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Stadt Essen besetzt Spitzenposten

Stadt Essen besetzt Spitzenposten

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Foto: WAZ FotoPool
Die städtische Holdinggesellschaft EVV soll eine hauptamtliche Geschäftsführung erhalten. Gehandelt werden altbekannte Namen. Aber welche Rolle spielt der Kämmerer?

Essen. 

Die Rechenaufgabe, die sich der Rat der Stadt schon im März gestellt hat, ist leicht zu lösen. Sechs minus vier macht bekanntlich zwei. Nur ist es in diesem Fall mit Arithmetik nicht getan. Die Rede ist von der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV). Jenem Geflecht aus städtischen Tochtergesellschaften, das 1979 als Steuersparmodell gegründet worden war, um mit den sprudelnden Gewinnen der Stadtwerke die Verluste der Evag auszugleichen, und das längst ein wirtschaftliches Eigenleben führt.

Weil das bekanntlich auch für die städtischen Töchter gilt, hält es Oberbürgermeister Reinhard Paß für angesagt, die Leine etwas kürzer zu halten mit Hilfe einer hauptamtlichen Geschäftsführung bei der EVV. Denn diese Aufgabe nehmen nach dem Ausscheiden von Horst Zierold bei der Evag derzeit noch die Chefs von fünf Stadttöchtern als gut dotierten Nebenjob wahr. Interessenkonflikte nicht ausgeschlossen.

Stellt EBE neuen Arbeitsdirektor?

Dass Bernhard Görgens (66), scheidender Vorstand der Stadtwerke und in Ehren ergraute Eminenz unter den politischen Strippenziehern dieser Stadt, den Job des EVV-Vorstandssprechers übernehmen soll, übergangsweise für zwei Jahre, gilt in der Politik als ausgemacht. Mit Ausnahme der Linken, die das Konstrukt für überflüssig und für pure Verschwendung halten. Apropos Geld: Im Viererbündnis wie auch in der SPD legt man Wert darauf, dass die künftige EVV-Geschäftsführung die Stadt nicht mehr kosten darf als die alte: summa summarum 155.000 Euro pro Jahr plus Pensionsanspruch.

Ob es dabei bleibt? Abwarten. Denn da wäre noch ein zweiter Spitzenposten, dessen Besetzung strittiger scheint als die Personalie Görgens: der des Arbeitsdirektors. Auch da fällt ein wohlbekannter Name: Klaus Kunze (69), Chef der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE). Dort steht Kunze unter Feuer des privaten Miteigentümers Remondis. Wohl auch deshalb werden weitere Namen als Arbeitsdirektor gehandelt: Thomas Altenbeck, Betriebsratsvorsitzende der EBE, und Wolfgang Hausmann, Altenbecks Pendant bei der Evag.

CDU möchte Kämmerer in der Geschäftsführung

Im Schulterschluss mit Verdi besteht die SPD darauf, dass ein hauptamtlicher Arbeitsdirektor installiert wird, während von Seiten des Viererbündnisses verlautet, ein nebenamtlicher täte es auch. Das böse Wort vom Frühstücksdirektor macht bereits die Runde.

Dann wäre da noch die Rolle von Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve. Der ließ schon mal über die Presse verlauten, was er von Sparbemühungen der Tochtergesellschaften hält: Die gehen ihm nicht weit genug. Die CDU sähe es gerne, wenn der Kämmerer als nebenamtlicher Geschäftsführer mit am EVV-Tisch säße. Bei SPD und Arbeitnehmerschaft sorgt das nicht für Begeisterung. Für Diskussionsstoff ist gesorgt. Im September will der Rat entscheiden.