Experte vor Demo: „Das Ruhrgebiet ist eine HoGeSa-Hochburg“

Schon am 21. September marschierten „Hooligans gegen Salafisten“ in Essen auf. Auf dem kleinen Parkplatz an der  Hachestraße setzte die Polizei die 80 Aktivisten fest.
Schon am 21. September marschierten „Hooligans gegen Salafisten“ in Essen auf. Auf dem kleinen Parkplatz an der Hachestraße setzte die Polizei die 80 Aktivisten fest.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer war Augenzeuge bei drei Hooligan-Demos und weiß, warum bei der Kundgebung in Köln die Gewalt eskalierte.

Essen.. Es läuft auf einen „heißen“ Sonntag hinaus: Bei der für den 18. Januar geplanten „HoGeSa“-Demonstration direkt vor dem Essener Hauptbahnhof werden gewaltbereite Hooligans, Neonazis und Rechtsextreme nicht unter sich bleiben. Das antifaschistische Bündnis „Essen stellt sich quer“ hat am Dienstag eine Gegendemonstration angemeldet. Das Polizeipräsidium bereitet sich unterdessen auf einen Großeinsatz vor.

Zwar bemühen sich die Ordnungsbehörden offiziell Gelassenheit zu verbreiten, doch hinter den Kulissen ist eine ungeheuere Anspannung zu spüren. Ein Fiasko wie in Köln, wo entfesselte Schlägertrupps einen Einsatzwagen umstürzten und 50 Beamte verletzten, soll es in Essen keinesfalls geben.

„Essen stellt sich quer“ sieht Gründe für Verbot

Am liebsten wäre den Sicherheitskräften, wenn sich der Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“ verbieten ließe. „Wir prüfen, ob Verbotsgründe vorliegen“, betont ein Polizeisprecher. Max Adelmann, Sprecher von „Essen stellt sich quer“, sieht schon Verbotsgründe in dem auf Youtube verbreiteten Aufruf von HoGeSa-Anführers Andreas Kraul. Darin sagt er wörtlich: „Wenn wir Terror haben wollen, machen wir ihn selber.“

NRW-Innenminister Ralf Jäger, dem die Opposition nach den Kölner Krawallen vorhielt, überfordert gewesen zu sein, will dem „gemeinsamen Auftreten von gewaltbereiten Hooligans und geistigen Brandstiftern aus der rechten Szene“ entschieden entgegentreten. „Die Polizei in Essen wird den Einsatz sehr sorgfältig vorbereiten und eine Kräfteberechnung durchführen“, sagt ein Ministeriumssprecher, und fügt hinzu: „Sie wird die erforderlichen Kräfte auch bekommen.“

In Köln hatte die Polizei nur 1300 Beamte aufgeboten und musste beinahe hilflos mitansehen, wie die Demo eskalierte. Wochen später in Hannover wurden schon 5000 Polizisten aufgeboten – die Demo verlief weitgehend gewaltfrei.

HoGeSa Dass der rechtsextreme Mob nach dem Aufmarsch vom 21. September erneut in Essen demonstriert, ist für den Rechtsextremismus-Spezialisten Olaf Sundermeyer keine Überraschung. „Das Ruhrgebiet ist eine Hochburg der HoGeSa-Szene, und Essen liegt genau in der Mitte“, sagt der Journalist, ein gebürtiger Dortmunder. Die Hooligan-Demos in Dortmund, Köln und Hannover hat der Buchautor („Rechter Terror in Deutschland“) übrigens als Augenzeuge aus nächster Nähe miterlebt. Insbesondere die Krawall-Demo in Köln hat er immer noch vor Augen. „Dort herrschte unter den Demonstranten eine totale Euphorie, sie haben gemerkt, dass die Polizei sie gewähren lässt. Allen Beobachtern war damals klar: Das knallt heute.“ Und so kam es auch.

In Essen hingegen werde es wohl nicht zu einer ähnlichen Eskalation der Gewalt kommen wie in Köln, schätzt er. Diesmal werde die Polizei genau wissen, welche Hoolilgans aus welchen Städten kommen und wie der Schwung zu unterdrücken sei. „HoGeSa“ - das ist für Sundermeyer eine „homogene rechtsmotivierte Szene“ - fremdenfeindlich, nationalistisch und gewaltbereit.