Schalker Anfänge - Alles begann 1904 in Kullmanns Garten

Zu Besuch bei Hetty und Heinz Kullmann in Rotthausen. Alte Bücher und Dokumente erinnern an die Gründerjahre des FC Schalke 04.
Zu Besuch bei Hetty und Heinz Kullmann in Rotthausen. Alte Bücher und Dokumente erinnern an die Gründerjahre des FC Schalke 04.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Hinter dem Namen Kullmann steckt ein großes Stück Schalker Vereinsgeschichte. Heinz, der Sohn des Vereinsgründers Heinrich Kullmann, erinnert sich.

Rotthausen.. Heinrich Kullmann ist gerade mal 15 Jahre alt, als er im Mai 1904 als einer von zehn Jungs Westfalia Schalke aus der Taufe hebt – den Verein, der 20 Jahre später zum FC Schalke 04 werden soll. Damals kann er nicht wissen, dass sich 111 Jahre später Millionen Fans auf der ganzen Welt über Schalke freuen, oder auch mit ihrem Verein leiden. Aber so viel steht fest: seine Entscheidung hätte er niemals bereut.

Trainersuche Fraglich ist aber, ob Heinrich Kullmann die früheste jemals existierende Mannschaftsaufnahme aus dem Jahre 1908 noch mal auf dem Küchentisch liegen lassen würde. Sein Sohn Heinz schnappt sich als kleiner Junge nämlich das Foto und bekritzelt es. Zwar versuchen die Kullmanns mit aller Macht, das Gekritzel noch zu kaschieren, das Ganze allerdings mehr schlecht als recht.

Ärger vom Vater gibt es nicht

Und so hat sich zumindest auch Heinz Kullmann irgendwie in der Schalker Vereinschronik verewigt. Denn dieses historische Foto, das heute noch in Besitz der Familie ist, Sohn Stefan hat es, ist die einzige Originalaufnahme und ist deshalb so gut wie immer abgebildet, wenn über die Gründerjahre des FC Schalke 04 berichtet wird. „Ärger habe ich dafür aber nie bekommen, glaube ich zumindest“, sagt Heinz Kullmann und lacht. Ärger mit Papa Kullmann zu bekommen, sei ohnehin schwierig gewesen.

Kommentar Heinz Kullmann, der mit vier älteren Schwestern aufwächst, beschreibt seinen Vater als „sehr herzlich“ und sagt: „Er war ein sehr guter Vater und Ehemann. Das Wohl seiner Familie ging ihm über alles.“ Hetty, die Schwiegertochter des 1975 verstorbenen Vereinsgründers, sagt: „Er war wirklich ein guter Mensch, er war häufig bei uns und hat uns mit unseren Kindern geholfen. Auf ihn konnte man sich immer verlassen. Wenn er sein Wort gab, zählte das.“

Ein Stück Fußballgeschichte

Der Legende nach sollen die zehn Jungs den Plan der Vereinsgründung an der alten Hauergasse im Arbeiterortsteil Schalke geschmiedet haben. Ausgerechnet im Garten der Kullmanns. Hier ist also ein gewaltiges Stück deutscher Fußballgeschichte geschrieben worden. Heinrich Kullmann, so ist es in seinem Mitgliederbuch mit schwarzer Tinte festgehalten, übernimmt bei Vereinsgründung das Amt des Kassierers. „Vater hat das Geld zusammengehalten, er hat Fußballturniere und sogar Kegelturniere organisiert, um den Erwachsenen ein bisschen Geld aus der Tasche zu locken“, berichtet Heinz Kullmann, dem es fast etwas unangenehm zu sein scheint, über das nachhaltige Wirken seines Vater zu reden. Aber, auch das ist gut herauszuhören, Heinz Kullmann ist stolz auf seinen Vater. Sehr sogar. Ab und zu muss er sogar eine kleine Pause einlegen, wenn er über ihn spricht. Die Verdienste seines Vaters rühren ihn.

Kader Heinz Kullmann erinnert sich auch noch gut an Viktor Krogull und Johann Hornung, zwei weitere Gründer von Westfalia Schalke. Beide seien mit seinem Vater eng befreundet gewesen. „Die Hornungs hatten einen großen Garten. Da waren wir häufig zu Besuch“, sagt er. „Und der Viktor Krogull kam mit seiner Frau sehr oft zu uns. Das waren auch sehr nette Leute.“

Gerne erinnert sich der heute schon 80-jährige Sohn auch daran, dass sein Vater als Gründer und Ehrenmitglied freien Eintritt in der Glückauf-Kampfbahn hat und ihn gerne mit ins Stadion nimmt. Insofern es die Zeit überhaupt zulässt. Denn Heinrich Kullmann arbeitet auf der Zeche Dahlbusch über Tage als Maschinenschlosser und geht auch samstags oder sonntags zur Schicht.

Vier lange Minuten am Radio

An manchen Tagen, meistens dann, wenn besondere Schalke-Spiele anstehen, denkt Heinz Kullmann an seinen Vater, fühlt sich mit ihm verbunden. Der Tag der Vier-Minuten-Meisterschaft am letzten Spieltag im Mai 2001 ist so ein Tag. „Wir waren in unserem Schrebergarten und saßen vor dem Radio. Den Jubel haben wir vom Parkstadion bis nach Rotthausen gehört. Und dann das dumme Ding in Hamburg. Verdammt nochmal“, sagt Heinz Kullmann. „Ich habe mir nur gedacht: Vater, das darf doch jetzt nicht wahr sein.“

Wilmots Mit Ehefrau Hetty hat Heinz Kullmann vier Söhne, mittlerweile sogar vier Enkelkinder. Natürlich sind sie alle große Fans des FC Schalke 04. Als die Arena gebaut wird, tagt der Familienrat und beschließt einstimmig, für 500 Mark einen Baustein zu kaufen. Besuchen die Kullmanns heute ein Heimspiel, das ist Tradition, wird vor dem Anstoß an der 1000-Freunde-Mauer Halt gemacht. Genau da, wo es in schwarzer Schrift auf der silbernen Plakette geschrieben steht: Familie Heinrich Kullmann.

Auch dann denkt die Familie an den lieben Papa, an den Opa und auch an den Urgroßvater. Und an das, was sich vor 111 Jahren in Kullmanns Garten wohl ereignet haben mag.