. Wie hier schon viel zu Lange nach Gutdünken und Parteidünkel Politik gemacht wurde geht auf keine Kuhhaut. Es fing mit einer Abtei an der Ruhr an, und wer weiss...?

07.09.2010
09:55
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von omo1 | #40

Essen wird zur reinen Wirtschaftsstadt und die Bosse schaffen sich ihre kulturellen Ecken.Der Fußball spielt im Ruhrgebiet eine große Rolle.Vorbilder für die Kinder,Indentifikation mit der Stadt,Aushängeschild für die Stadt und ganz besonders das -Wir in Essen-Gefühl für viele .Und was ist?Die Sportbegeisterten gehen paralel mit den hohen Sponsorengelder der essener Wirtschaft in die Nachbarstädte! Was ist Gelsenkirchen ohne Schalke????? Wer glaubt das es hier nur um Fußball oder Sport Fans geht irrt gewaltig.Sport ist ein Hauptteil der Kultur des kleinen Mannes.Sicherlich ist Essen an einigen Stellen schöner geworden,aber viele haben keinen Anteil oder Nutzten daran.

07.09.2010
06:52
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von sgt.donny | #39

essen wird an vielen ecken immer schöner, viele parks. im gegenzug wer will an den hauptverkehrsstraßen leben?
außerdem ist der nahverkehr als dieser kaum zu bezeichnen und mit dem auto kann man in machen teilen auch nix reißen.

06.09.2010
22:15
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von osis | #38

Wenn ich einen job in Essen finden würde.. Dann würde ich kommen... Ist aber leider nicht soo einfach...

06.09.2010
22:11
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von Rike57 | #37

@36 von D. , selbstverständlich, spielt auch der jeweilige Sport, eine große Rolle.
Schon alleine wegen des Unterhaltungswertes.
Gerade der Fußball.
Nicht nur Brahms und Shakespeare!

Auch Sportplätze und Bäderangebote.
Wir sind doch keine Stubenhocker?!

06.09.2010
21:35
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von D. | #36

Als würde die Lebensqualität einer Stadt am Erfolg des ortsansässigen Fußballvereines gemessen...
Manchmal muss man sich wirklich fragen, was für Gedanken in manchen Köpfen rumspringen...

06.09.2010
18:34
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von ruhrpottler1978 | #35

@stromer
In Essen is man auch nicht gehässig.
Da wird ganz ohne Neid vor 6000 in der NRW-Liga gespielt,anstatt vor 4000 in der 2.Liga!

06.09.2010
17:58
Täglich sieben Einwohner weniger in Essen
von stromer1953 | #34

Wenn ich jetzt gehässig wäre, würde ich schreiben:
Wenn ich in Essen wohnen täte würde ich auch ausziehen.

Z.B. nach Oberhausen, da wird wenigstens in der
2 Liga Fußball gespielt und nicht in der NRW Liga!

Aber ich bin ja nicht gehässig! :-))

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3654787/create

Umfrage
Drei Monate Vollsperrung der A40: Vom 6. Juli bis zum 30. September wird die Autobahn zwischen Essen-Zentrum und Essen-Huttrop komplett gesperrt. Wie richten Sie sich darauf ein?

Drei Monate Vollsperrung der A40: Vom 6. Juli bis zum 30. September wird die Autobahn zwischen Essen-Zentrum und Essen-Huttrop komplett gesperrt. Wie richten Sie sich darauf ein?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Schwerer Verkehrsunfall auf der B 224 fordert zwei Verletzte
Polizeieinsatz
Bei einem schweren Verkehrsunfall an der B 224 sind am Montag zwei Menschen verletzt worden. Ein Sattelzug reagierte offenbar zu spät auf eine rote Ampel und fuhr auf einen Kleinwagen auf. Der Beifahrer war im Wrack eingeklemmt und musste von der Feuerwehr mit schwerem Gerät befreit werden.
3 Kommentare 3
Krebstherapie - Operationen ohne große Narben
Patienten
Eher zufällig fand man bei Siegfried Wolff ein Blurgerinnsel. Der Senior musste operiert werden. Dank neuer, sogenannter mikroinvasiver Technik bliebt nicht mehr als eine drei Zentimeter lange Narbe zurück und Siegfried Wolff war nach zwei Tagen wieder auf den Beinen.
Text