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Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt

21.01.2012 | 18:10 Uhr
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
Die Kirche St. Peter in Duisburg-Marxloh bleibt nun doch von den Schließungsplänen des Bistums verschont. Foto: Waz Foto/Pool: Stephan Eickershoff

Duisburg  Ruhrbischof Overbeck stoppt ab 2015 die Finanzierung von drei Kirchen in Duisburg-Hamborn. Ein Erfolg für Gläubigen: Die Kirche St. Peter in Marxloh bleibt erhalten. Christen und Muslime hatten in den vergangenen Wochen Seite an Seite für den Weiterbestand gekämpft.

Im Streit um die Schließung katholischer Kirchen im Duisburger Norden hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck eine Entscheidung gefällt. Von den fünf Gemeindekirchen der jetzigen Pfarrei St. Norbert (Hamborn/Marxloh) bleiben ab 2015 nur noch St. Hildegard, Herz-Jesu und die Marxloher Kirche St. Peter erhalten. Die bisheriger Pfarrkirche St. Norbert, die Kirche St. Barbara sowie die Filialkirche St. Konrad wird das Bistum dann nicht weiter finanzieren. Dass teilte der Pastoraldezernent des Bistums Essen, Michael Dörnemann, am Samstag Nachmittag im Duisburg-Hamborner Abteizentrum mit. Die Kirche St. Konrad soll bereits in wenigen Monaten, St. Barbara im Jahr 2015 geschlossen werden.

Die bisherige Pfarrei St. Norbert wird zudem Teil der Hamborner Großpfarrei St. Johann, sagte Dörnemann. Die Kirche St. Norbert soll auch über 2015 hinaus so lange für Gottesdienste geöffnet bleiben, „wie es der neue Kirchenvorstand von St. Johann in enger Abstimmung mit dem Bistum für verantwortbar hält“, so Dörnemann.

Kirche St. Peter soll christlich-muslimischen Dialog in Duisburg fortsetzen

Stadtdechant Bernhard Lücking sprach von einer „salomonischen Entscheidung“. Er sei dankbar, „dass Bitten der Menschen vor Ort erhört wurden“. Mit St. Peter bliebe eine „territoriale Ausgewogenheit erhalten“, weil es damit auch im Westen des Stadtteils weiter eine Kirche gebe. Zudem biete St. Peter die „Chance, dass der christlich-muslimische Dialog fortgesetzt werden kann“.

Der Erhalt von St. Peter als künftige Filialkirche von St. Johann ist dabei ein Zugeständnis des Bischofs an die Katholiken im Duisburger Norden, die in den vergangenen Monaten massiv gegen die Schließungspläne protestiert hatten. Zu diesem Schritt habe er sich unter anderem angesichts der Voten der betroffenen Gemeinden für einen katholischen Standort in Duisburg-Marxloh entschieden, so Bischof Overbeck in einem Brief, der in den Gottesdiensten der betroffenen Gemeinden an diesem Wochenende verlesen wird.

Muslime setzten sich für den Erhalt der Kirche in Marxloh ein

In St. Peter soll ein „sozialpastorales Zentrum“ mit Blick auf die besondere Situation des Stadteils entstehen, so Overbeck. Wie dieses gestaltet und von wem es finanziert wird, ist zunächst offen. Aber zumindest die Kirche soll weiter so finanziert werden wie alle anderen Gemeindekirchen auch. Das Marxloher Umfeld von St. Peter ist geprägt durch einen hohen Anteil sozial Benachteiligter, wenigen Katholiken und vielen Muslimen.

Mit dem Erhalt „solle auch ein Zeichen für den interreligiösen Dialog gesetzt werden“, betonte Dörnemann. Im Herbst hatten sich die Muslime der benachbarten Merkez-Moschee mit einem Schreiben an den Bischof gegen die Kirchen-Schließung.

„Es kommt jetzt darauf an, dass die Christinnen und Christen die ihren Kirchbau verlieren, in der neuen Pfarrei aufgenommen werden“, sagte Dörneman. Er hoffe, „dass die Leidenschaft, die zuletzt in den Protest geflossen ist, jetzt in den Aufbau einer lebendigen Kirche im Duisburger Norden fließt“.

Dennoch wird es mit der jetzt von Overbeck gefällten Entscheidung mittelfristig wohl nur noch drei oder vier der ursprünglich neun katholische Kirchen auf dem Gebiet von St. Norbert geben. Die Kirchen St. Georg, St. Martin und St. Paul wurden – wie rund 100 weitere Kirchen im Ruhrbistum – bereits bei der Neuordnung der Pfarreien 2005 geschlossen.

Zahl der Gemeindemitglieder in Duisburg geht zurück

Mit den Schließungsbeschlüssen reagiert das Bistum Essen auf den Rückgang der Gemeindemitglieder im Duisburger Norden – vor allem aber auf eine chronische Geldknappheit der Pfarrei St. Norbert. Der Zuschnitt sei ein „Geburtsfehler“ der Pfarrei-Neuordnungen im Jahr 2005 gewesen, heißt es auf Seiten der Pfarrei wie auf Seiten des Bistums: Zu viele (alte) Gebäude und zu wenig Kirchensteuerzahler.

