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Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD

27.06.2012 | 23:00 Uhr
Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
Am 28. Juli soll die Band „Die Bandbreite“ beim Christopher Street Day in Duisburg auftreten. Kritiker werfen den Musikern Schwulenfeindlichkeit vor. Deren Song „AIDS“ beschuldigt zudem die US-Regierung, HIV verbreitet zu haben.

Duisburg.   In ihrem Song „Aids“ macht „Die Bandbreite“ die US-Regierung für die Verbreitung von Aids verantwortlich und beruft sich auf einen antisemitischen Autor. Die Gruppe soll Ende Juli beim Christopher Street Day auftreten. Kritiker werfen ihr auch noch Schwulenfeindlichkeit vor.

Chris Schulze steckt in der Klemme. Er ist Vorsitzender des neuen Vereins „DU Gay“ und plötzlich zwischen die Fronten geraten. Denn im Netz und in der schwul-lesbischen Community tobt ein Meinungskrieg um den musikalischen Hauptact des Duisburger Christopher Street Days am 28. Juli: Die Bandbreite. Die Duisburger Polit-Popper mit der Vorliebe für Verschwörungstheorien hatte der Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwulen (AkDuLuS) zum CSD eingeladen, noch bevor DU Gay die Organisation des Fest- und Demonstrationstages vom Arbeitskreis übernahm. Im Internet werfen User der Bandbreite Schwulenfeindlichkeit vor. Darüber hinaus macht die umstrittene Band in ihrem Song „Aids“ die US-Regierung für die Verbreitung des HI-Virus verantwortlich und beruft sich dabei auf einen antisemitischen Autor.

Am Montagabend traf sich wegen all des Wirbels der DU-Gay-Vorstand. Die Krisensitzung, bei der auch die Ausladung der Gruppe diskutiert wurde, endete ohne Ergebnis: „Wir wollen die bestmögliche Entscheidung für den CSD Duisburg treffen“, erklärt Chris Schulze weiteren Beratungsbedarf.

Chris Schulze (im Bild als Stadionsprecher des MSV Duisburg) sorgt sich als Vorsitzender des Vereins DU Gay um den Christopher Street Day in Duisburg. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Die Diskussion konzentrierte sich bislang auf den Bandbreite-Song „Kein Sex mit Nazis“. Darin rappt Marcel Wojnarowicz, Stimme und Kopf des Duos:

Der Führer Adolf Hitler war homosexuell, und deshalb trieb er es mit Rudolf Hess in ’nem Hotel, doch viel zu oft war Rudi in Europa unterwegs, und dat ging dem geilen Adi ja ma tierisch auf den Keks. Dann war er ganz alleine und hat so stark gelitten und fand auch keinen Trost an Evas braunen Titten. Darum war er ständig angepisst und auch so voll fanatisch, denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis.

„Persiflage“ oder „zutiefst homophobes Machwerk“?

Weil der Duisburger dem Diktator eine homosexuelle Orientierung andichtet, stelle der Song Schwulsein als verachtenswerte Eigenschaft dar, kritisiert Frank Laubenburg, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft „Die Linke.queer NRW“. Für das Mitglied des Düsseldorfer Stadtrates ist das Lied ein „zutiefst homophobes Machwerk“. Der beschuldigte Sänger argumentiert im Facebook-Schlagabtausch mit „künstlerischer Freiheit“ und „Persiflage“, wirft Laubenburg gar eine „kunstfeindliche Denke“ vor. Er sei „ganz sicher kein Schwulenhasser und auch nicht homophob“.

Frank Laubenburg, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft „Die Linke.queer NRW“ nennt den Bandbreite-Song „Kein Sex mit Nazis“ ein „zutiefst homophobes Machwerk“.

In einer Stellungnahme vom 20. Juni verteidigte auch DU Gay den Text (die Stellungnahme und die Diskussion darunter wurden zwischenzeitlich auf www.facebook.com/CsdDuisburg entfernt). Das Argument des Vereins: Bei der „Parade der Kulturen“ des Frankfurter Jugendrings sei das Lied von einer internationalen Jury ausgezeichnet worden. „Wäre ‚Kein Sex mit Nazis’ ein Aufruf zur Homophobie, hätte man die Band vor dieser Kulisse sicherlich nicht ausgezeichnet.“

Aidshilfe distanziert sich

Interpretationsspielraum hin, künstlerische Freiheit her: Von größerer Brisanz als das vor Jahren veröffentliche Lied ist eines, zu dem die Bandbreite vor vier Wochen ein Musikvideo veröffentlichte (siehe Webvideo auf der dritten Seite des Artikels). Es heißt „AIDS“ und war im AkDuLus-Vorstand nicht bekannt, als das Popduo zum CSD eingeladen wurde (siehe Infobox).

Hintergrund
Der CSD, AkDuLuS und die Bandbreite

Der „Arbeitskreis Duisburger Lesben und Schwule e.V.“ (AkDuLuS) organisierte den Christopher Street Day Duisburg von 2001 bis 2010. Nach der Loveparade-Katastrophe 2010 sagte er das Event ab, 2011 beschränkte er sich auf ein mit der Aidshilfe veranstaltetes schwul-lesbisches Sommerfest. 2012 soll der CSD am Samstag, 28. Juli, auf dem Averdunkplatz in der Innenstadt gefeiert werden. AkDuLuS initiierte Anfang 2012 die Gründung des Vereins „DU Gay“, der sich künftig um die Veranstaltung des CSD kümmern soll. Aus den Reihen des AkDuLuS war zu erfahren, dass der Arbeitskreis zwar um die „verrückten Texte“ der Bandbreite und die Diskussionen um einzelne Songs der Band gewusst habe, als er sie zum CSD einlud. Tenor der damaligen Organisatoren sei aber diesen gewesen: „Die haben zwar ihren Ruf weg, aber wenn die bei Partei- und Gewerkschaftsfesten auftreten, können die so schlimm ja nicht sein.“ Der AIDS-Song sei im AkDuLuS jedoch nicht bekannt gewesen. (pw)

Was sich „Wojna“ darin pseudo-wissenschaftlich zusammenreimt, lehnt wie befragte AkDuLus-Mitglieder auch der Geschäftsführer der Aidshilfe Duisburg/Wesel empört ab: „Wir distanzieren uns von den Inhalten, die eindeutig einer vergessen geglaubten Verschwörungstheorie entstammen“, meint Dietmar Heyde. Der Text sei für die Präventionsarbeit der Aidshilfe, die sich traditionell am CSD beteiligt, „massiv kontraproduktiv“.

Und darum geht’s: Wojnarowicz, so rappt er zum Einstieg, will als Fachfremder nichts weniger als „unzweifelhaft beweisen“, „dat die Geschichte von Aids ne Lüge ist“. Der US-amerikanische Virologe Robert Gallo, der für sich wie der spätere Nobelpreisträger Luc Montagnier die Entdeckung des Retrovirus HIV-1 reklamierte, habe angeblich „Aids gebaut“. Den Auftrag zur Entwicklung des biologischen Kampfstoffs soll laut Liedtext der Kongress der Vereinigten Staaten gegeben haben.

Kommentare
29.06.2012
09:51
Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
von Syndikus | #21

Soweit mir bekannt ist, waren weite Teile der SA-Führung schwul. Beim "Röhm-Putsch" wurden mehere SA-Führer im Bett getötet - neben ihren jeweiligen...
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Aids- und Nazi-Songs der Bandbreite spalten Homosexuelle vor dem CSD
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