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Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln

02.09.2012 | 20:43 Uhr
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
Löste seinen Vertrag in Köln auf: Kevin Pezzoni.

Köln/Essen.  Der 1. FC Köln droht zum Symbol völliger Hilflosigkeit im Umgang mit Gewalttätern zu werden. Die langjährige Vereinsführung um Klub-Ikone Wolfgang Overath hat die Konfrontation viel zu lange gescheut. Im Fall Pezzoni hat der Fußball-Pöbel obsiegt. Ein Kommentar.

Es gibt ein paar Dinge, auf die der gewöhnlich selbstgewisse Kölner stolz ist: den Dom und den Karneval, das Kölsch und die Lieder – und über allem steht dieses wohlige „Jeföhl“, diese Lebensfreude, das Laissez-faire, das Köln in den Ruf der nördlichsten Stadt Italiens erhebt. Dafür hat der Kölner sein eigenes Grundgesetz erschaffen: Et es wie et es; et kütt wie et kütt – und: Et hät noch immer joot jejange.

Fußball
Die Gewalt eskaliert - Kevin Pezzoni flüchtet vom 1. FC Köln

Die zunehmende Gewalt im Fußball scheint allmählich zu eskalieren: Nach massiven Bedrohungen hat Kevin Pezzoni aufgegeben und sich dazu entschlossen den Bundesligisten 1. FC Köln zu verlassen. DFL-Präsident Reinhard Rauball fordert nun die „Strenge des Gesetzes und der Vereine“ ein.

Mit dieser Form der Toleranz dem Leben, dem Schicksal, auch der vermeintlichen Unabänderlichkeit der Weltenläufe gegenüber hat es sich der Kölner kommod eingerichtet –  doch genau diese Toleranz ist es auch, die den 1. Fußballclub Köln jetzt in Bedrängnis bringt. Seit mehr als einem Jahr terrorisiert ein kleiner Teil seiner Anhänger die Republik; Verfolgungsjagden, gebrochene Nasenbeine, verbale Drohungen – es sind viel zu viele Begebenheiten, um die These von „Einzelfällen“ aufrichtig verteidigen zu können.

Ja, es stimmt: Diese Form der Fan-Gewalt ist kein singuläres Kölner Problem. Ja, es ist richtig, dass der Fußball insgesamt höllisch aufpassen muss, dass sich der Pöbel nicht dieses Spiels bemächtigt. Ja, es stimmt, dass alle (auch wir Medien) ihr Wirken, ihren Anteil an der Überhitzung dieses Sports, der längst ein Milliarden-Business ist, kritisch hinterfragen müssen.

Aber genauso richtig wie schockierend ist es auch, dass im Kölner Biotop der Sumpf von physischer und psychischer Gewalt offenbar besonders gut gedeiht. Und vor allem der 1. FC Köln muss sich fragen, warum gerade dieser Klub zum Symbol völliger Hilflosigkeit im Umgang mit Gewalttätern zu werden droht.

1. FC Köln
BVB-Trainer Klopp verurteilt „Vollidioten“ im Fall Pezzoni

Kevin Pezzoni war vor seiner Wohnung von unbekannten Tätern bedroht worden. Deshalb löste er seinen Vertrag beim 1. FC Köln auf. Betroffen zeigte sich BVB-Trainer Jürgen Klopp, der Pezzoni seit Jahren kennt: „Die, die Kevin bedroht haben, sind keine Fans des 1. FC Köln, sondern Vollidioten.“ 

Es ist erstaunlich, es ist beklemmend, wie lange der Klub gebraucht hat, seine eigene Anhängerschaft kritisch zu hinterfragen. Die langjährige Vereinsführung um Klub-Ikone Wolfgang Overath hat die Konfrontation mit den latent gewaltbereiten, den Gewalt verharmlosenden Fan-Gruppierungen lange, viel zu lange gescheut. Der neuen Klubführung ist ein ehrliches Bemühen zur Gewaltprävention nicht abzusprechen, sie hat das Negativ-Potenzial erkannt.

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Anhänger des 1. FC Köln bedrohen dessen Profi-Spieler Kevin Pezzoni . Hat das Fußballfan-Sein für Sie Grenzen?

Anhänger des 1. FC Köln bedrohen dessen Profi-Spieler Kevin Pezzoni . Hat das Fußballfan-Sein für Sie Grenzen?

