Dortmunder Nordstadt zwischen Armut und Aufbruch

Der Hannibal an der Bornstraße in der Dortmunder Nordstadt.
Der Hannibal an der Bornstraße in der Dortmunder Nordstadt.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Extreme soziale Schieflage in der Dortmunder Nordstadt – von "No Go-Area" wollen Polizei und Anwohner aber nicht sprechen.

Dortmund.. Die Nordstadt ist in weiten Teilen ein bitterarmes Pflaster. Manche ihrer Quartiere darf man getrost erbärmlich und menschenunwürdig nennen. Rund 100 "Schrottimmobilien" gibt es in Dortmund. Mehr als 60 stehen im Bezirk Innenstadt-Nord.

Das sagt die Polizei:

"Die Nordstadt habe ich schon vor 15 Jahren als Brennpunkt kennen gelernt", erklärt Detlef Rath, Leiter der Polizeiwache Dortmund-Nord. "Allein auf dem Straßenstrich waren bis 2011 bis zu 700 bulgarische Prostituierte durch die Armutszuwanderung aus Süd- und Osteuropa beschäftigt. Das hat dem Bezirk massiv geschadet. Wir beobachteten dadurch auch einen Anstieg der Kleinkriminalität, in geringem Ausmaß auch des Handels mit Drogen, allerdings keine Zunahme der Raubdelikte. Seit 2012, nach der Schließung des Straßenstrichs, war in der Nordstadt eine zweite Zuwanderungswelle in Form von Nord- und Schwarzafrikanern festzustellen, inzwischen sind es mehrere Hundert. Viele von ihnen handeln mit Marihuana, begehen Raub-, Körperverletzungs- und Einbruchsdelikte. Sie fallen durch aggressives, lautes, respektloses Auftreten auf. Meine Kollegen und ich glauben, dass viele dieser Zuwanderer aus Afrika weder integrationswillig noch -fähig sind. Die Nordstadt ist aber absolut keine No-Go-Area."

Das sagt ein Politiker:

Brennpunkt Ruhrgebiet "Die Nordstadt ist nicht überall runtergekommen, jeder Häuserblock ist anders. Hier wohnen auffallend viele junge Menschen, Studenten schätzen die niedrigen Mieten, manche Restaurants sind spitze", lobt Elvedin Goljica (23), Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nord: "Aber es gibt auch viel Elend: Drogenhändler am Keuning-Haus, Müll auf Straßen und Plätzen, der 'Arbeiterstrich' an der Mallinckrodtstraße, abends vereinzelt Straßenprostitution am Nordmarkt. Dazu kommen Lärm und Luftverschmutzung. Nun ist auch ein Busbahnhof eingerichtet worden, also haben wir noch mehr Verkehr. Manche Häuser sind heruntergekommen, einige aber wurden sehr schön renoviert. Es dominieren hier Imbisse aller Art, Handyläden und Wettbüros. Viele ziehen weg, wenn sie es können." Der Brennpunkt Nordstadt brauche eine Art Entwicklungshilfe.

Das unternimmt die Stadt:

In der Nordstadt gibt es eine große Dichte von Projektbüros, von der Schuldenberatung bis zur Wohnungsvermittlung. Wohnungsgesellschaften wie Dogewo 21 und Vivawest haben inzwischen 20 frühere Schrottimmobilien aufgekauft und renoviert.