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Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte

08.10.2012 | 08:00 Uhr
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
Beim städtischen Jobcenter in Essen sind derzeit 35.000 Menschen arbeitssuchend gemeldet.Foto: Rebecca Müller

Essen.   Erste Anzeichen deuten daraufhin, dass sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt abschwächt. „Wir spüren, dass die Unsicherheit in den Unternehmen zunimmt“, sagt Torsten Withake, Chef der Essener Arbeitsagentur. Zudem fordert er mehr mehr Jobs für Geringqualifizierte.

Die Statistik zeigt: Es gibt mehr Arbeitslose als im vergangenen Jahr und auch deutlich weniger offene Stellen. Geht der Aufschwung am Essener Arbeitsmarkt langsam zu Ende?

Torsten Withake, Chef der Arbeitsagentur, wagt keine Prognose. „Es ist momentan schwer vorherzusagen, wir fahren auf Sicht“, sagte er im Gespräch mit der WAZ. Noch zeige sich der Arbeitsmarkt robust. Aber es gebe Anzeichen, die auf eine Eintrübung hindeuten könnten. Der Rückgang bei den offenen Stellen sei ein Indiz dafür. „Wir spüren, dass die Unsicherheit in den Unternehmen zunimmt“, meint Withake. Ihm zufolge zögern die Firmen, bis sie jemanden einstellen. Entsprechend länger dauert es, bis Arbeitslose wieder Arbeit finden.

Hohe Einpendlerquote als zusätzliches Risiko

Torsten Withake, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Essen.Foto: Klaus Micke

Für die kommenden Jahre sagt Withake jedoch sinkende Arbeitslosenzahlen für Essen voraus. Das hat simple Gründe: Zum einen werden nach jetziger Prognose bis zum Jahr 2020 über 14 Prozent der Fachkräfte in den Essener Unternehmen ausscheiden. Dagegen wird es wegen der geburtenschwachen Jahrgänge nicht genügend Nachwuchs geben, so Withake.

Einpendlerquote als hohes Risiko

Als zusätzliches Risiko sieht er die hohe Einpendlerquote. Nach Angaben der Essener Wirtschaftsförderung pendeln derzeit täglich 137.000 Menschen zur Arbeit nach Essen, weil sie hier vergleichsweise gut verdienen können. „Wenn diese Pendler jedoch einen adäquaten Job in ihrer Wohnnähe finden, werden sie dem Essener Arbeitsmarkt fehlen“, mahnt Withake. Sorgen bereitet ihm aber vor allem die so genannte verfestigte Arbeitslosigkeit in der Stadt.

Beim städtischen Jobcenter , wo vor allem die Langzeitarbeitslosen betreut werden, sind derzeit 35.000 Menschen arbeitssuchend gemeldet. Im Durchschnitt sind sie nach Angaben der Stadt seit sieben Jahren erwerbslos. Es ist eine große Herausforderung, sie wieder ins Berufsleben zu führen, weiß Withake, der bis Ende vergangenen Jahres Chef des Jobcenters war.

"Der Strukturwandel ist nur bedingt vollzogen"

Deshalb fordert er, dass man in der Stadt verstärkt darüber nachdenkt, wie man solchen Menschen wieder Arbeit geben kann. „Der Strukturwandel ist aus meiner Sicht nur bedingt vollzogen“, so Torsten Withake. Zwar gebe es viele neue Arbeitsplätze. „Aber es gelingt uns nicht, Beschäftigung anzusiedeln, die Langzeitarbeitslosen Jobs bietet.“ Seiner Meinung nach setze man stark auf Jobs für Hochqualifizierte, vergesse dabei aber die Geringqualifizierten.

Janet Lindgens


Kommentare
14.10.2012
13:14
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von BorbeckerBefreiungsFront | #22

Der Aufschwung geht zu Ende und das Jobcenter hat es nicht geschafft die Zahlen auf NRW Durschnschitt zu bringen. Inzwischen gibt es Zonen in den Beitrittsgebieten die bessere Arbeitslosenquoten haben als das Ruhrgebiet.
Es fehlt an Analysefähigfkeit, Organisation und Konsequenz.
Wie kriegen wir die 35.000 Leute in Arbeit.
Hier können wir vom Osten lernen. Die sollen dahin vermittelt werden, wo es Arbeit gibt.

09.10.2012
12:22
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von Elena72 | #21

Es gibt in vielen Bereichen keine unteren Einkommensgruppen. Sie werden durch die 400 € Jobs dazu gemacht. Nimm nur das Beispiel Einzelhandel. Früher waren in den Geschäften noch Menschen, die den Beruf gelernt haben. Heute gibt es das kaum noch. Sämtliche Bereiche werden so gut es geht ausgelagert. Billige Regalauffüller. Günstige Inventurhelfer. Eine Job als Einzelhandelskauffrau findet man heute nicht mehr. Ist zu teuer.

09.10.2012
11:26
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von damalsinessen | #20

in der Tat.
Eine Entlastung gerade der unteren Einkommensgruppen kann auch unter der rigorosen Abschaffung der prekären 400 EUR Jobs erfolgen. Natürlich sehr wünschenswert.
Es würde durch die Zahlung der Sozialbeiträge eine Chance bestehen einerseits die Sozial/ Rentensysteme anzufüttern und viele der in 400EUR umgewandelten Jobs wieder in Vollzeitstellen zu wandeln.