 

Aber im Fall Pezzoni? „Ich habe das Gefühl, dass ein Spieler Richtung Schlachtbank geführt wird, das werde ich nicht tolerieren“, hatte  FC-Coach Holger Stanislawski jüngst erklärt. Drei Tage später trennten sich Klub und Spieler einvernehmlich. Pezzoni wollte – wer will ihm das verdenken – nicht mehr für den FC spielen. Und der Klub ergriff die Gelegenheit, den schwelenden Konflikt auf diese Art zu befrieden.

Doch es fühlt sich wie eine Kapitulation an. Der Fußball-Pöbel hat obsiegt, Pezzoni wird das Kölner Trikot nie mehr tragen – die Probleme aber bleiben. Sie lassen sich nicht so leicht lösen wie ein Vertrag.

Dirk Graalmann



Kommentare
05.09.2012
14:21
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von dschidschi5 | #16

Tolle Theorien, aber um etwas zu ändern, müssten einige der Verantwortlichen oder der sog. "echten" Fans mal Rückgrat zeigen, aber wer hat das heute noch?

04.09.2012
09:05
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von mafra7wfn | #15

Ich finde es gut, daß Pezzoni seinen Vertrag aufgelöst hat. Wäre er geblieben, hätte das Martyrium kein Ende genommen. Pezzoni hätte einen Leibwächter anheuern müssen, um nicht noch einmal von solchen Idioten - oder besser Fußballprofibashern - bedroht oder tätlich angegriffen zu werden.

Das ganze asoziale ******* ist nur von blindem und abgrundtiefem Haß durchsetzt und sollte vielleicht mal am eigenen Leib erfahren, was sie da anrichten. Auf jeden Fall ist nun entscheidenes Handeln angesagt: die Verursacher des Pezzoni-Bashings sollten so schnell wie möglich ermittelt und der Prozeß gemacht werden. Am besten lebenslanges Stadionverbot und für ein paar Jahre hinter Gitter!

03.09.2012
21:44
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von bonafide | #14

An den Pranger gehöre alle.
Die Vereine die ihre wilden Horden als Stimmungsmache lieben, hätschekn und dafür vieles brutale, unschöne häßliche dulden.
Aber wie immer ,,,man reiche den kleine Finger und die Hand sit futsch.

Die Kölner "Fans" jubeln auf Facebokk über ihren Erfolg und es wird schon ein zweites Opfer kolportiert.
Wenn dem so ist, die pöbeln noch jemanden weg und der Verein schützt seine Angestellten nicht, dann sollte die DFL die Lizens entziehen.
Irgendwann muss gut sein. Wenn der Verin nicht will, die normalen Fabs nicht können dann sollte die Gesellschaft das AUS verkünden,
Schade für die Geißböcke aber mein Mitleid ist begrenzt.

Der Schnusekurs hätte schon vor Jahren einer härteren Gangart weichen sollen. Die Stadien wären immer noch voll, aber mit weniger Bierumsatz.

03.09.2012
15:07
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von dummmberger | #13

Es ist der falsche Weg, hier jetzt einen einzelnen Klub an den Pranger zu stellen. Alle Vereine versuchen doch, mit solchen "Extrem-Fans" irgendwie auszukommen, da sie wissen, dass die Grenzen fließend sind und man mit hartem Vorgehen auch andere Fans vergraulen könnte.

Dass es in Köln im Moment so heftig abläuft, hat natürlich mit dem unglaublichen Abnsturz zu tun. Was wäre denn z.B. in Gelsenkirchen los, wenn S04 in den Abstiegskampf der 2. Liga abstürzen würde?

Dass Pezzoni jetzt geht, war in erster Linie seine Entscheidung. Soll der Klub ihn zwingen dazubleiben, um ein Zeichen zu setzen?

Ich denke, viele machen sich das hier zu einfach.

2 Antworten
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von amki | #13-1

...doch, denn es ist ein (momentan!) ausschließlich Kölner Problem. Allein vor knapp 14 Tagen in der ZDFzoom Reportage "Die dritte Halbzeit", ging es fast nur um "Kölner" Vorfälle!

Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von amki | #13-2

Zwingen natürlich nit, aber man hätte ihm vor der Vertragsauflösung alle erdenkliche Unterstützung und Hilfe anbieten müssen! Vertragsauflösung ist der letzte Weg, doch der 1.FC hat diesen als Erste vorgezogemn!

03.09.2012
13:14
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von Chrizzo | #12

dumper...

das ist eine wunderbare Idee, alle Problemclubs in die unteren Ligen zu schicken.. Garantiert verschwinden die Problemfans dann und benehmen sich brav und artig. Es ist auch insgesamt sehr unwahrscheinlich, dass diese Deppen dann einfach bei anderen Vereinen weiter machen.

