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Diskriminierung

Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver

30.01.2015 | 08:15 Uhr
Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver
Junge Eltern kennen dieses Bild: Das Regal im Drogeriemarkt – hier „dm“ am Hauptbahnhof – ist meistens leer. Wer Milchpulver kaufen möchte, erhält von Verkäuferin Sarah Barduhn höchstens drei Packungen.Foto: Stefan Arend/Funke Foto Services

Essen.  In einem Drogeriemarkt in Altenessen ist ein Kunde, der Milchpulver kaufen wollte, von der Verkäuferin abgewiesen worden, weil er Chinese ist.

Der Einkaufszettel des jungen Vaters war ziemlich übersichtlich, ganz oben stand „Aptamil Folgemilch“ fürs hungrige Baby. Trotzdem kam der „Ernährer“ neulich mit leeren Händen nach Hause. Denn im Drogeriemarkt „dm“ in Altenessen wurde er schroff zurückgewiesen. Die kurz angebundene Verkäuferin habe ihre Entscheidung lapidar damit begründet, dass der Kunde ein Chinese sei.

Freunde des jungen Mannes reagierten empört auf diesen Vorfall, erwogen zunächst gar eine „Anzeige wegen Diskriminierung“, um sich schließlich in unserer Redaktion zu melden. Diese konfrontierte die Drogeriekette mit dem Vorfall in Altenessen. „Nichts liegt uns bei ‘dm’ ferner, als Menschen zu diskriminieren“, antwortet Geschäftsführer Christoph Werner, zuständig für das Ressort „Marketing + Beschaffung“. Entschuldigend fügt er hinzu: „Daher können wir nur unser Bedauern . . . zum Ausdruck bringen.“ Hintergrund dieses Vorfalls sei die „extrem hohe Nachfrage nach verschiedenen Säuglingsnahrungen“.

Milchpulver ist auch anderswo knapp

Ein Phänomen, von dem auch die Filialen anderer Drogerieketten und Supermärkte betroffen sind . Käufer von Babynahrung kennen die Konsequenzen: Sie stehen in den Märkten meistens vor leeren Regalen. Ein Anblick, der in unserer Überfluss-Gesellschaft höchst verstörend wirkt und bei so manchem Verbraucher erst recht zu „Hamsterkäufen“ führt. „Das Resultat ist eine noch schnellere Erschöpfung des Warenbestandes“, erklärt „dm“-Geschäftsführer Christoph Werner. In den Filialen seiner Kette werden Kunden daher auf Hinweiszetteln darüber informiert, dass die Abgabe „aller Milchnahrungen nur in haushaltsüblichen Mengen (max. 3 Packungen)“ erfolge.

Babynahrung
Chinesisches Neujahrsfest verschärft Run auf Milchpulver

Extrem hohe Nachfrage bei Babynahrung beflügelt Spekulationen über „chinesische Mafia“. Aber offenbar ist der Feiertag in China daran schuld.

Eine zufällige Stichprobe am Donnerstagmorgen bei der „dm“-Filiale im Hauptbahnhof bestätigt dies. Dort hängt noch ein zweiter Hinweiszettel am gähnend leeren Regal für Milchpulver-Produkte: „Ihre Babynahrung ist leer? Bitte sprechen Sie uns an!!!“.

Chinesische Eltern kaufen europäisches Pulver

Spätestens an diesem Punkt kommt nun doch China ins Spiel. Es ist der einige Jahre zurückliegende Skandal um verseuchte Babynahrung, der Trockenmilchpulver „made in Germany“ für chinesische Eltern jetzt so begehrenswert macht. Weil die Nachfrage aus Fernost sprunghaft gestiegen ist, klagen deutsche Hersteller seit geraumer Zeit über Lieferengpässe. Oft sind es auch Auslands-Chinesen, die das besonders vertrauenswürdige deutsche Milchpulver hierzulande aufkaufen und dann in größeren Mengen per Post in die Heimat schicken.

Der junge Vater in Altenessen hatte allerdings gar nicht die Absicht, das Pulver nach China zu schicken. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, die junge Familie mit dem sieben Monate alten Jungen lebt hier.

Bei „dm“ bleibt es wegen der lebhaften Nachfrage vorerst bei der „max. 3“-Mengenbeschränkung. „Diese Vorgehensweise“, betont der Geschäftsführer, „gilt für all unsere Kunden und steht in keinerlei Zusammenhang mit einer ethnischen Zugehörigkeit.“

Um den Hunger seines Jungen stillen zu können, wandte sich der verzweifelte Vater hilfesuchend an eine gute Freundin namens Linda. Sie sagt: „Ich habe das Milchpulver gekauft – und wurde auch unfreundlich behandelt.“

Gerd Niewerth

Kommentare
02.02.2015
12:03
@eimerweise | #73
von wonko4 | #74

Rassismus trifft es ziemlich genau.

Jemandem ein bestimmtes, in der Regel negatives, Verhalten zu unterstellen, weil er augenscheinlich einer...
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3 Antworten
Das ist es, was ich meinte.
von eimerweise | #74-1

Anstatt eine Antwort auf meinen Beitrag zu schreiben, wird hier mein Nickname mit Rassismus in Zusammenhang gebracht. Dies würden Ihnen meine Freunde aus aller Welt - ja, auch China - übelnehmen.

So pflanzt sich das Hetzen fort - die Presse gibt es vor, und sie findet willige Menschen, die die Vorurteile weitertragen.

Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver
von SamMelone | #74-2

@wonko4
Rassismus ist es erst dann, wenn es allein um den Umstand gänge, das er Chinese ist. Das ist wohl aber gar nicht das Problem, sondern die gekauften Mengen durch eine spezielle Volksgruppe. Es ist ja auch kein Rassismus, wenn speziell Deutsche an der Grenze von Polen kontrolliert werden, wegen der Gefahr des Zigarettenschmuggels. Leider kamen die betroffenen Mitarbeiter nicht zu Wort. Daher bin ich bei solchen Artikeln immer vorsichtig.

Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver
von wonko4 | #74-3

Werte(r) eimerweise,

Rassismus erwähnten auch Sie in Ihrem Kommentar - was genau ist also Ihr Problem? Ich habe nebenbei nicht behauptet, dass Sie ein Rassist seien, sondern dass das beschriebene Verhalten mit der Bezeichnung Rassismus treffend beschrieben ist.
Wenn Sie nur zustimmende Antworten wünschen sind Sie hier falsch.

Werte(r) SamMelone,

"Rassismus ist es erst dann [...]"
Mal davon ausgehend, dass die Berichterstattung stimmt - worum wenn nicht darum, dass der Herr ein Chinese ist, also Angehöriger einer "speziellen Volksgruppe", ging es denn sonst? Es ging ja eben nicht um sein konkretes Verhalten, sondern um ein Verhalten das ihm einzig darum unterstellt wurde, weil er Chinese ist.

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Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver
Essener dm-Markt verkaufte Chinesen kein Milchpulver
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/das-alltaegliche-ringen-in-essen-ums-milchpulver-id10289099.html
2015-01-30 08:15
Milchpulver, Babynahrung, Knappheit, dm, China
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