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Mit dem ICE von Hamburg übers Meer nach Kopenhagen

24.03.2013 | 08:30 Uhr
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Mit dem ICE von Hamburg übers Meer nach Kopenhagen
So soll der neue Tunnel zwischen Hamburg und Kopenhagen aussehen.

Hamburg.  Wer mit dem ICE 35 nach Kopenhagen will, der wird nicht nur über festes Land rauschen, sondern auch im Bauch einer Fähre übers Meer fahren. Doch dies soll nicht immer so bleiben, denn der Reiseweg über das Meer wird 2021 eingestellt: Züge und Autos sollen dann durch einen Absenktunnel fahren.

Nächster Halt: Fähre“, steht auf den Displays im Großraumwagen des ICE 35 von Hamburg nach Kopenhagen. „Velkommen om bord“, begrüßt auch der Zugführer die in Puttgarden zugestiegenen Fahrgäste über die Lautsprecher in Dänisch. „Vi ønsker jer en behagelig overfart.“ Behaglich soll die Überfahrt werden? Und das, obwohl der ICE im Grenzbahnhof auf der Insel Fehmarn den festen Boden unter den Rädern verliert? Auf der 45-minütigen Fährpassage von Puttgarden nach Rødby über den Fehmarnbelt verschwindet der Schnellzug der DB nämlich im Bauch eines Fährschiffes der dänischen Fährgesellschaft Scandlines.

Der Zug hat einen reservierten Platz

Draußen an der Mole wartet die „Deutschland“ mit weit aufgerissener Bugklappe. Polternd fahren die letzten Lkw und Reisebusse in die untere Ebene des Fährschiffs ein. 120 Pkw sind bereits über eine Schwenkbrücke auf das darüber liegende Autodeck gefahren. Draußen sichert Werner Wulf in neongelber Warnweste und mit einer Fahne die Einfahrt des nahenden Triebzuges.

Info
Tunnel statt Fähre

1963 wurde die Bogenbrücke von der deutschen Ostseeküste bei Großenbrode über den Fehmarnsund auf die Ostseeinsel Fehmarn eröffnet. Zeitgleich nahmen vor 50 Jahren die Zugfähren zwischen Puttgarden und Rødby ihren Betrieb auf. Damit konnten erstmals durchgehende Züge auf der Vogelflug-Linie von Hamburg nach Kopenhagen verkehren.

2013 steht unter dem Jubiläums-Motto „50 Jahre Vogelfluglinie“. Neben Festakten sind Ausstellungen, Konzerte und vieles mehr geplant. Die Jubiläumsfeiern werden mit einer Festwoche vom 30. April bis zum 5. Mai eröffnet. Nach langem Hin und Her wurde am 3. Oktober 2007 zwischen Deutschland und Dänemark ein Staatsvertrag für eine feste Fehmarnbelt-Querung unterzeichnet. Damit kann der Traum einer Direktverbindung zwischen Kontinentaleuropa und Skandinavien über die kürzest mögliche Verbindung Wirklichkeit werden – Baubeginn soll 2015 sein. Ab 2021 sollen Autos und Züge durch einen rund 18 km langen Absenktunnel von Fehmarn durch die Ostsee nach Dänemark fahren. Durch das 5,5 Milliarden Euro teure Projekt kann die Reisezeit zwischen Hamburg und Kopenhagen von derzeit viereinhalb auf künftig drei Stunden verringert werden. Die Querung des Fehmarnbelts dauert dann nur noch sieben Minuten.

Die letzte der vier Fahr- und Gleisspuren im Schiffsrumpf ist für den Zug reserviert. Zwischen dicken Tiefkühl-Brummis mit Südfrüchten aus Spanien und Reisebussen findet ICE 35 seinen Stellplatz. Der 62-jährige Wulf fuhr Jahrzehnte lang als Schlosser im Maschinenraum der großen Eisenbahn-Fährschiffe der Deutschen Bundesbahn zwischen Puttgarden und Rødby über den Fehmarnbelt.

Doch als 1997 die „Karl Carstens“ als Flaggschiff der DB-Fährflotte ihren Dienst quittieren musste, war die Seefahrt auch für Wulf vorbei. Seither weist er fünf Mal täglich einen Direktzug von Hamburg nach Kopenhagen in Puttgarden auf die Fähre ein. Ebenso oft winkt er die Gegenzüge von der Fähre über die Hafenstraße hinweg in den Bahnhof von Puttgarden ein.

