Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Roma

Wer am Elend der Roma in Deutschland verdient

09.10.2012 | 19:05 Uhr
Wer am Elend der Roma in Deutschland verdient
Der Putz bröckelt von den Häuserfassaden, Müll und Unrat liegen auf der Straße. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind viele Roma aus Südosteuropa nach Duisburg-Hochfeld gekommen. Dort fristen sie ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft.Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool

Duisburg/Katunitsa.   Sie kommen aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland mit der Hoffnung auf ein besseres Leben und landen in der absoluten Armut. Täglich leben viele verschuldete Roma mit Angst vor den Übergriffen der Geldeintreiber. Bei dem Geschäft mit der Zukunft machen nur die großen Roma-Chefs Kasse.

Alina und ihr Mann Juri sitzen in einer Dach­geschosswohnung in Duisburg-Hochfeld in einem Haus in der Walzenstraße. Auf der Straße liegen zerschlagene Flaschen, im Hof abgerissene Möbelreste. Im Zimmer riecht es beißend nach Urin. Alina und Ihr Mann Juri sitzen dort, weil sie in Duisburg ihr versprochenes Glück suchen. Alina und Juri haben keine Arbeit. Wenig zu Essen. Aber Schulden. Und da draußen sind Männer, die die Schulden eintreiben.

Alina und Juri haben drei Kinder. Sie hausen alle zusammen mit Juris Brüdern und deren Familien in den vier Zimmern in der Walzenstraße. Sie haben Angst vor den Männern da draußen. Deswegen wollen Sie keine Nachnamen lesen und auch keine Fotos von sich sehen.

750 Euro Miete für ein Wohnloch

Alina und Juri sind Teil des großen Roma-Trecks, mit dem zehntau­sende Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach Westeuropa ­ziehen, auch ins Ruhrgebiet, auf der Suche nach Zukunft, nach Glück. In ihrem Gefolge: Profiteure und Absahner.

Roma im Teufelskreis

Alina und Juri sitzen auf einem Bett. Alina hat ihre schwarzen ­Haare streng zurückgekämmt und trägt um den Hals eine Goldkette. Sie ist sehr schlank. Ihre schwarzen Augenbrauen sind fast zusammengewachsen. Juri trägt eine schwarze Trainingsjacke. Zwei Armlängen entfernt steht in einem braunen Eichenschrank eine rosafarbene Glaskatze. Sie müssen 750 Euro im Monat für die vier Zimmer zahlen. An den Wänden blasse Farbe, keine Tapeten, Putz bröckelt. Das ganze Haus ist an Roma vermietet. Vier Etagen. Ein halbes Dutzend Wohnungen, fast 80 Bewohner – in jedem Alter. Kaum einer hat Arbeit.

Der Vermieter hat die Pässe

Der Besitzer des Hauses in der ­Walzenstraße ist der türkische ­Geschäftsmann Arif K. Er hat die Pässe von Alina, von ihrem Mann Juri und anderen Roma in seinem Haus eingesammelt. Sie sind sein Pfand. Die Pässe will er erst zurückgeben, wenn Miete, Schulden und Zinsen bezahlt sind. Wer nicht mehr zahlen kann, fliegt raus. ­Einfach so. Fenster auf. Kleidung, Koffer, Eichenschrank samt Glaskatze auf die Straße.

König Kiro, ein Roma-Boss.Foto: privat

Es gibt genügend Roma, die einziehen wollen, wenn sie dürften, sagt der Vermieter bei einer ­Konfrontation mit dem Reporter. Wo sollen sie auch sonst hin. Auf Widerworte reagiert Vermieter K. zornig. Er droht mit Schlägen. „Ich hab nur Ärger mit denen. Die sollen zahlen“, sagt er. Er besitzt noch mehrere Roma-Häuser im Duis­burger Stadtteil Hochfeld.

Woher die Roma das Geld nehmen, ist dem Vermieter egal. Alina hat ein Formular vorliegen. Das hat er ihr gegeben. Es ist ein Kindergeldantrag für Alinas drei Kinder an das Duisburger Jugendamt. Auch andere Roma im Haus sollen für ihre Kinder die Anträge ausfüllen. Als Empfänger hat Arif K. sein Konto eingetragen. Viele füllen den Antrag aus.

Die Stadt Duisburg wurde über den Vorgang informiert. Gesagt hat sie dazu bisher nichts.

Nur wer tief in die Lebenswelt der Roma eintaucht, kann verstehen, warum sich Menschen wie Alina und Juri Vermietern wie Arif K. ausliefern. Es geht fast immer um Geld, Schulden und Hoffnungen.

  1. Seite 1: Wer am Elend der Roma in Deutschland verdient
    Seite 2: Roma-Bosse lassen Schulden eintreiben
    Seite 3: Roma leben am Rand der Gesellschaft

1 | 2 | 3



Aus dem Ressort
Straßen überflutet - Wetterdienst warnt vor Starkregen
Starkregen
Der Deutsche Wetterdienst warnt in weiten Teilen von NRW vor heftigen Gewittern, Starkregen und Hagel. In Dortmund hatte es am Samstag besonders stark geregnet. Hier sind nach Auskunft der Feuerwehr mehrere Straßen überflutet und einige Keller vollgelaufen.
Tumulte bei Bürgerinfo zum Landes-Asyl in Duisburg
Flüchtlinge
Aufgeheizte Stimmung bei der Bürgerinformation für das Landesasyl in Neumühl. Überschattet hat die Veranstaltung das im Internet kursierende Gerücht über eine angebliche Kindesentführung. OB Link pfiffen die Zuhörer bei seiner Ankunft aus, zudem hetzten Rechtpopulisten die Anwohner auf.
Starkregen verursachte Schaden an Loveparade-Gedenkstätte
Gedenkstätte
Der Schaden an der Loveparade-Gedenkstätte ist durch Starkregen verursacht worden. Das teilt die "BI Gegen das Vergessen LoPa 2010" auf Facebook mit. Zuerst war man von Randalierern ausgegangen, die die Gedenkstätte verwüstet hätten.
Kakerlaken-Plage nach Hausbrand in Duisburg
Ungeziefer
Nach dem Brand eines Hauses in Duisburg-Meiderich geht mit der Verwahrlosung der Brandruine nun ein weiteres Problem einher: Aus dem Haus kommen immer mehr Kakerlaken, die auch in andere Wohnungen eindringen. Die Immobilien-Besitzerin kann sich darum wegen einer Privat-Insolvenz wohl nicht kümmern.
In Essen soll ein Groß-Asyl mit 800 Plätzen entstehen
Asyl
Schon im Herbst 2015 könnte das Groß-Asyl im Essener Stadtteil Fischlaken eröffnen. NRW-Innenminister Ralf Jäger will rasch mit der Stadt Essen verhandeln. Wenn der Stadtrat zustimmt, könnte die Einrichtung mit 800 Plätzen im Herbst 2015 eröffnet werden. Der Bau soll 22 Millionen Euro kosten.
Umfrage
Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

 
Fotos und Videos
Fans warten aufs neue iPhone
Bildgalerie
Apple
A59-Baustelle von oben
Bildgalerie
Großbaustelle