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Artenschutz

Wo der zarte Gauchheil weilt

15.05.2009 | 22:30 Uhr
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Rund 270 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Roten Liste für NRW. „Das Fangen, Töten und Stören ist verboten”, erklärt Hans Rommeswinkel vom Planungsamt. Seit Anfang des Jahres nun fordert der Kreis einen Fachbeitrag zum Artenschutz auch bei kleinen Bauvorhaben im Außenbereich.

Geschützt: Der Turmfalke. Foto: WAZ, Dirk Bauer

Schon für einen Dachausbau (so einen Fall gab's in Dorsten) wird ein Gutachten nötig, das um die 500 € kostet. Wird dabei ein seltenes Getier entdeckt, entstehen weitere Kosten für einen Ausgleich oder das Vorhaben kann ganz verboten werden.

Die Liste ist umfangreich und enthält selten gehörte Namen: Gänsesäger und Grünschenkel können dem Bauwilligen ins Gehege kommen, Rohrschwirl, Raubwürger und Raufußkauz ihr Schutzrecht fordern. Wo Wasserralle, Wendehals und Wiesenpieper siedeln, kriegen Bauherren ein Problem. „Man wundert sich, was es alles gibt”, sagt ein Architekt.

Ob etwa der Zarte Gauchheil auf einer Wiese weilt, musste bis zu einer Neufassung der Schutzbestimmungen im Jahr 2007 nur bei größeren Planverfahren geprüft werden, etwa bei Straßenbauprojekten (Rommeswinkel: „Der Straßenbau ist von der Neuregelung schon massiv betroffen”) oder der Ausweisung neuer Baugebiete. Seitdem jedoch gilt die Pflicht auch für einzelne Vorhaben im Außenbereich. Seit Anfang des Jahres schreibe der Kreis die Prüfungen für solche Fälle vor, berichtet ein Architekt. In Dorsten seien die Bauernschaften betroffen und viele Randbereiche von Ortsteilen, für die es keinen Bebauungsplan gibt.

Es müssen allerdings nicht in jedem Fall alle Tierarten geprüft werden. Es gibt Kartierungen, wo mit welcher geschützten Art zu rechnen ist. Im Fall des Dachausbaus ging es nur um 30 Arten. Bei der Prüfung sei zudem „Augenmaß zu wahren mit zumutbaren Mitteln. Wir müssen nicht jeden Höhlenbaum suchen”, so Hans Rommeswinkel.

Die Gutachten für Bauherren können bei der Biologischen Station in Lembeck in Auftrag gegeben werden. Es gibt aber auch freie Anbieter.

Im Planungsausschuss urteilte CDU-Sprecher Rainer Thieken, mit der Prüfung auch bei Einzelvorhaben werden „für kleine Maßnahmen ein großes Rad gedreht. Wenn das jeden Bauwilligen trifft, macht das Einzelbauten unmöglich.” Horst Papenfuß (Grüne) begrüßte die Artenschutzprüfung: „In sensiblen Bereichen werden wir ein Augenmerk darauf haben. Aber es gibt viele Gebiete in der Stadt, die unproblematisch sind.”

Nach einer eher kurz gefassten Debatte will sich der Planungsausschuss in Kürze noch einmal ausführlich mit dem Thema befassen.

Ludger Böhne

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