Duisburger Bürgermeister Mosblech wird Bundestagsabgeorneter

Dreimal hatte er für den Bundestag kandidiert, dreimal blieb er erfolglos, zuletzt wie hier auf dem Foto bei der Bundestagswahl 2013. Was in einer SPD-Hochburg natürlich keine Schande ist.
Dreimal hatte er für den Bundestag kandidiert, dreimal blieb er erfolglos, zuletzt wie hier auf dem Foto bei der Bundestagswahl 2013. Was in einer SPD-Hochburg natürlich keine Schande ist.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Kuriose Polit-Geschichte: Volker Mosblech (CDU) wird nach drei verlorenen Wahlen und mit einem aussichtslosen Listenplatz doch Bundestagsabgeordneter.

Duisburg.. Bürgermeister Volker Mosblech eilte gerade von einem Repräsentationstermin zum nächsten, als ihn in der vergangenen Woche der Anruf eines Kollegen erreichte: „Volker, du bist im Bundestag!“ Der überraschte Mosblech überlegte schon, wie schnell er sich denn wohl auf den Weg nach Berlin machen muss. Schließlich muss er dafür sein Leben umkrempeln, familiäre Verpflichtungen umorganisieren, ein Büro aufbauen und eine Wohnung finden.

Der 60-Jährige schreibt eine kuriose Polit-Geschichte: Dreimal hatte er für den Bundestag kandidiert, dreimal blieb er erfolglos. Was in einer SPD-Hochburg natürlich keine Schande ist: Seit 1957 ging der Nord-Wahlkreis stets an den SPD-Direktkandidaten, der meist über 60 Prozent der Stimmen holte. Dementsprechend wenig begehrt ist die Kandidatur bei der CDU, Mosblech aber hielt für seine Partei stets den Kopf hin, trat auch viermal für den Landtag an. Wenn irgendwo in der Stadt nördlich der Ruhr CDU-Plakate hingen, dann war meist Mosblech darauf zu sehen. Jetzt aber hat es der Hamborner doch noch in den Bundestag geschafft. Von einem schier aussichtslosen Platz 53 auf der NRW-Landesliste löst er drei Jahre nach der Bundestagswahl doch noch ein Ticket nach Berlin.

Zwei bis drei Abgeordnete scheiden immer aus

Hintergrund ist das Ausscheiden zweier Abgeordneter, die von der Regierungsbank in die Wirtschaft wechseln. Die NRW-Liste zog bis Platz 50. Nummer 51 holte seinen Wahlkreis direkt, Nummer 52 - Thorsten Hoffmann aus Dortmund - rückte zu Jahresbeginn für Ronald Pofalla nach. Mosblech als Nummer 53 kommt jetzt zum Zug, weil Steffen Kampeter aus Minden einen anderen Job antritt. Kampeter ist Vize der NRW-CDU und Staatssekretär an der Seite von Finanzminister Schäuble, jetzt wird er voraussichtlich Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Mosblech gibt zu, bis zum Wahlabend nie mit einem Mandat in Berlin gerechnet zu haben. „Als aber dann die Liste bis Platz 50 zog, war für mich klar, dass es noch etwas werden könnte. Zwei bis drei Abgeordnete scheiden immer aus. Dass es jetzt Stefan Kampeter ist, habe ich allerdings nicht erwartet.“

„Ich werde wohl im Hotel wohnen“

Der vermeintliche Zeitdruck durch den Anruf des Kollegen hatte sich aber Stunden später schon wieder entspannt. Duisburgs Bürgermeister kann sich ausgiebig auf sein Mandat vorbereiten: Kampeter soll am 24. Juni zum BDA-Geschäftsführer gewählt werden und will sein Amt als Staatssekretär zwar direkt danach niederlegen, wird aber die einjährige Karrenzzeit noch im Bundestag absitzen.

Bedeutet: Wenn Mosblech Mitte nächsten Jahres endlich in Berlin angekommen ist, bleibt ihm nur ein Jahr bis zur nächsten Bundestagswahl. Dafür lohnt sich nicht einmal die Wohnungssuche. „Ich werde wohl im Hotel wohnen“, sagt er.

„Der Titel ist dann ganz nett für die Todesanzeige“

Die Posten und Aufgaben in der Fraktion sind ohnehin seit langem verteilt, eigentlich richten sich die Parteien dann schon wieder auf den Wahlkampf ein. Was kann man da noch bewegen? „Ich mache mir da nichts vor. Klar ist man dann der absolute Hinterbänkler“, so der designierte Abgeordnete des Deutschen Bundestags. „Ich habe scherzhaft mal gesagt, der Titel ist dann ganz nett für die Todesanzeige.“

Zumindest Nachrücker-Erfahrung bringt Mosblech mit. Vor elf Jahren rückte er in den NRW-Landtag nach. Für neun Monate. Von Listenplatz 73.