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VfL Bochum

Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger"

05.04.2013 | 22:13 Uhr
VfL-Talent Leon Goretzka schleicht enttäuscht vom Feld.Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool

Bochum.  Es läuft die fünfte Minute der Nachspielzeit. Zum zweiten Mal versucht die Ostkurve, eine Welle zu starten, es ist eine Welle des Galgenhumors. Sie versandet, irgendwo im Niemandsland. So, wie der VfL Bochum im Nichts des Profifußballs zu verschwinden scheint.

Schlusspfiff. Als die Mannschaft des VfL Bochum an diesem sehr, sehr kalten Abend sich den Fans nähert, einigermaßen geschlossen dann vorsichtshalber auf Höhe des Sechzehners stehen bleibt, da blasen die Anhänger den Verlierern doch einmal laut und deutlich die Wahrheit ins Gesicht: „Und so“, singen sie schräg, „spielt ein Absteiger.“ Damit ist alles gesagt.

Vom tiefsten Frust, der zerstörerischen, wilden Wut, wie sie es noch nach dem Abstieg aus der 1. Liga gab, ist - zum Glück - nichts zu sehen; diese Wut ist überwiegend blankem Hohn gewichen.

Der Abstieg ist greifbar

Einzelkritik
Aydin und Chaftar Totalausfälle beim VfL Bochum gegen Aue

Der VfL Bochum hat am Freitagabend im Abstiegskampf der 2. Bundesliga einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Mit 0:3 (0:3) verloren die Westfalen ihr Heimspiel gegen den Tabellennachbarn Erzgebirge Aue und könnten nach dem 28. Spieltag auf Relegationsplatz 16 zurückfallen. Die VfL-Einzelkritik.

Der Abstieg ist greifbar. Dynamo Dresden kann heute mit einem Heimsieg gegen St. Pauli am VfL vorbeiziehen, der SV Sandhausen am Sonntag mit einem Sieg in Duisburg gleichziehen. Dann wäre Bochum Sechzehnter oder gar Siebzehnter. Aue jedenfalls ist nun davongezogen, zu Recht: 6:1 im Oktober, 3:0 im April. Neun seiner nur 34 Tore hat der kleine, stolze FC Erzgebirge gegen Bochum erzielt - so steigt man nicht ab.

 Denn für den VfL ist ja der Eindruck, den die Mannschaft macht in diesen Schicksalsswochen für den Verein, seine Mitarbeiter, seine Fans, schlimmer als die nackten Zahlen . Chancenlos, mutlos spielte sie in Berlin, und man hörte hinterher: War ja auch die Hertha. Andere Kragenweite. Angst vor Aue? Haben wir nicht. Wir sind stark Dann kam Aue wirklich und leibhaftig, mit elf in normaler Abstiegsmanier kämpfenden Profis. Und vom VfL kam: nichts.

Aue reichen ein paar schlagkräftige Szenen, um Bochum zu demütigen

VfL Bochum
Todt will erstmal eine Nacht über Bochum-Debakel schlafen

Nach diesem Debakel dürften den Verantwortlichen des VfL Bochum feurige Kampfansagen und bekannte Durchhalteparolen nur noch ganz schwer über die Zunge kommen. Aue demontierte den VfL in dessen eigenem Stadion, verpasste ihm eine 0:3-Watschn und nagelte ihn damit im Aufzug Richtung Dritte Liga fest.

Den Handwerkern aus Aue, die nichts außer taktischer Disziplin, gesunder Robustheit und einen Tick Entschlossenheit zeigen mussten, reichten ein paar schlagkräftige Szenen, um Bochum zu demütigen. Dem 0:1 ging ein überflüssiges Foul von Slawo Freier an Oliver Schröder voraus. Freistoßflanke Jan Hochscheidt, Kopfball Rene Klingbeil (vor dem indiskutablen Mounir Chaftar und dem auch nicht helfenden Torwart Andreas Luthe am Ball) - 0:1 (8.). Das 0:2, wieder Freistoß, alle Bochumer schlafen. Schuss Schröder, Luthe hält, Leon Goretzka vermasselt den Befreiuungsschlag - Tobias Nickenig trifft (29.). Ausgerechnet Goretzka, der als einziger in Halbzeit eins ab und an die Initiative ergriff, etwas Mumm zeigte. Bezeichnend, dass ein 18-Jähriger voran gehen muss.

Vom VfL kam nichts

Vom VfL kam nichts. Kein Biss. Kein Zweikampfverhalten. Kein Tempo. Kein Pressing. Kein Druck. Keine Ordnung. Nur Querschläger und Fehlpässe - auch und gerade von denen, die bei den guten Leistungen so präsent waren. Von Marc Rzatkowski und von Christoph Kramer, den man selten so konfus sah wie gestern.

Nicht einmal größte Geschenke nahmen sie an: Aues Torwart Männel legte Mirkan Aydin den Ball vor den Fuß, der hatte freie Bahn im Strafraum. Doch der Stürmer gab ihn artig zurück statt das (vielleicht) Hoffnung stiftende 1:2 zu erzielen. Im direkten Gegenzug wieder die totale Unordnung beim VfL, niemand deckt oder greift gar an im Sechzehner. Fabian Müller schießt, Aue spaziert zum 3:0 (37.).

