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Kleine Hunde, große Not

Kleine Hunde, große Not

Zottelige Malteser Hunde in der.jpg
Foto: Funke Foto Services

Am Niederrhein. 

Malteserhunde sind drollige Geschöpfe. Sie sehen aus wie Wattebäusche mit Knopfaugen. Sie haben weiches, weißes Fell, das sich wie Seide anfühlt, sie sind gelehrig und verspielt. Und weil sie so klein sind, eignen sie sich auch für Stadtwohnungen. Alles in allem also wirklich putzige und fröhliche Begleiter des Menschen. Das war der schöne Teil der Geschichte.

Der weniger schöne kommt jetzt: 270 Malteser landeten Anfang März in drei niederrheinischen Tierheimen, beschlagnahmt aus einer Hundezucht in Schermbeck (siehe Infobox). Für die Hunde bedeutet das ein großes Glück, für die Tierschützer Ausnahmezustand. Und von Putzigkeit war auch keine Spur. „Da war nur blankes Elend, als sie bei uns ankamen“, sagt Martina Retthofer, die gemeinsam mit Corinna Markau den Tierhof Straelen leitet.

Große Hilfsbereitschaft

108 Hunde hat die Einrichtung aufgenommen, 103 kamen in der Tierherberge Kamp-Lintfort unter, 65 im Tierheim Wesel. „Wir waren schockiert, als wir die Hunde sahen“, schreibt auch Leiterin Gabi Wettläufer auf der Internetseite des Weseler Tierheims.

Der Zustand der Hunde war katastrophal, viele hatten massivste Augen- und Zahnprobleme, verfilztes Fell, das sie zum Teil am Laufen hinderte, einige litten unter Tumoren. Das bedeutete für die engagierten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter: Dauereinsatz. „Ich glaub’, ich habe in der ersten Woche insgesamt zehn Stunden geschlafen“, so Retthofer, die von „Fußhupenalarm“ spricht. Fußhupen, das ist ihre salopp-liebevolle Bezeichnung für die kleinen Wusler. „Normalerweise haben wir es meist eher mit großen Hunden zu tun.“ Die gehören zum Alltag des Straelener Tierhofs – und der geht auch weiter. „Nebenher haben wir ja täglich noch zwischen 55 und 80 weitere Hunde zu versorgen“, so die Leiterin. Was sie besonders beeindruckt ist die gigantische Welle der Hilfsbereitschaft, die den Tierschützern in Wesel, Kamp-Lintfort und Straelen zuteil wurde. Firmen und Privatleute haben Futter, Decken, Desinfektionsmittel und vieles mehr gespendet – so viel, dass die Heime an die Grenzen ihrer Lagerkapazitäten kamen. Strickkreise fertigten Mäntel für die geschorenen Hunde an. „Das ist total überwältigend“, sagt Retthofer. „So viele Menschen haben sich auf so viele Arten für uns eingesetzt.“ Inzwischen sind vor allem Geldspenden gefragt, die Behandlung der Hunde ist kostspielig. Zudem wurden und werden alle Hunde kastriert. Tierärzte müssen immer noch Operationen vornehmen. Den Hunden geht es inzwischen besser, gesund sind viele aber immer noch nicht. Aus Straelen sind kurz vor Ostern 20 Malteser mit Augenerkrankungen ins befreundete Dortmunder Tierheim umgezogen, „weil die Kollegen dort mit einem Tierarzt zusammen- arbeiten, der auf Augenheilkunde spezialisiert ist“.

Die ersten Welpen sind geboren

Für die fitten Hunde beginnt am Niederrhein aber allmählich die Zeit der Vermittlung an tierliebe und geeignete Interessenten. Sie werden sorgfältig ausgewählt. Denn die meisten der Schützlinge kannten keinen Alltag – keine Wohnung, keine Leine, keine Treppen, kein Auto. Da wird Geduld gefragt sein. „Und auf viele künftige Besitzer werden wahrscheinlich auch noch Tierarztkosten zukommen“, so Retthofer. All das muss man wissen. „Denn wir wollen, dass die Hunde jetzt ein endgültiges, gutes Zuhause finden.“

Bis zur Vermittlung werden zu den beschlagnahmten 270 Hündchen übrigens wohl noch einige hinzukommen. In Straelen sind schon die ersten Welpen zur Welt gekommen. Womöglich sind noch weitere Hündinnen trächtig. „Ich glaube, von dieser Sache werden wir noch in 30 Jahren erzählen“, resümiert die Tierschützerin.


Konatkt zu den Tierheimen: www.tierheim-wesel.de
www.Tierhof-Straelen.de
www.tierherberge-kamp-lintfort.de