Nationaltorwart Robert Enke nimmt sich das Leben
10.11.2009 | 22:41 Uhr 2009-11-10T22:41:00+0100
Hannover. Der Nationaltorwart Robert Enke vom Erstligisten Hannover 96 ist tot. Der 32-Jährige soll sich das Leben genommen haben. Sein Berater bestätigte mittlerweile: Es war Selbstmord. Der Verein und der Deutsche Fußball Bund reagierten bestürzt auf die Nachricht.
Robert Enke ist tot. Der deutsche Fußball-Nationaltorwart starb am Dienstagabend an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese. Dies bestätigte die Polizei Hannover. "Es hat einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang gegeben", sagte Stefan Wittke, Leiter der Pressestelle. Wittke erklärte, dass alles darauf hindeute, dass es sich um Selbsttötung gehandelt habe.
Enkes enger Freund und Berater Jörg Neblung sagte: 'Ich kann bestätigen, dass es sich um Selbstmord handelte. Robert hat sich um kurz vor sechs Uhr das Leben genommen. Alles Weitere werden wir am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilen.' Enke hinterlässt seine Ehefrau Teresa und eine acht Monate alte Tochter, die das Paar im Mai adoptiert hatte.
Gegen 18.30 Uhr wurde der Nationaltorwart am Ortsrand von Neustadt-Eilvese in der Nähe seines Wohnortes von einem Regionalexpress erfasst, der mit 160 Stundenkilometern auf dem Weg nach Hannover war, wie ein Polizeisprecher am Abend vor Ort sagte. Die beiden Lokführer hätten Enke nur noch leblos aufgefunden.
In unmittelbarer Nähe der Bahngleise habe man Enkes unverschlossenen Geländewagen entdeckt. Die Türen seien ge-, aber nicht verschlossen gewesen, auf dem Sitz habe Enkes Geldbörse gelegen, sagte der Polizeisprecher weiter. Die beiden Lokführer des Regionalexpresses hätten ausgesagt, eine Person im Scheinwerferlicht auf den Gleisen stehen gesehen zu haben. Die Männer hätten eine Vollbremsung eingeleitet, der Zug sei aber nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand gekommen.
Vor der Geschäftsstelle von Hannover 96 versammelten sich am späten Abend etwa 300 Fans, Spieler und Weggefährten, sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Aus Teelichtern wurde eine 96 geformt.
DFB-Präsident Zwanziger fassungslos
Mit tiefer Fassungslosigkeit reagierten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die deutsche Nationalmannschaft, die am Samstag in Köln gegen Chile spielen soll, auf die Schocknachricht vom Tod des 32-Jährigen. "Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.
Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff informierten die Spieler und Betreuer am Dienstagabend in Bonn. Oliver Bierhoff sagte: "Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte." Ob die Nationalmannschaft das Spiel am Samstag bestreitet, ist noch unklar.
Auch Hannovers Präsident Martin Kind war schockiert. "Es war ein Unfall. Das ist eine absolute Katastrophe, Ich kann es gar nicht fassen und auch nicht weiter kommentieren." Enkes enger Freund und Berater Jörg Neblung sagte: "Ich kann die traurige Nachricht bestätigen. Robert lebt nicht mehr. Zu Einzelheiten kann ich im Moment aber nichts sagen."
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verlieh seiner Trauer Ausdruck. "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn."
Für Trainer Ewald Lienen, der Enke 2004 nach Hannover in die Bundesliga zurückgeholt hatte, bezeichnete den Tod seines ehemaligen Schützlings als 'unvorstellbar'. Er habe bereits mit Weggefährten und Teamkollegen Enkes wie Steven Cherundolo, Michael Tarnat und Hanno Balitsch gesprochen: 'Für uns alle ist es ein unfassbarer Schlag, den wir kaum in Worte fassen können. Dass er in so einer Situation war, so etwas ins Auge fassen konnte, tut mir unendlich leid und unendlich weh', sagte Lienen.
