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Kinderbetreuung

Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger

12.11.2012 | 13:30 Uhr
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Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
Treffen mit den Investoren für eine neue Kita. Die Pläne werden wohl scheitern, weil die Stadt an der geplanten Zuwegung etwas auszusetzen hat. Das Foto zeigt v.l.: Gerhard Martynus, Peter Maas von den Grünen und Oliver Kern.Foto: Klaus Micke

Essen.   Der Verein für Kinder- und Jugendarbeit (VKJ) will eine große Kita in Werden bauen, das Essener Bauamt lehnt den Standort als ungeeignet ab – einen Ortstermin mit dem Bauherren gab es allerdings nicht. Nun fragt sich der VKJ, ob er überhaupt noch Kitas bauen soll.

Beim Ausbau der Kinderbetreuung ist die Stadt dringend auf freie Träger angewiesen. Nun scheint sie, einen der wichtigsten Partner zu verprellen: Der Verein für Kinder- und Jugendarbeit (VKJ) plant in Werden eine Kita mit 110 Plätzen , ein 3-Millionen-Projekt, für das es Investor, Landesmittel, Entwurf und Standort gibt. Was fehlt, ist das Okay der Baubehörden – und mit dem ist auch nicht mehr zu rechnen. „Wenn ich mir ansehe, wie mühsam das ist, habe ich keine Lust überhaupt noch Kitas zu bauen“, sagt VKJ-Geschäftsführer Oliver Kern.

Ein solcher Entschluss wäre für die Stadt fatal: Der VKJ betreibt in Essen bereits 15 Kitas und ist neben Arbeiterwohlfahrt und Kita-Zweckverband des Bistums einer der größten Träger. Von den 792 Plätzen für unter Dreijährige (U3), die im laufenden Kita-Jahr geschaffen werden, gehen mit 350 fast die Hälfte auf das Konto des VKJ. Auch in Werden wollte man sich in großem Umfang engagieren, doch zum Standort an der Ruhrtalstraße sagt die Verwaltung: zu entlegen, nicht fußläufig, für Eltern nur per Auto erreichbar, rechtlich nicht umsetzbar.

Kein Interesse an Paragraphen

„Ich interessiere mich nicht für Paragrafen, sondern dafür, was machbar ist. Unser Investor legt seit acht Monaten Pläne vor, hat vier Lösungen für eine Anbindung ausgearbeitet – und wir bekommen nicht mal einen Ortstermin mit dem Bauamt. Die entscheiden einfach vom blanken Tisch“, ärgert sich Kern. Im übrigen wohnten im nahen Neubaugebiet 50 Familien, für die die neue Kita gut erreichbar wäre.

Selbst Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen müssten, verstehen die Verwaltung nicht. So empört sich die Heidhausenerin Stefanie Hannibal: „Wenn ich der Argumentation folge, ist ein Transport meines 15 Monate alten Sohnes zu einer Kita in Huttrop oder gar Katernberg zumutbarer als eine Autofahrt nach Werden?“

Lage zu randständig

Jürgen Schroer vom Familienbüro des Jugendamtes hält dagegen: „Wir sind nicht pingelig! Wenn an einem Gelände ein paar Quadratmeter fehlen, machen wir das möglich. Aber dieser Standort geht planungsrechtlich gar nicht: Es gibt weder Fußweg noch Anbindung an den ÖPNV.“ Die Lage sei zu randständig. „Der Investor hat unter anderem einen Shuttle-Bus vorgeschlagen. Das halte ich für Kleinkinder nicht für glücklich. Und wir bauen Kitas für 20 Jahre und mehr, nicht nur für 50 Familien.“

Kern indes erlebt das Amt für Bauordnung regelmäßig als pingelig; oft lege man dem VKJ Steine in den Weg. Ein Stellungnahme des Bauamtes war am Freitag nicht zu erhalten. Kern sagt: „Die vergrätzen die Investoren, die wir ranschaffen. Wir setzen um, was für 2013 geplant ist. Ob wir dann weiter Kitas bauen, steht in den Sternen“.

Christina Wandt

Kommentare
18.11.2012
13:56
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von a_ha | #30

Heißt der Verein nicht eigentlich:
"Verein für Kinder und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V." ?
Essen-Werden ein sozialer Brennpunkt?

"Die vergrätzen die Investoren, die wir ranschaffen."
Investoren? Das sind in aller Regel Leute, die Geld investieren, um mehr Geld zu verdienen. Das sind nicht unbedingt die klassischen Kindergartenbetreiber.

13.11.2012
08:04
Lieber Geld in vorhandene Einrichtungen investieren
von Kusbutscher | #29

Der VKJ sollte die 3 Millionen lieber in die vorhandenen Einrichtungen investieren. An jeder Ecke fehlt hier ausreichendes Spielzeug für die Kinder, Mobiliar könnte dringend erneuert und sanitäre Anlagen saniert werden.
Was nützt eine Betreuung, wenn die Kinder nicht ausreichendes oder kein altergerechtes Spielzeug haben?
Ich glaube hier steht eher eine Profilneurose im Vordergrund, denn es geht nicht darum der Träger Nummer 1 mit den meisten Kitas zu sein, sondern in den vorhandenen Einrichtungen für eine adäquates Betreuungsangebot zu sorgen. Aber da sammelt man ja dann lieber Spenden...