Das Konzept find ich klasse, sollte durchgesetzt werden!

*Ironie aus

03.09.2012
13:04
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von Master.of.Desaster | #11

Kaum eine Sportart macht so viele negative Schlagzeilen, wie der Fussball. Waren es gestern noch dumme Parolen im Stadion, Randale, Schlägereien, Wurfgeschosse, Bengalos und sonstige Ausschreitungen, dann sind es jetzt persönliche Bedrohungen von Spielern im Privatbereich.
Dieses ganze assoziale Volk ist ja nicht nur ein Problem in Köln, sondern zieht sich ja durch die gesamte Nation.
Ich denke, dass man Dem nur einigermaßen begegnen kann, wenn die Zusammenarbeit zwischen Verein, Polizei und Security optimiert wird, drastischere Strafen ausgesprochen werden und ein gewisser Selbtsreinigungsprozess eingeleitet wird. Und da ist ja nun wirklich auch jeder Bürger gefragt.
Letztendlich wird es auch dann noch immer einige unverbesserliche Idioten geben, die den Sport als Ventil ihres Freustes und eigenen Versagen missbrauchen.

1 Antwort
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von lightmyfire | #11-1

Vollkommen richtig.

03.09.2012
13:03
Fußball ist ein Spiel !
von 2drift | #10

Und wenn wir es nicht mehr als Spiel verstehen, dann müssen wir es lassen !

Farblich gestaltete Pflastersteine fliegen in von der Straße abgedrängte Fanbusse - Erwachsene verwemmsen sich sogar in Familienblöcken - 8jährige stehen daneben und skandieren von Vatti und Mutti vorgekaute Schmähgesänge... und auf welcher Grundlage ? Des Deutschen liebster Couchsport ! Die mangelnde Akzeptanz von Niederlagen gipfelt gerade beim gesellschaftlichen Bodensatz regelmäßig in der Ausübung von Stratftaten... mögen sich die versammelten Asis doch endlich Lebensinhalt verschaffen, Profil zulegen und persönlichen Erfolg erreichen...

03.09.2012
12:51
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von notarius | #9

#7 dumper
Du meinst wirklich, weil ein paar Idioten den Sport für ihr Unwesen missbrauchen, sollte der ganze Verein bestraft und zurückgestuft werden.
Dann hast Du demnächst nur noch Dörfer in der ersten Liga. Da ist das Umfeld dann überschaubarer.
Dann fahren demnächst Berufskrawallmacher nach München, bedrohen dort einen Spieler und Bayern spielt in der Bayernliga.

03.09.2012
12:49
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von bonafide | #8

Das muss am Rheinwasser liegen,,die Ddorfer sind auch nicht besser....ab in die Oberliga und es interessiert keine mehr was die Hirni-Fans machen

1 Antwort
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von linther | #8-1

Die Fortuna ist zur Zeit so erfolgreich, dass die Spieler in den Himmel gehoben werden. Wenn der Erfolg nachlässt, wendet man sich wieder anderen Sportarten wie Eishockey oder Football zu. Aber von tätlichen Angriffen auf Spieler hab ich bisher nicht gehört.

03.09.2012
12:10
Der Fall Pezzoni - das Sumpfbiotop beim 1. FC Köln
von dumper | #7

Das ist ein bundesweites Problem .Nur bei dem einen Verein wirds klein geredet ,bei anderen an die große Glocke gehängt.

Wenn jetzt ein Verein wie der 1.FC Köln nicht in der Lage ist dem treiben einhalt zu gebieten,dann sollte der DFB oder der Ligaausschuß der Profivereine Nägel mit Köpfe machen und diese(n) Verein(e) in die 5.Liga zurück stufen . Dann löst sich das problem mit den Problemfans von alleine .
Aber leider fehlt es bei den dafür zuständigen Gremien an Courage ein solches Exempel zu statuieren. Man hat ja schon bei div. Ostvereinen den Schwanz eingezogen,warum soll man jetzt Flagge zeigen und etwas ändern ?. Es war schon bei der EM unerträglich als ein paar unverbesserliche meinten , Mesut Özil zu beleidigen und auch zu bedrohen . So geht jeder Sport zugrunde , nur weil ein paar Idioten versuchen anderen ihre Meinung auf zu zwingen,sei es verbal oder mit Gewalt .

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