Das Geschrei wäre erst groß, jedoch die Maßnahme erfolgreich.

Aber damit wäre man auch schon beim Punkt Rente/ Mindestrente und Gesundheitssystem. Hier ist eine Reform unausweichlich, ohne Ausnahmen für Beamte, Anwälte, Ärzte. Alle zahlen in ein Rentensystem ein!

usw....es gibt massiven Reformbedarf....



09.10.2012
10:20
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von Elena72 | #19

Ist doch Blödsinn. Hier werden mal wieder alle über einen Kamm geschoren. Wer behauptet alle die in ALG 2 hängen haben keine Ausbildung der lügt. Fakt ist das viele Branchen lediglich 400 € Jobs anbieten. Es ist in der Pflege unmöglich auch nur einen einzigen Vollzeitjob zu finden. Nur 400 € Jobs, bzw. Teilzeit. Selbst Pflegedienstleitungen haben nur eine 3/4 Stelle. Im Einzelhandel sieht es doch nicht anders aus. Hauptsächlich ungelernte 400 € Jobber.

09.10.2012
08:38
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von damalsinessen | #18

Einer der wichtigsten Punkte ist es doch mehr Eigenverantwortung bei dem Klientel der Arbeitsagentur zu fordern und zu födern. Denn es hapert, wie hier schon mehrfach geschrieben an grundlegendsten Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Engagement.

Da hilft es nicht nur mehr Jobs zu fordern sondern die Rahmenbedingungen für mehr Beschäftigung zu schaffen, sprich bereits in frühesten Jahren die Qualifizierung in der Schule zu gewährleisten. Der Hauptpunkt wird doch sein, jedem künftig eine gezielte an ihn angepasste Ausbilung zu gewährleisten bzw. auch einzufordern. In die Zukunft der kommenden Generation sollte man blicken Für solche Punkte sollte sich der Chef der AAG einsetzen.
Den aktuellen Langzeitarbeitslosen ist da eher weniger zu helfen, da bei den wenigen vorhandenen Jobs Chancen für diese Leute bestehen. Und da der Deutsche, wie schon beschrieben, die unbequemen Arbeiten sehr sehr ungern macht, bleibt der unschöne hohe Langzeitarbeitslosen Sockel leider! weiterhin erhalten.

09.10.2012
08:31
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von Blaulichtl | #17

Ich finde, der Herr Withake sollte erstmal den Frisör wechseln.

09.10.2012
08:21
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von The_Rebel | #16

Es ist immer wieder das selbe Spiel. Jeder in der Politik glaubt, jeden Menschen beliebig qualifizieren zu können. Geht aber nicht. Weg mit den 1-/ 400 €-Jobs, nur sozialversicherungspflichtige Jobs zählen. Auch Aufstockung ermuntert nur Arbeitgeber, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Also weg mit den künstlichen Regelungen. Wer Menschen bekommen will als Mitarbeiter, wird entsprechende Löhne zahlen müssen oder selber wegen Insolvenz auf der Strasse stehen.

08.10.2012
23:58
@ Mittelstaendler | #10
von AuroraBorealis | #15

Ist doch erst einmal schön, dass Ihre Firma so vile zu tun hat, dass Sie sogar noch Mitarbeiter einstellen würden.
Allerdings könnte es ein und dasselbe Problem bei den Geringqualifitierten geben.
Sie schreiben "Als Gegenleistung müssen sie i.d.R. ab 05:00 Uhr in der Gebäudereinigung tätig sein.", weiter schreiben Sie "...Büros im Industriebereich..." und dann noch "Mein Problem ist, daß über 50% derjenigen, deren Bewerbung uns Ihre Agentur ankündigt, gar nicht erst kommen.".
Um in Büros im Industriebereich bereits nachts erreichen zu können, bedarf es eines sehr guten ÖPNV, den wir im Ruhrgebiet ganz sicherlich nicht haben. Oder es bedarf bei den bei Ihnen entsprechend Beschäftigten eines Pkw. Stellen Sie keine Firmenwagen zur Verfügung? Nein? Warum nicht?
Ah! Verstehe, zu teuer!
Aus dem gleichen Grund haben i. d. R. auch Langzeitarbeitslose keinen entsprechend dauerhaft brauchbaren Pkw; zu teuer!
Und von albernen 8,82 € brutto (!) kann man sich auch keinen ordentlichen Pkw zulegen.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #15-1

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08.10.2012
22:58
Essener Arbeitsagentur-Chef fordert mehr Jobs für Geringqualifizierte
von red-fly | #14

@ Mittelstaendler

Wenn Ihre neuen Mitarbeiter maximal 30 Stunden (3/4 Stelle) in der Woche arbeiten, liegt der Bruttoverdienst bei 1058,40 EUR. Mit Lohnsteuerklasse I sind das Netto stolze 800,00 Euro. Da bleibt man locker als Aufstocker im Hartz IV-Bezug. Sie subventionieren Ihre Lohnkosten mit Steuergelder.

08.10.2012
22:17
@Mittelstaendler
von Elena72 | #13

Sie wundern sich warum niemand so einen Job will? Kann ich klar beantworten. Bei durchschnittlich 22 Arbeitstagen kommt man auf einen Lohn von 776 € bis 1164 €. Wie soll man davon leben? Miete zahlen und dann auch noch Fahrtkosten. Einfach mal drüber nachdenken.

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