Er verstehe sehr wohl den „Ärger vieler Menschen“, dass auch die jüngst erst für 1,7 Millionen Euro sanierte bisherige Pfarrkirche St. Norbert künftig keine Gemeindekirche mehr ist. Niemand habe aber bei der Entscheidung für die Sanierung wissen können, „dass sich die Zukunftsplanungen in der jetzt vorgesehenen Weise entwickeln werden“, schreibt der Bischof.

In Anbetracht der geleisteten Investitionen solle St. Norbert aber nicht sofort geschlossen werden – wenngleich das Bistum seine Zahlungen für die Kirche ab 2015 einstellt. Zudem dürfe der Erhalt von St. Norbert „nicht zu Lasten der übrigen Kirchen gehen“, so Overbeck. Dörnemann verwies darauf, dass es im Bistum auch andere so genannte „weitere Kirchen“ gibt, die nicht mehr vom Bistum finanziert, aber dennoch weiter betrieben werden.

Protestaktionen gegen Schließungspläne des Bistums

Seit dem vergangen Sommer hatten sich zahlreiche Gemeindemitglieder mit lautstarken Protestaktionen gegen die Bistumspläne gewehrt. Nicht gegen die Schließungspläne generell – auf die ursprünglich geplante Schließung von zwei der fünf Kirchen hätte sich die Pfarrei wohl mit Schmerzen eingelassen. Doch als Bischof Overbeck in einem neuen Vorschlag im Herbst forderte, drei Kirchen zu schließen, fühlten sich die Gläubigen vom Bistum übergangen. Nun ist Overbeck zwar nicht auf die Forderung der Gläubigen eingegangenen, neben St. Hedwig und Herz-Jesu auch St. Barbara oder St. Norbert zu erhalten – aber er hat anerkannt mit St. Peter auch in Marxloh weiter einen katholischen Standort zu erhalten.

„Wir hätten uns ein anderes Votum gewünscht“, sagte Christian Brans von der Protestinitiative gegen die Kirchenschließungen. Doch auch wenn weder der Erhalt von St. Barbara noch von St. Norbert festgeschrieben wurde, „sehen wird das Votum auch positiv, weil andere unserer Kernforderung erhalten wurden“, so Brans. „Es steht jetzt 1:1“ – unter anderem, weil die Kindergärten erhalten werden sollen. „Da werden wir den Bischof nach 2015 drauf festnageln.“

Positiv sei auch, dass ein sozialpastorales Zentrum in Marxloh eingerichtet werden soll und es für St. Norbert „noch eine Option gibt“. „Es ist gut, dass das Votum des Bischofs viele Zwischentöne und Spielräume enthält“, sagt Brans. „Und in drei Jahren kann sich die Situation im Duisburger Norden noch einmal in eine ganz andere entwickeln.“

Thomas Rünker



Kommentare
06.07.2014
14:11
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
von fokkel | #22

St. Peter soll bleiben, aber die Kirche St. Paul muss schnellstens abgerissen werden. St. Paul ist eine Bausünde. Hübsch sieht anders aus.

Die Kirche ist in der Pflicht, die leer stehende Kirche abzureißen. Denn Leerstände erzeugen weitere Leerstände.

23.01.2012
08:32
Dank an die Muslime
von juhuch | #21

Mein Dank gilt den helfenden Muslimen, die uns bei Problemen in Marxloh helfen, die wir ohne sie nie so gehabt hätten.

23.01.2012
01:16
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
von JanundPitt | #20

Sauerland - als angeblich bekennender Katholik - hat keinen Finger krumm gemacht, um das berechtigte Anliegen der Gemeindeglieder gegen die Kirchenschließungen im Duisburger Norden zu unterstützen. Er hätte seinen Einfluss - als angeblicher Katholik - geltend machen können und müssen, aber er hat Euch alle im Stich gelassen.

Einzige Konsequenz: Abwahl am 12.02. eines Mannes, der seine Bürger nicht mehr vertritt: Sauerland.

2 Antworten
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Name von Moderation entfernt | #20-1

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Bemerkenswert, dass die Redaktion....
von MichaelTheoVanLaack | #20-2

... diesen Beitrag nicht löscht. Wo es sich doch eindeutigen um Wahlkampf handelt!

22.01.2012
18:54
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
von andreasbiggi | #19

Es ist beschämend, dass Herr Overbeck im Stile eines Geschäftsführers unter rein wirtschaftlichen Aspekten handelt und Kirchen schließt, in gleicher Weise für sich aber beansprucht am 07.12.2011 auf dem Flug von Berlin nach Düsseldorf (bei Bedarf suche ich die Flugnummer gerne heraus) Business-Class zu fliegen, während alle anderen Geschäftsleute in der Economy-Class saßen.

Schlimm, wie weit es mit der Katholischen KIrche gekommen ist.

