Im PCB-Skandal um die Skandalfirma Envio aus Dortmund ist vieles offen
16.11.2011 | 18:56 Uhr 2011-11-16T18:56:00+0100
Dortmund. Vor etwa 18 Monaten gelangte der PCB-Skandal bei der Firma Envio an die Öffentlichkeit. Doch bis heute sind viele Fragen offen. So gibt es noch keinen Termin für das Strafverfahren, auch der Sanierungsstart auf dem verseuchten Gelände im Hafen an der Kanalstraße ist unklar.
Vor rund 18 Monaten deckte die Westfälische Rundschau den PCB-Skandal um die Dortmunder Firma Envio auf. Menschen wurden vergiftet, die Umwelt und ein Standort nahmen Schaden. Ein Skandal, der in seiner Folge das Land NRW zu Änderungen im Umwelt- und Arbeitsschutz zwang. Doch die Sanierung des Geländes steht aus, das Strafverfahren gegen die Verursacher ist noch nicht terminiert. Die Aufarbeitung des Skandals ist längst nicht abgeschlossen. Wie ist der Stand?
Wer ist angeklagt?
Ende Juni, 13 Monaten nach den ersten WR-Berichten, veröffentlichte die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen die beiden Hauptbeschuldigten: Envio-Chef Dirk Neupert und seinen langjährigen Betriebsleiter. Ein externer Immissionsschutzbeauftragter und ein ehemaliger Werkstattmeister sind weitere Angeschuldigte.
Was wird ihnen vorgeworfen?
Die Kernvorwürfe lauten „Vorsätzliche Körperverletzung in 51 Fällen“ und „der besonders schwere Fall einer Umweltstraftat“. Durch illegale Giftgeschäfte habe Envio eine große Zahl von Menschen in die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung gebracht, so die Ermittler.
Wann ist der Prozess?
Es gibt noch keinen Termin, so die Pressestelle des Dortmunder Landgerichts. Es liege an der Kammer, wie sie es absehen könne, das sicher aufwändige Verfahren zu verhandeln. Auf eine Prognose zu einem möglichen Termin wollte man sich beim Landgericht nicht einlassen.
Wann geht es an der Kanalstraße los?
Auch das ist offen. Im Sommer wurde von den Behörden im zweiten Sanierungsfachgespräch der November 2011 als möglicher Starttermin des Projekts genannt, das mit fast sechs Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Doch derzeit will niemand in diesem Fall eine konkrete Zeitprognose abgeben.
Woran liegt das?
Die Bezirksregierung bereitet die nötige europaweite Ausschreibung der millionenschweren Sanierung vor. Dass sie noch nicht weitergekommen ist, liege im Insolvenzverfahren der Envio Recycling GmbH begründet, teilte sie mit. Über die Eröffnung sei von Seiten des Amtsgerichts und Insolvenzverwalters noch nicht entschieden worden. Erst danach könne entschieden werden, ob und welche Güter der Insolvenzmasse zugeordnet und welche Güter Teil der Ausschreibung werden. „Offensichtlich ein dickes Brett“, wie es heißt.
Wann soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden?
Laut Bezirksregierung „in nächster Zeit“. Allerdings hat Envio, wie berichtet, mit der Firma Tredi selbst ein Angebot zur Sanierung unterbreitet. Dieser Vorschlag müsse nun intensiv geprüft werden, so Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Man müsse ihn ernst nehmen. Rechtlich und fachlich wird nun ein Auge darauf geworfen. Dauer: Keine Prognose. Arnsberg treibt zudem die eigene Ausschreibung der Sanierungsaufgaben weiter voran. Eine mögliche Sanierung durch Envio, respektive Tredi würde die Behörde gutachterlich überwachen lassen. Ob Envio Zeit gewinnen will mit dem Angebot, ist Spekulation.
Die Firma Envio selbst ist mit mehreren Klagen vor dem Verwaltungsgericht tätig. Ziel: die Stilllegung des Betriebs an der Kanalstraße aufzuheben. Wie steht es darum?
Am 4. August hatten die Gelsenkirchener Richter eine Entscheidung vertagt. Zur Debatte in der Verhandlung stand, ob die Stilllegung auf alle Betriebsteile hätte ausgedehnt werden dürfen und auf welcher rechtlichen Grundlage sie ausgesprochen wurde. Zudem ging es in Klagen um die Sicherheitsleistung von 1,8 Millionen Euro, die Envio für die Sanierung des verseuchten Geländes zu hinterlegen hat.
Gibt es einen neuen Termin zur Behandlung dieser und anderer Envio-Klagen vor dem Verwaltungsgericht?
Bislang nicht. Ursprünglich war die nächste Verhandlung für die Zeit nach der Sommerpause in Aussicht gestellt worden. Möglicherweise geht es noch in diesem Jahr weiter, so Karsten Herfort, Sprecher des Verwaltungsgerichts. Aber auch das ist offen.
15:20
allerdings dürfte jeder interessierte Bürger über diesen Sachverhalt gelesen und oder gepostet haben. Soweit so gut!
Allerdings ist den bemitleidenswerten Betroffenen werden durch "gebetsmühlenartig" wiederholte warme Worte, noch durch Beckmesserei gegenüber anderen Individuen geholfen.
Hier sind Taten notwendig ;Hilfen in jedweder Form, ansonsten erinnert Vieles an den Mitteilungsdrang irgendwelcher "Ghostwriter". Das hilft aber den geschädigten Personen
in keiner Weise; es ist im besten Falle dem Ego eines Verfassers nützlich.
