Scheich kauft ein Stück Zollverein

Scheich Hani Yamani auf Zollverein im Jahr 2006. Seitdem liefen Verhandlungen. Foto: Kokoska, WAZ Fotopool
Scheich Hani Yamani auf Zollverein im Jahr 2006. Seitdem liefen Verhandlungen. Foto: Kokoska, WAZ Fotopool
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Die Zeche Zollverein erhält eine neue Chance, sich zu einem Zentrum für Design und Wirtschaft zu entwickeln. Nach vier Jahren Verhandlungen will der saudische Öl-Milliardär Hani Yamani Büros, Folkwang-Uni und Hotel auf dem Zechen-Areal errichten.

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Der saudische Ölscheich Hani Yamani (49) ist im Begriff, ein großes Grundstück auf dem Weltkultur-Areal zu kaufen. Dort will er vier Bürokomplexe, ein Hotel sowie den geplanten Neubau für den Design-Fachbereich der Folkwang-Uni errichten. Baubeginn: 2011. Das insgesamte Investitionsvolumen beträgt etwa 120 Millionen Euro. Die Kaufverhandlungen, hieß es am Wochenende überraschend, seien „erfolgreich abgeschlossen“ worden. In dieser Woche soll der Vertrag vorläufig festgelegt werden. Verkäufer ist der Landesbetrieb „NRW.Urban“, die frühere Landesentwicklungsgesellschaft (LEG).

Das wäre das bisher größte Engagement eines privaten Unternehmers auf dem Zollverein-Gelände. Dem bisherigen Versuch, auf Zollverein eine so genannte „Design-Stadt“ anzusiedeln, ist bisher nur ein äußerst überschaubarer Erfolg beschieden gewesen. Ein einziges Bürogebäude wurde hinter Schacht 1/2/8 errichtet. Jung-Designer zogen ein und vor allem wieder aus. Trotz des optimistischen Bürogebäude-Namens – „Design-Stadt No. 1 – wuchs drumherum weiter nichts -- außer Unkraut. Das riesige Gelände zwischen Schacht 12 und Kokerei steht bis heute leer. Auch die Ansiedlung einer Design-Uni für Berufstätige im berühmten Beton-Würfel („Sanaa-Gebäude“) scheiterte. Der preisgekrönte Bau wird seit Jahresbeginn von Folkwang-Studenten genutzt.

Scheich Hani Yamani kauft eine Fläche von 31500 Quadratmetern. Der Kaufpreis liegt offenbar bei etwa 5 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach ist es das erste Immobilien-Engagement des Scheichs auf deutschen Boden.

„Unsere Handlungen werden eine deutlichere Sprache sprechen als unsere Worte“

Erste Gespräche mit Hani Yamani, dessen Vater über Jahrzehnte „Erdöl-Minister“ von Saudi-Arabien war, hatten schon vor vier Jahren begonnen – und zunächst große Hoffnungen bei Essener Beteiligten geschürt. Im Sommer 2006 ließ sich Yamani mit einem Hubschrauber aufs Gelände fliegen, vom damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger alles erklären. Er fuhr auch ein in 1000 Meter Tiefe – und ließ außer einem guten Eindruck und vielen Höflichkeiten wenig Konkretes zurück. „Unsere Handlungen werden eine deutlichere Sprache sprechen als unsere Worte“, orakelte er damals, als er in den Helikopter stieg. Seine Option, das Gelände zu kaufen, hatte er sicher, zumindest bis Mitte 2007.

Doch dann folgten keine weiteren Neuigkeiten mehr, die den Eindruck festigten, der Scheich meine es ernst. Seine Kauf-Option verlor er – wegen eines deutschen Gerichtsurteils, das europaweite Ausschreibungen vorsieht. Offenbar hat das zu Verstimmungen geführt. „Es waren schwierige und langwierige Verhandlungen“, sagte gestern Rolf Heyer, „NRW.Urban“-Geschäftsführer. Eine endgültige Entscheidung über den Verkauf des Grundstücks fällt der Düsseldorfer Landtag. Das Votum wird im Herbst erwartet.

Baubeginn fürs Folkwang-Gebäude soll im Frühjahr 2011 sein. Die Uni mietet das Gebäude dann. Später sollen die weiteren Büro- und Geschäfts-Objekte errichtet werden. Entsprechende Bau-Voranfragen seitens Yamanis Firma hat das städtische Planungsamt bereits positiv beantwortet. Lediglich für den Hotelneubau lägen noch keine Unterlagen vor, sagt Detlef Robrecht, stv. Amtsleiter.