Private Rückschläge
Enke und seine Ehefrau Teresa hatten im Mai ein zwei Monate altes Mädchen adoptiert. Das Kind hört auf den Namen Leila. "Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist", sagte das Ehepaar damals in einer offiziellen Stellungnahme. Die Enkes hatten ihre leibliche Tochter Lara, die mit einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen war, im September 2006 im Alter von zwei Jahren verloren.
Zuletzt hatte Enke nach einer rätselhaften Viruserkrankung und neun Spielen Pause sein Comeback in der Bundesliga gegeben. "Das war eine verdammt lange Zeit, fast ein Viertel der Saison. Aber es war von der ersten Sekunde an wieder ein gutes Gefühl", hatte Enke damals gesagt.
Der Torwart galt bis zu dieser Erkrankung als Favorit auf den Posten des Stammtorwarts in der Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika. Enke, der am 24. August 1977 in Jena geboren wurde, bestritt insgesamt acht Länderspiele. In insgesamt neun Jahren Bundesliga bestritt er 196 Spiele für Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach. Enke begann seine Karriere beim SV Jenapharm Jena. Weitere Stationen waren Carl Zeiss Jena und Mönchengladbach, bevor den Schritt ins Ausland wagte. Er spielte bei Benfica Lissabon, dem FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul und CD Teneriffa, bevor er in Hannover unterschrieb.
Hannovers Präsident Martin Kind sagte gegenüber T-Online: "Ich weiß nicht, warum es und wie passiert ist. Er ist sich aber sicher, "dass es nichts mit Fußball zu tun hat".
"Ich habe sehr viel mitgemacht"
Einen Tag nach dem WM-Qualifikationsspiel am 9. September gegen Aserbaidschan in Hannover, bei dem Enke wegen seiner mysteriösen Erkrankung nicht wie geplant im Tor stehen konnte, zitierte die «Bild»-Zeitung den sensiblen Fußballer mit diesen Worten: «Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern. Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt.»
Auch in Spanien löste die Botschaft vom Tod Enkes Bestürzung aus. Barcelona gedachte des Verstorbenen am Dienstagabend vor dem Pokalspiel gegen den Drittligisten Cultural Leonesa im Stadion Nou Camp mit einer Schweigeminute. Im Hintergrund wurde klassische Musik eingespielt, die Spieler senkten die Köpfe. Enke stand von 2002 bis 2004 bei den Katalanen unter Vertrag. (sid/ap)
Daten zu Robert Enke:
geboren am 24. August 1977 in Jena, gestorben am 10. November 2009 in Neustadt am Rübenberge.
- Verheiratet mit Teresa, eine adoptierte Tochter.
- Verein: Hannover 96.
- Frühere Vereine: SV Jenapharm Jena, Carl Zeiss Jena, Borussia Mönchengladbach, Benfica Lissabon, FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul, CD Teneriffa.
- Erstes Länderspiel: 28. März 2007 in Duisburg gegen Dänemark (0:1).
- Länderspiele: 8 (0).
- Bundesligaspiele: 196 (0).
- 1. Liga Portugal: 77 (0). - Primera Division: 1 (0).
- 1. Liga Türkei: 1 (0).
- Größte Erfolge: Dritter Platz 2000 in der portugiesischen Liga mit Benfica Lissabon.
22:49
hallo,
habe gehofft das auch in den unteren klassen beim fußball sich etwas ändern würde ,in punkto menschlichkeit .!!! aber es wird sie wohl immer geben ,die trainer und vereine die es nicht mal für notwendig halten sich nach ihren spielenern, die krank oder verletzt sind zu erkundigen, oder ihnen auch mal nur gute besserung zu wünschen .
soviel zu all den lippenbekenntnisse nach robert enkes tod
ein nachdenklicher fan
13:45
Ergänzungen.
Ich finde es sehr schade, wie in diesem Thread über eine KRANKHEIT argumentiert wird, obwohl viele nicht einmal eine Ahnung davon haben was sich im Kopf abspielt.
Spricht doch mal mit Leuten, welche unter dieser Krankheit leiden.