"es ist im besten Falle dem Ego eines Verfassers nützlich."
Na, dann haben Sie ja nun viel Nutzen für Ihr Ego rausgezogen. Inhaltlich gibt es nichts zu bemäkeln?
Nein , inhaltlich nicht...
11:37
"Ein sehr ernstes Thema, welches meiner Meinung nach über einen sehr geringen Bekanntheitsgrad verfügt. "
Da im Laufe der letzten Monate alle überregionalen Medien mehr oder weniger ausführlich über "einen der größten deutschen Umweltskandale" (Zitat WDR TV von vor wenigen Tagen) berichteten und dieses Thema inkl. ausführlichen Infos weiterhin auf speziellen Themen-Sites der lokalen Medien zu finden ist und ich eigentlich Niemanden kenne, der den Begriff "Envio-Skandal" nicht einordnen kann - kann es sein, dass Sie längere Zeit ohne Medienzugang verbracht haben?
Ein Tipp für Sie, wenn Sie sich eine unabhängigere Berichterstattung wünschen: Auf suite101.de nach Envio suchen.
Oder möchte sich da Jemand wieder in Erinnerung rufen, der zum Schluss der sog "Runder Tisch"-Veranstaltungen als Moderationsteam für 1.500 Euro/Tag nicht mehr zum Zuge kam?
Noch ein Tipp: Solange hier in Dortmund von hohen Würdenträgern, den Hafen-Unternehmen und von Seiten der Gewerkschaften immer noch von "Folgen des Imageschadens" und "Priorität von Arbeitsplätzen" geschwafelt wird, ohne z.B. das sehr dunkle Thema Leiharbeit bei Envio zu konkretisieren, interessiert sich Niemand ernsthaft für "Interessensausgleich" oder "Konfliktlösung" - weder die Spitzen der Politik noch die Betroffenen.
10:00
Ein sehr ernstes Thema, welches meiner Meinung nach über einen sehr geringen Bekanntheitsgrad verfügt. Aus diesem Grund bin ich erschüttert.
Es freut mich, wenn in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen über dieses heftige Thema informiert wird. Darum bin ich auch erschüttert, dass meiner Person im Nachgang an diesen Artikel, mit solch teilweise fragwürdigen und umso mehr "schwachsinnigen" Reaktionen und Antworten begegnet wird. Unabhängig davon, sind diese jedoch in gewisser Weise auch zu loben, denn ebenso wie dem o.g. Artikel sind auch diesen, wenn auch nur geringe Informationen zu diesem Thema zu entnehmen. Ein offensichtliches Lob gebührt selbstverständlich dem Autor des Artikels, denn dieses Engagement, insbesondere zu diesem sehr ernst zu nehmenden Thema ist mehr als nur bemerkenswert.
Nach umfangreichen Vorträgen, unter anderem von Herrn Dr. Frank Claus (http://www.dialoggestalter.de/iku/team.html) bin ich mehr als nur erschrocken was den Themeninhalt dieses Skandals betrifft. Insofern und unter Berücksichtigung auf andere Publikationen bin ich sehr erfreut, dass auf diese Art und überhaupt über dieses Thema informiert wird. Als kritisch und dahingehend auch als minder "schwachsinnig" würde ich es auch erachten, wenn dieses Thema in Vergessenheit geraten würde. Ebenso wenn dieses Thema in keinster Weise mehr gewürdigt wird. Daher freue ich mich über weitere Berichterstattungen. Haben Sie vielen Dank.
für Ihre nüchterne Sichtweise, durch die Sie sich signifikant vom Niveau Anderer unterscheiden.
Ihr Beispiel zeigt sowohl Anteilnahme, Interesse als auch "Stil" :-)
07:03
Lupus in fabula,
sach ich doch !
21:51
Diesmal tue ich Ihnen sogar den Gefallen, denn der Artikel bietet - genauso wie Ihre inhaltslosen und äußerst schwachsinnigen persönlichen "Ansprachen" - nichts Neues.
Das einzig wirklich Neue für die Bewertung der Körperverletzungs-Anklage ist eine aktuelle Studie von Forschern aus Kentucky und Südkorea (das Land, in dem Neupert ja hoffte, man würde seine dortigen Giftaktivitäten etwas lockerer sehen). Die besagt zum ersten Mal offiziell, dass Stoffe wie TERC und PER *langfristig* Auslöser für nervenschädigende Krankheiten, z.B. Parkinson, sein können.
Beim vielen Schreiben über PCB hat die Presse nämlich vergessen, dass bei Envio auch völlig verantwortungslos mit PER umgegangen wurde und Arbeitnehmer lange Zeit diesem Stoff bei der Trafo-Reinigung ungeschützt ausgesetzt waren. Eine mögliche Strategie der Neupert-Verteidigung mit Hinweis auf nicht nachweisbare Langzeitfolgen wird aber durch diese Studie schwer durchsetzbar.
21:14
müsste jeden Augenblick der "Schützenkönig" aus Do- Marten hier aufschlagen!
Kann nicht mehr lange dauern, ist doch sein Thema :-)
19:09
Hier leiden Menschen, darunter auch Kinder,, die wahrscheinlich auch eine geringere Lebenserwartung haben. Erhalten sie Schadensersatz von den Verursachern und Wegsehern?
Welche Konsequenzen gab es in den Behörden?
Gerechtigkeit hat auch mit schnellen Aktionen der Justiz zu tun. Leider ist hier nicht viel zu erwarten. Bei Massenabmahnungen funktioniert das besser.