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Die Prinz geht

Prinz geht mit Abschiedsspiel

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Foto: Getty
Birgit Prinz, Deutschlands bekannteste und beste Fußballerin, hört ein Jahr nach der WM auf. Zum Abschied schenkt der DFB seiner nicht immer pflegeleichten Ikone ein Spiel.

Essen. 

Am Tag, als Birgit Prinz sich den Respekt zurück erkämpfte, brannte draußen die Sonne vom Himmel.

Es war ein strahlend schöner Tag, vormittags schon knackig warm. Deutschlands bekannteste Fußballerin saß in einer stickigen Turnhalle in der Wolfsburger Innenstadt, es roch nach Bohnerwachs und ängstlichen Schülern. Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gastierte in Deutschland, sie war keine zwei Wochen alt, sie war die Mutter aller Weltmeisterschaften.

Die Mutter hatte gerade ihr erstes Kind gefressen.

Birgit Prinz, das Gesicht des Frauenfußballs, die Beste von allen, die einzige, von der vor dieser WM jeder einmal gehört hatte: nur noch Ersatz. Zu alt, zu schwach, zu müde. Und nun wollte die Meute, die sie tagelang gehetzt hatte, etwas hören.

Birgit Prinz ist im Juni vorigen Jahres keinen einfachen Weg gegangen. Sie musste erklären, warum es mit 33 Jahren nicht mehr für einen Platz im Nationalteam reicht, warum sie, die große Prinz, die Ikone, nach 214 Länderspielen und 128 Toren vor einem WM-Viertelfinale gegen Japan nicht mehr konnte.

Sie muss diese Momente in Wolfsburg gehasst haben. Nicht, weil sie über ihre Schwächen sprechen musste. Birgit Prinz wäre das Reden nur unwesentlich leichter gefallen, wenn Deutschland am Abend vorher den Titel geholt und sie das entscheidende Tor geschossen hätte. Birgit Prinz wollte nie ein Star sein. Sie wollte immer nur spielen.

Müde, nachdenklich und wehrlos

Sie hat diesen Auftritt damals in Wolfsburg zu einer der eindrucksvollsten Szenen der WM gemacht. Es ist wenig geblieben von diesem Turnier, aber man erinnert sich an eine verletzte, tief verunsicherte 33-Jährige, die nach 20 Jahren als Frontfrau des Frauenfußballs nicht mehr gebraucht wurde. Die nicht mehr zurecht kam mit dem Druck und nicht mit ihrem Anspruch, diese Über-WM im eigenen Land noch einmal zu krönen. In Wolfsburg saß sie dann da, müde, nachdenklich und wehrlos. „Ich habe es einfach nicht hinbekommen“, sagte Birgit Prinz damals, und in all ihrer öffentlich eingestandenen Hilflosigkeit gelang ihr ein beeindruckender, ein würdiger letzter öffentlicher Auftritt als Nationalspielerin.

Birgit Prinz hat es sich auch vorher nicht leicht gemacht. Sich nicht und anderen nicht. Es war sicherlich auch ihr Glück, in einer Zeit die Lokomotive des Frauenfußballs spielen zu müssen, als der Sport am Anfang stand. Belächelt wurde. Jedenfalls nicht so kühl kalkuliert vermarktet wurde, wie zur WM 2011. Bis dahin war Prinz die Zugmaschine. Sie war nie der spielerisch leichte Typ, in ihrer Art nicht, in ihrem Dickkopf nicht, auch optisch nicht. Wahrscheinlich würde sie das auch nicht als Kompliment empfinden. Auf dem Platz lebte sie von ihrer Physis, der Kraft, dem Tempo, der Bulligkeit. 2011 aber hatte sich der Sport, der immer ihr Sport war, schon verändert, auf dem Platz und mehr noch daneben. Das Tempo war schneller, am Schluss zu schnell für sie geworden. Und im oft verkrampft wirkenden Bemühen des Verbandes, seine Spielerinnen als modern, emanzipiert und sexy zu vermarkten, waren die Bajramajs und Kuligs an Prinz vorbei gezogen.

Nicht, dass sie ihnen das geneidet hätte. Birgit Prinz hat sich diesen Anforderungen immer widersetzt, sie war im Umgang mit der Öffentlichkeit sperrig und oft anstrengend, für sich und für die anderen. Ein Star zu werden, eine öffentliche Person: nie gewollt. Deshalb hat sie ihr Privatleben, ihre Träume und Zweifel verbissen verteidigt.

Abschiedsspiel

Vielleicht war absehbar, dass dies zum Schluss einer großen Karriere bei einer WM im eigenen Land nicht mehr funktionieren können würde. Im Gruppenspiel gegen Nigeria hat Bundestrainerin Silvia Neid ihre Spielführerin acht Minuten nach der Pause ausgewechselt, danach hat Prinz nicht mehr gespielt. Sie hat das als Demütigung empfunden, und nach allem, was man hört, soll es damals schlechter um Birgit Prinz’ seelische Verfassung gestanden haben, als die Öffentlichkeit geahnt hat.

Aber ein Jahr heilt Wunden. Birgit Prinz bekommt an diesem Dienstag (FFC Frankfurt – Nationalteam, 18 Uhr, Eurosport) ihr Abschiedsspiel, und sie nimmt es an. Beides war lange nicht selbstverständlich und Prinz ist froh, dass es nun endgültig vorüber sein wird. Sie hat abgeschlossen mit ihrer Laufbahn, sie möchte jetzt als Psychologin arbeiten. Zu ihrem Abschiedsabend fällt ihr ein: „Ich hoffe, es gibt nicht zu viel Schnickschnack drumherum.“ So sperrig sie ist, so treu bleibt sie sich.

Das ist mehr, als viele andere von sich sagen können.