Bochum-Debakel gegen Aue

Alexander Iashvili und Slawo Freier, die fast von Beginn an so wirkten, als seien sie mit ihren Kräften schon am Ende, blieben in der Pause drinnen. Michael Ortega und Zlatko Dedic kamen. Ein paar Chancen gab es, für Dedic (54./60.), für Aydin (73./75.), ein wenig mehr Bewegung als in Durchgang eins. Für die Hoffnung auf die große Wende nach dem 0:3 reichte das längst nicht aus.

Und niemand weiß, ob das jetzt schon das Schlimmste war.

Ralf Ritter


Kommentare
07.04.2013
19:23
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von Plaetekopp | #7

Hallo Bochum,
gätz legt noch ma ne Schüppe drauf und lasst euch nicht hängen.
Dat schafft ihr schon.
Ich drück euch alle Daumen, dat ihr drinnbleibt. Lieber hier inne Region en kleinet Derby, als nach Dresden inne Ostzone.

Gruß aus Duisburg
Plaetekopp

07.04.2013
16:35
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von racoon71 | #6

Man Bochum was macht ihr da bleibt bloss in Liga 2 ohne Bochum wäre es Kacke ....sorry

Kopf hoch Jungs ..


MFG ein MSV Fan ..

06.04.2013
18:55
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von JollyGreenGiant | #5

Wenn ich in Bochum Trainer wäre, würden die Herren "Profis" bis zum nächsten Spiel gar keinen Ball im Training mehr zu sehen bekommen. Laufen bis zum Erbrechen wäre angesagt, jeden Tag mehrfach. Stimmt im nächsten Spiel dann die Einstellung, könnte man auch wieder über Training mit Ball reden. Stimmt die Einstellung nicht, wird notfalls jeden Tag bis Saisonende und Abstieg und damit auch Vertragsende gelaufen bis zum Umfallen. Schlimmer kann es eh nicht mehr kommen.

06.04.2013
11:14
Tschuldigung!
von Derwoganznettist | #4

Ich habe zu lange an unseren Vorstand, unseren Trainer, unseren Aufsichtsrat und nicht zuletzt an die profihafte Einstellung unserer Spieler geglaubt.

Ich habe Leite beschimpft, die schon vorher an der (mittlerweile) Zweitklassigkeit unserer Truppe gezweifelt haben.

Ich muss heute ehrlich zugeben, dass ich mit meiner Blauäugigkeit, dass man alles - aber wirklich ALLES - auf dem Platz für seinen Verein gibt, schwer daneben gelegen habe.

Habe selbst in der Landesliga gespielt und mich immer bis zum Kot*en rein gekniet. Dachte, dass man sowas gegen Bezahlung als Profi auch tut....

Bin momentan schwer leer ...

Was wird nur aus meinem Verein, dem ich seit über 30 Jahren die Treue halte????

2 Antworten
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von dete48 | #4-1

entschuldigung nehme ich an

Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von Doom13 | #4-2

Da bin ich schon etwas länger durch und guck mir kaum noch was an. Da ist keine Substanz, da sind keine Spielertypen, die Mischung ist nicht die beste. Die hätten bestenfalls das Mittelfeld erreicht. Und nun sind sie sehr sicher verunsichert aufgrund des Tabellenstandes und der Gesamtsituation. Nur ein Abstieg in Liga 3, kann dieser Klub nicht verkraften.

06.04.2013
00:02
Schwenken freut sich ......
von BlockB | #3

...... wenn am 4. Mai die Kölner Horden das Ruhrstadion fluten werden ......

Auswärtsspiel im eigenen Stadion......


Wissen die Energiemanager eigentlich, was sich da zusammenbraut??....

06.04.2013
00:00
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von klotzer | #2

Wenn wir nicht sang-und klanglos absteigen wollen, sollte der AR umgehend über einen Trainerwechsel nachdenken.

2 Antworten
Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von krefeldervflfan | #2-1

Nachdenken ist zu wenig, doch selbst damit sind die überfordert.

Der VfL Bochum spielte gegen Aue „wie ein Absteiger
von Doom13 | #2-2

Wäre üblich und typisch. Das alte Leid. Was wird sich dann wohl groß ändern wenn man die Gurken auf dem Platz sieht mit welcher Einstellung manche da auflaufen?

05.04.2013
23:04
Habe heute Abend die Schnauze so was von voll,
von moellera | #1

und ausnahmsweise hat Herr Ritter hier mal den richtigen Ton getroffen. EIne sehr treefende Spielzusammenfassung. Was fehlt, ist die Beschreibung der Szenen auf dem Platz innerhalb der Bochumer Mannschaft, die mir mein Gefühl bestätigten, dass in dieser Truppe aber auch rein gar nichts mehr stimmt. Dort sind Auflösungserscheinungen festzustellen, Schuldzuweisungen, abfällige Gesten - dies alles ist genau wie vor 3 Jahren und es wird genauso enden - mit dem Abstieg. Diese Drecks-Crew wird meiner Meinung nach keinen Dreier mehr holen. Mit gütiger Hilfe von Sanhausen kann es noch zum Relegationsplatz reichen. Doch freut euch darüber nicht, denn auch die Entscheidungsspile wird man mit diesem Personal nicht gewinnen können.
Gute Nacht - ich muss erst mal von meiner Palme runter kommen.......

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