3 Antworten
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von drregrewz | #29-1

Dem stimme ich zu!

Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von schriftsetzer | #29-2

Dann wäre aber doch die Marge geringer. Oder meint irgendjemand, die machen das aus reiner Menschen- bzw. Kinderfreundlichkeit?

Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von drregrewz | #29-3

Wohl kaum.

13.11.2012
07:35
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von viwatrou | #28

Na, die Stadtoberen kaufen lieber Grundstücke von CDU nahen Anwälten und sorgen dafür, dass diese auch genug (=zig Milionen €) verdienen. Siehe Messe und alter Güterbahnhof Rüttenscheid.

Danach erzählen sie uns, dass wären die Problemlösungen.

1 Antwort
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von marcwause | #28-1

Die Posten der Stadtoberen sind aktuell von der SPD besetzt.


13.11.2012
00:18
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von nussknacker | #27

ein Problem bleibt nach Jahren, wenn zu wenig Kinder da sind, dann ist dieser Standort der erste, der geschlossen wird.
Tatsache ist, dass in 10 Jahren nur halb so viele Kinder geboren werden!

12.11.2012
20:35
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von bert1 | #26

Das eigentliche Problem ist doch der schlecht recherchierte polemische Artikel in der WAZ...Bin mir sicher das es gute Gründe gibt, aber auch das an einer Lösung gearbeitet wird...

12.11.2012
19:41
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von Rundschuh | #25

also bei der Investitionssumme sollte doch noch ein kleiner Etat für Schulungsreisen auf die Kanaren oä enthalten sein. Dann klappts auch mit dem Bauamt.

1 Antwort
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von EduardM | #25-1

Sie sollten nicht von sich auf andere schließen

12.11.2012
19:39
Paragraphenreiterei die die Kommune unterlässt,
von meigustu | #24

ist morgen ein Haftungsrisiko.

Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz wird in einem kommunalen Betreuungsgeld enden mit dem sich die Stadt mit dem Eltern vergleicht.

12.11.2012
18:37
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von lololololo | #23

Ich glaube, bei diesen Kommentaren läuft mangels Fakten einiges aus dem Ruder:

Es ist komisch, ich steige täglich ca. 100m entfernt zudem besagen Baugrundstück an einer öffentlichen Bushaltstelle aus. Vielleicht sollte jemand mal dem Busfahrer Bescheid sagen, das dort gar kein Bus fährt. Der arme Kerl.

Ich denke, ein Fußweg ist auch ein unlösbares Problem bei einem Budget von 3 Million Euro.

@BeowulfOF | #13 : Mal kann sich wahrlich schwer vorstellen, dass in Werden Kinder zur Welt kommen und es dort Eltern geben soll, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen.

Fakt nicht nur in Werden gibt es zu wenige Kita Plätze, aber es gibt einen so hohen Bedarf, dass Paragraphenreiterei und eine Verhinderungsmentalität der zuständigen Behörden nicht weiter helfen. Als wir unser Kind vor Monaten für diese Kita angemeldet haben, lagen schon 140 Anmeldungen vor.

Wenn es ab nächstem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für U3 Kinder gibt und die ersten Klagen auf Verdie

1 Antwort
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von lololololo | #23-1

Ergänzung:
Wenn es ab nächstem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für U3 Kinder gibt und die ersten Klagen auf Verdienstausfall laufen, kann man sich fragen, ob Essen es sich leisten kann, auch nur einen Kitabau abzulehnen?

12.11.2012
18:35
Stadt Essen verprellt großen Kita-Träger
von trickflyer | #22

baut ne geschlossene anstalt....und alle vom baumt da rein.

12.11.2012
18:32
Egal, wie man es macht irgendwer wird sich immer beschweren.
von Partik | #21

Kaum steht die neue Kita, und dero Gnaden Geringverdiener kann seine Kinder nicht per ÖPNV dort hin bringen, ist das Geschrei genauso groß. Dann werden wieder arme gebeutelte Geringverdiener und Hilfeempfänger mit so einer "Bonzen-Kita" diskriminiert usw.

Nur weil Kitas fehlen, darf das noch lange nicht heißen, dass bei Bauträgern nun alle Augen zugedrückt werden, und Bestimmungen nicht beachtet werden, die "den Beamten" anschließend von den Anwohnern um die Ohren gehauen werden.

Warum die am ***** der Welt bauen wollen, dürfte klar sein: geringer Grundstückspreis, hoher Elternanteil mit Autos = eher Gutverdiener und engagierte Eltern. Dementsprechend ein hoher Anteil entsprechend erzogener Kinder statt massenweise auf Aggression erzogene kleine Prinzen, die die anderen Kinder aufmischen.

Blöd ist so ein Träger ja auch nicht. In der Stadt gibt es erstmal Anwohnerproteste und Bürgerinitiativen gegen den Neubau. Auf der grünen Wiese ist es billig und unproblematisch.

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