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Envio-Opferfonds fehlt Geld für PCB-Vergiftungs-Gutachten

01.06.2012 | 15:00 Uhr
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Dortmund.   Mitte April wurde eine Initiative gegründet, die im Envio-Opferfonds Geld sammeln will, damit die mit PCB vergifteten ehemaligen Arbeiter des Dortmunder Skandalunternehmens vor Gerichte eine Chance haben, ihre Ansprüche gelten zu machen. Den Initiatoren fehlen für Gutachten noch 4000 Euro.

Für die Initiatoren des Envio-Opferfonds steht fest: „Gerechtigkeit kostet Geld.“ Also sammeln sie seit Wochen Spenden, um den ehemaligen Arbeitern des Dortmunder PCB-Skandalunternehmens bei ihrem juristischen Kampf zu helfen.

Wie giftig ist PCB? Wie stark werden die ehemaligen Envio-Arbeiter und ihre Angehörigen unter den Folgen leiden? Für die über 50 Arbeiter und ihre Familien, die als Nebenkläger im Envio-Prozess auftreten , seien diese Fragen entscheidend. Denn ob die Arbeiter und ihre Familien vernünftig entschädigt werden und zukünftig als beruflich Geschädigte auftreten können – auch das wird durch die vor Gericht eingebrachten Gutachten mit entschieden werden.

„Ob der ehemalige Envio-Geschäftsführer Dirk Neupert bestraft wird und für seine Taten in Form von Entschädigungszahlungen persönlich Verantwortung übernehmen wird, oder ob er ohne Folgen das Gerichtsgebäude verlassen wird“, sagt Ulrike Märkel als Initiatorin des Opferfonds, „hängt davon ab, ob die Arbeiter Gutachter bezahlen können.“ Mit Gutachten könne verhindert werden, dass die Taten von Neupert durch Gutachten der Angeklagten heruntergespielt werden, meint das ehemalige Ratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

Promi-Anwalt Birkenstock empfiehlt Fach-Gutachten

Promi-Jurist Dr. Reinhard Birkenstock sagt als Anwalt der Nebenkläger dazu: „Seriöse Gutachten sollen den Nebenklägern ermöglichen, unabhängige Fach-Wissenschaftler zu Rate zu ziehen.“ Vergleichbare Fälle wie der Contergan-Fall hätten gezeigt, wie wichtig dies für einen Strafprozess sei.

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400 Kleingärtner am Hafen dürfen kein krauses Gemüse mehr anbauen. In den Gärten war eine 18-fach erhöhte Menge an PCB gefunden worden. VIDEO: Katrin Figge (2/2010)

Neupert und die anderen Angeklagten, die „über Jahre hinweg davon profitiert haben, dass an der Sicherheit der Arbeiter gespart wurde“, hätten viel Geld investiert, um sich Gutachter leisten zu können. Die ehemaligen Envio-Arbeiter hätten ihre Arbeit verloren, viele seien heute aufgrund der PCB-Vergiftung arbeitsunfähig und hätten kein Geld für die Bezahlung von Gutachten. „Gerechtigkeit“, sagt Märkel, „kostet in diesem Fall Geld. Viele Dortmunder und Dortmunderinnen haben in Form einer Spende ihre Solidarität gezeigt. Dafür sind wir dankbar, doch noch fehlt ein Teil der Summe.“

6000 Euro sind schon im Topf

Das Geld will Ulrike Märkel, die gemeinsam mit dem Straßenmagazin Bodo den Envio-Opferfonds aufgebaut hat, sammeln. Seitdem Mitte April der Spendenaufruf veröffentlich wurde, seien 6000 von benötigten 10.000 Euro zusammengekommen. Unternehmen, Parteien, Bürger – sie alle hätten gespendet, damit die Arbeiter vor Gericht eine Chance haben.

„Damit wir zwei Gutachten finanzieren können, brauchen wir noch gut 4.000 Euro“, sagt Märkel. Diese Gutachten könnten für den Prozessverlauf entscheidend sein: „Niemand wird wollen, dass Neupert sich seiner Verantwortung einfach entzieht und die Arbeiter keine Genugtuung für erlittenes Leid in Form von Entschädigungen erhalten, obwohl sich Neupert auf Kosten seiner Mitarbeiter ohne Rücksicht persönlich bereichert hat.“

Envio-Skandal vor Gericht

Weitere Infos: www.envio-opferfonds.org

Kommentare
01.06.2012
19:51
@xxyz | #1
von vaikl2 | #3

Hatte ich schon erwähnt, dass Sie nicht allzuviel von der bisherigen Berichterstattung mitbekommen haben?

Gerichtsfeste Gutachten zur Einwirkung von PCB auf den menschlichen Organismus gibt es kaum. Und wenn, dann handelt es sich um wenige Langzeitbeobachtungen von Unfällen, die aber schon 40 Jahre und länger her sind, z.B. verseuchter Reis in Taiwan/Japan in den 70ern. Moderne Analysemethoden wurden da nicht angewandt.

Die Karzinogenität wurde in Tierversuchen eindeutig festgestellt, aber das lässt vor Gericht keine Rückschlüsse zu. Klinische Tests am Menschen? Das können Sie sich ja selbst ausmalen, ob da Jemand freiwillig mitgemacht hätte...

Seit dem Verbot der Herstellung glaubt die Welt, das wärs und jetzt passiert nix mehr Schlimmes. Leider falsch geglaubt.

2 Antworten
Envio-Opferfonds fehlt Geld für PCB-Vergiftungs-Gutachten
von xxyz | #3-1

@vaikl2: Ich denke, dass ich genug mitbekommen habe, bin aber glücklich, dass ich mich nicht für ein juristische Laufbahn entschieden hatte.

Wie soll dann ein beweissicheres Gutachten für einen bezahlbaren Preis erstellt werden, wenn keine Studien vorliegen? Das lässt sich doch kaum für ein hohe 5-stellige Summe machen.

Envio-Opferfonds fehlt Geld für PCB-Vergiftungs-Gutachten
von vaikl2 | #3-2

Über Preise lässt sich als Außenstehender nur mutmaßen, aber man könnte als Gutachten auch eine wissenschaftlich korrekte Zusammenfassung von vielen Einzelergebnissen internationaler biochemischer und medizinischer Analysen aus den letzten Jahren anfertigen, welche im richtigen Kontext die Gesundheitsschädlichkeit von PCB - unter den besonderen Umständen bei Envio, das ist für den Prozess entscheidend - beweist.

01.06.2012
19:07
Envio-Opferfonds fehlt Geld für PCB-Vergiftungs-Gutachten
von Catman55 | #2

Na, das Gutachten soll doch Bestand vor Gericht haben, sonst wird es von Neuperts Anwälten zerpflückt. Zudem ist es auch oft wichtig, WER das Gutachten bezahlt hat! ;-)

01.06.2012
18:40
Envio-Opferfonds fehlt Geld für PCB-Vergiftungs-Gutachten
von xxyz | #1

Was soll denn genau begutachtet werden?
Haben die Umweltverbände/Verbraucherschützer/Zulassungsbehörden hier keine Gutachten auf Lager? Das Problem besteht doch schon seit Jahrzehnten

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