Eisenbahnfähre nur noch bis 2021 im Betrieb

Bald hat er das Rentenalter erreicht. Auch die dänischen Eisenbahnfähren werden in absehbarer Zeit als Relikt einer gemütlichen Reise-Epoche ihren Dienst quittieren müssen. Im Jahr 2021 sollen mit der Eröffnung des neuen Absenktunnels Autos und Züge knapp unterhalb des Meeresgrundes zwischen Fehmarn und dem dänischen Lolland hin und her rauschen. Solange aber heißt es für den Zug „ab in den Bauch“ der Fähre. „Alle passagerer skal derfor forlade toget under overfarten og ga til færgens øvre dæck“, tönt jetzt die Stimme aus dem Lautsprecher. „Wir müssen Sie bitten, den Zug nach Ankunft auf der Fähre zu verlassen und die oberen Decks aufzusuchen“, wird danach auf Deutsch übersetzt. Zwischen den benachbarten Lastwagen steigen die Fahrgäste aus und klettern über die Treppenhäuser der Fähre auf das Oberdeck.

Info
Anreise

Anreise: Täglich verkehren fünf Direktverbindungen von Hamburg über den Fehmarnbelt nach Kopenhagen und zurück. Ein Zug verbindet sogar Berlin mit Kopenhagen über den Fehmarnbelt. Mit dem Sonderangebot „Europa-Spezial“ der DB gibt es Tickets bereits ab 39 Euro nach Kopenhagen – auf kurzen Strecken (von Hamburg) für nur 29 Euro inklusive Fährfahrt Puttgarden - Rødby.

Besonderheiten: Der ICE-TD war ursprünglich als Dieseltriebzug mit Neigetechnik geplant, doch eine Pannenserie führte zum Abschalten der Neigetechnik. Nach einem Verbot durch das Eisenbahn-Bundesamt kam das Aus für die gesamte Flotte, bis sie zur Fußball-WM 2006 reaktiviert wurde. Die neue Bestimmung wurde mit einem Vertrag zwischen den Dänischen Staatsbahnen und der DB gesichert. Nach Umbauten wird der ICE-TD seit 2007 zwischen Hamburg und Kopenhagen eingesetzt. Der Vertrag zwischen der DB und der DSB sieht einen Einsatz bis zur Eröffnung des neuen Tunnels vor.

Kontakt

www.visit-denmark.de

www.reiseauskunft.bahn.de

Ein leichtes Rumpeln und der schwankende Boden zeigen an, dass die Fähre abgelegt hat. Nur 45 Minuten wird die Fahrt über die Ostsee dauern. Die Restaurants, Cafeterias und der Duty-free-Shop füllen sich schnell. Draußen an der Reling stehen die Reisenden und lassen sich den salzigen Ostseewind um die Nase peitschen. Gespannt warten sie darauf, dass die Hafenanlage von Rødbyhavn in Sicht kommt. Und dann zeichnen sich auch schon bald die endlosen Windkraftanlagen am dänischen Küstenstreifen ab.

Dänen, die regelmäßig die Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen nutzen, sitzen im Innenraum des Fährschiffs bei einer Tasse Kaffee, lesen Zeitung oder checken Emails. Schneller als gewünscht werden die Passagiere gebeten, sich wieder in ihre Autos oder in den Zug zu begeben. Das Eisenbahnabenteuer, eine Zugfahrt auf dem Schiff fortzusetzen, wird aber bald der Vergangenheit angehören.

Matthias Pieren

Kommentare
24.03.2013
23:50
Mit dem ICE von Hamburg übers Meer nach Kopenhagen
von Industrie | #1

Seit es feststeht, dass eine Querung gebaut wird, hat man das Gefühl, dass die Fährgesellschaft in den letzten Jahren noch mal richtig Kasse machen will. Die Preise schwanken mittlerweile pro Überfahrt zwischen ca. 60 und 85 EUR (one way). Es ist zum Kotzen.
Der Tunnel wird sich diese Tatsache ganz sicher zu Nutze machen, jede Wette. Es wird ja wohl kein Mensch glauben, dass die Nutzung des Tunnels ab 2021 signifikant billiger sein wird als eine Fährfahrt. Was auch immer diese bis dahin kosten wird. Man könnte schon wieder k....
Helfen wird es nichts.

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