Depressionen machen ALLE Gedanken unwirksam und werden nicht einmal von seinem eigenem Bewußsein beachtet.
Ein Mensch ohne dieses Problem würde sich nie vor einem Zug werfen, da doch jeder Angst vor so einer Kollision hat.
Wie stark müssen die Depressionen sein, damit diese Angst nicht greift und man sich dennoch vorm Zug wirft???
13:28
Hallo Frank,
ich habe diesen traurigen Tag bis heute nicht richtig verdauen können. Innerlich habe ich sehr gelitten, obwohl ich Robert Enke nicht persönlich kannte.
Ich leide schon seit meiner Jugend an sehr schlimnmen Depressionen, was mich wohl nie loslassen wird.
Zudem hat mich dieser Umstand meine Profikarriere gekostet.
Sicherlich ist es schlimm, wenn Leute durch einen Suizid mitreingezogen werden, was Robert Enke sicherlich nicht wollte.
Ich versuche dies mal mit meinen eigenen depressiven Erfahrungen zu erklären.
Mir geht es privat sowie beruflich sehr gut, auch meine familiere Beziehungen sind vorbildlich.
Aber es kommen Tage an denen eine tiefdunkle Dunstglocke über das Gehirn schwebt. Man versucht sich dann immer aufzubauen, denkt an die guten Seiten des Lebens. Aber dies hält nicht lang, da die Depressionen so stark sind, dass keine schönen Gedanken fortlaufend möglich sind.
Der oder die Jenige welche unter Depressionen leiden kennen diese schon fast ausweglose Situation ( en).
Man will dann einfach nicht sein, man kann sich einfach nicht aufraffen.
Ein Psychologe hat mir persönlich nur bedingt geholfen,auch Liebe hilft nur in den seltesten Fällen.
Das ist leider so!!!!
Aus Angst so allein in diesen Situation zu sein, habe ich Vertrauenspersonen mein Problem geschildert, wobei diese Personen mir zu jeder Zeit versuchen zu helfen.
Vorher habe ich mich nie getraut irgendjemanden mein Problem zu erzählen, da auch ich die Angst hatte dadurch nicht so behandelt zu werden wie es sein soll. Schwäche zu zeigen ist in unserer Gesellschaft ein Thema welches total fehlinterpretiert wird.
Auch ich hatte schon manche suizidversuche hinter mir und zwar durch die Einnahmen durch Tabletten. Hat aber nicht funktioniert.
Ich hoffe ich konnte durch meine Erörterungen einigermaßen einen Einblick verschaffen, dass man niemanden bewußt durch den eigenen Suizidversuch hineinziehen bzw. schaden will.
Gruß
19:06
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18:47
denkt hier eigentlich auch mal jemand an den armen Lokführer?
Ich möchte das nicht erleben müssen, dass sich einer vor mein Fahrzeug wirft.
Und die anderen Menschen, die im Zug saßen? Manche nimmt soetwas sehr mit.
Es ist schlimm, wenn man große Probleme hat, aber es ist sicherlich kein Grund, unbeteiligten Leuten auch große Probleme zu bereiten.
14:15
Bei allem Verständnis für das tragische geschehen um Robert Enke, aber muss man deswegen 3 Seiten in der WAZ vollschreiben? Es gab wahrlich bedeutendere Menschen deren Ableben mit einen Zweizeiler abgehandelt wurde, eben keine Fußballspieler.
10:05
R.I.P. Robert.
Mein aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie,
und seinen Freunden.
19:47
Mein Beileid gilt allen Beteiligten um Robert Enke
Zu Herrn Baumann möchte ich sagen das er sich die Geschichte des angeblichen Christentums mal vor Augen halten sollte und dann nochmal in sich gehen sollte
R.I.P Robert
19:23
Mein aufrichtiges Beileid an seine Angehörigen.
19:00
Er starb, wie er gelebt hat - intensiv.
Robert, wo immer Du bist, denk daran: Im Himmel ist es klimatisch angenehm, die Hölle ist aber gesellschaftlich interessanter!
Mach es gut!
Mein Beileid gehört den Angehörigen.