1 Antwort
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
von chattanooga | #19-1

Ihr "Bischof in der Business-Class"-Kommentar erinnert mich an einen Flug von Warschau nach Düsseldorf vor einigen Jahren - der früh verstorbene Paderborner Kardinal J. Degenhardt saß in der Economy-Class ganz hinten, direkt vor den Toiletten, das fand ich damals etwas übertrieben bescheiden, aber angesichts ("ministerpräsidialer) "upgrade-Begierden", kann man das heute durchaus anders sehen. Also sind nicht alle Kirchenmänner über einen Kamm zu scheren, aber der heutige Stil der aggressiveren "Traditionsbewahrer" ist eben doch ein anderer, mehr hermachen in der Welt....

22.01.2012
17:39
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Name von Moderation entfernt | #18

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22.01.2012
14:28
Versuch einer "Bilanz" aus der "Sicht"...
von MichaelTheoVanLaack | #17

... der Initiative "Rettet St. Barbara" (der ich nicht nur nicht angehöre, sondern zu deren Aktionen in den vergangenen Monaten hgier und anderorts sehr Kritisch Stellung genommen habe:
1. St. Barbara wird nicht gerettet, sondern spätestens 2015 gechlossen.
2. Die Filialkirche St. Konrad wird spätestens zum Sommer 2012 geschlossen.
3. St. Peter und Paul (besser St. Peter und die bereits vor einigen Jahren geschlossene Kirche St. Paul) wird Filialkirche. Damit ist Pfarrer Michael Kempers Zeit in Marxloh wohl auch abgelaufen, denn ein Karrierist der befreiungstheologischen Fraktion hat kein Interesse an einer Tätigkeit in der dritten Liga. Zudem liegt die mittlere Lebenszeit einer römisch-katholischen Filialkirche im bundesdeutschen Schnitt unter sechs Jahren.
4. St. Norbert wird über 2015 nur erhalten, wenn der Kirchenvorstand der 2015 neu zu schaffenden (noch nicht mit einem Namen versehenen) Pfarrgemeinde dies für wirtachaftlich verantwortbar hält. Da der "Betrieb" von St. Norbert bereits seit 2010 nicht mehr wirtschaftlich verantwortbar ist, könnte nur ein deutlich zweistelliges Millionenerbe, dass zudem noch juristisch wasserdicht sein müsste, Pfarrer Willenbergs Nachfolger (denn dieser wird kaum in Hamborn versumpfen wollen) eine Perspektive bieten.
5. Was die Kindergärten betrifft: Auch das ist kein Erfolg, den sich Frau Angelika Hoffmann auf ihre eigene oder die Fahne der Initiative "Rettet St. Barbara" schreiben kann. Der Bestand der Kindergärten stand nie zur Disposition. Es stellte sich lediglich die Frage nach der Trägerschaft. Denn es gibt ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen Kindergartenplatz. Ggf. in anderen Gebäuden, aber definitiv in zumutbarer Nähe des Wohnortes.

Und so wende ich mich am Ende an Frau Hoffmann (die meine Postanschrift kennt und mir auf diese Frage auch gern brieflich antworten darf): War es das wert? Die falschen Hoffnungen, die Sie geweckt haben? Was haben Ihnen und Ihren Mitstreitern die im Stil von Castor-Gegnern durchgeführten Aktionen (Kirchenverhüllung, Kirchenbesetzung, Menschenkette usw.) gebracht außer medialer Zurschaustellung auch Ihres Egos? "Ganz Deutschland steht auf unserer Seite" und Das Bistum wird brennen".
Das ist nicht die Sprache von Christen, das ist die Sprache und der Stil des "Völkischen Beobachters" (nur der Stil, nicht der Inhat!),
Die Medien - Frau Hoffmann - haben sich nicht primär für die Situation in Hamborn und Marxloh interessiert. Die Medien unserer Republkik sind spätestens seit Bismarck kirchenfeindlich. Ihe und Ihrer Mitstreiterr Kritik am Bischof, ihre Kritik am System: das hat die Medien iunteressiert. So haben Sie sich unfreiwllig (?) zu einem Medium jener gemacht, die die römisch-katholische Kirche bekämpfen als störenden Faktor im Kampf über die Oberheit aller Häuser und Betten dieser Republik!

22.01.2012
13:06
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22.01.2012
12:11
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22.01.2012
11:49
Kirchen in Duisburg müssen schließen - St. Peter in Marxloh bleibt
von alta | #14

Was ich immer wieder ärgerlich finde, ist der Hinweis darauf, dass Katholiken im Duisburger Norden kein Geld einbringen. Es stimmt, Arbeitslose,Rentner und Menschen mit geringen Einkommen zahlen keine Kirchensteuer und können auch keine großartigen Beträge spenden. Brauchen sie deshalb keine Kirche und keine Seelsorger ? Muss jeder einzelne für die sonntagsmesse in seiner Kirche demnächst Eintritt zahlen ? Sind wir nicht eine weltweite Solidargemeinschaft ?

22.01.2012
10:41
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