Angeklagte schweigen
28.07.2009 | 18:20 Uhr 2009-07-28T18:20:00+0200Prozess um Mord an Makler an der Bismarckstraße: Staatsanwalt glaubt, dass Angeklagte aus Habgier töteten
Viele Zuschauer kamen gestern, um den Auftakt des Prozesses um den blutigen Mord an einem Makler in der Bismarckstraße zu beobachten. Auf den Plätzen der Angeklagten im großen Schwurgerichtssaal des Landgerichts saß ein junges Paar aus Solingen, dem man die grausame Tat auf den ersten Blick nicht zutraute.
Sie (23) ist eine hübsche junge Frau: blonde, schulterlange Locken, artig zurückgesteckt, eine weiße Bluse unter einer modischen Weste. Manchmal lächelte sie zu ihrem Lebensgefährten (23) hinüber. Er ist ein großer Mann, der sich für den Prozess in einem braunen Anzug gezwängt hat. Sonst tragen beide eher Sportkleidung, erfuhr man später im Prozess.
Laut Anklage hat der 23-Jährige das Opfer (69) am Abend des 24. Oktober 2008 mit zwei Büroscheren traktiert, sie ihm immer wieder tief in Brust und Kopf gerammt. Der Makler starb an den Verletzungen, verblutete.
Zungenbein gebrochen
Zuvor soll der Angeklagte dem schon am Boden liegenden Mann auf Brust und Hals getreten, ihm dabei das Zungenbein gebrochen haben. Das alles soll seine Freundin mitangesehen, sogar unterstützt haben.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ging es dabei um Geld: „Sie begingen die Tat aus Habgier”, so Staatsanwalt Andreas Stüve. Die junge Frau, die schon mal für den Makler gearbeitet hatte, war mit dem 69-Jährigen verabredet, soll aus einer alten Forderung 5000 Euro von ihm erwartet, er ihr aber nur 800 Euro angeboten haben. Deshalb hätten die beiden Angeklagten beschlossen, sich das Geld mit Gewalt zu holen.
Der 23-Jährige soll mit seiner Karateschule in Solingen pleite sein. Im Büro des Maklers fehlte nach der Tat ein vierstelliger Betrag. Allerdings gibt es auch die Vermutung, dass der Mord aus Eifersucht begangen wurde.
Die Angeklagten schwiegen gestern. Für den dritten Prozesstag am 21. August kündigte der Verteidiger der jungen Frau eine Aussage an. Bei der Polizei hatten beide erklärt, allein sie sei bei dem Makler gewesen, habe das erfolglose Gespräch geführt und sei gegangen. Ihr Lebensgefährte habe in der Zeit an der Moskauer Straße ihre beiden Hunde spazieren geführt.
Die entscheidende Spur hatte damals eine Spaziergängerin der Polizei geliefert: Sie hatte am Unterbacher See einen halbverkokelten Rucksack mit EC-Karten des Opfers gefunden, sie der Polizei übergeben. Die fand am Ufer dazu noch Turnschuhe und Handschuhe mit dem Blut des Opfers und DNA-Spuren des Angeklagten.
„Holen Sie die Wattestäbchen her!”
Der habe bei der Vernehmung sehr sicher gewirkt, schilderte gestern eine Kriminalbeamtin. Er habe freimütig seine Schuhgröße 46 genannt - wie die gefundenen Schuhe - und auf die Bitte um eine DNA-Probe reagiert mit: „Natürlich, holen Sie die Wattestäbchen her!” Nur ein Zittern seiner Hände und unruhige Füße hätten auf Nervosität hingedeutet. Auch im Gerichtssaal sah man den Angeklagten gestern die Anspannung nicht an.
Die junge Frau hatte den Makler vor einigen Jahren kennengelernt, als sie als Aushilfe in einer von ihm betriebenen Gaststätte arbeitete. Später wurde sie seine Mitarbeiterin im Immobiliengeschäft.
Doch man trennte sich - das Geschäft sei nicht sehr erfolgreich gewesen, der Makler habe nur große Reden geschwungen, hatte der Angeklagte der Polizei erklärt. Weil sie eine Wohnung suchte, hatte sie wieder Kontakt aufgenommen, eine neue Zusammenarbeit geplant. Er selbst habe den 69-Jährigen nie getroffen.
Der Prozess wird am 19. August fortgesetzt.