Erdbeerzeit an Rhein und Ruhr hat begonnen

Frisch geerntet auf den Feldern von Schloss Bloermersheim in Neukirchen-Vluyn: Graf Gregor Freiherr von der Leyen und Tochter Henriette mit den neuen Erdbeeren.
Frisch geerntet auf den Feldern von Schloss Bloermersheim in Neukirchen-Vluyn: Graf Gregor Freiherr von der Leyen und Tochter Henriette mit den neuen Erdbeeren.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Landwirte läuten die Erdbeer-Saison ein. Die Anbaufläche wächst seit Jahren. Die regionale Vermarktung liegt im Trend.

An Rhein und Ruhr.. Das ist ein Kreuz mit Wetter. Weil ein paar Grad Wärme und vor allem Sonne fehlen, ist das Angebot an heimischen Erdbeeren noch übersichtlich. Die Folge: Der Preis ist mit 3,20 bis vier Euro pro 500 Gramm im Direktverkauf ab Hof noch etwas höher als sonst im Mai. Das Wetter hat jedoch auch seine gute Seite: „In den kalten Nächten bildet sich ein besonders günstiges Zucker-Säure-Verhältnis aus – und das ist gut für den Geschmack“, erklärt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Heißt: Jetzt sind die Erdbeeren besonders lecker.

Auf einem Hof in Gütersloh in Ostwestfalen wird die nordrhein-westfälische Erdbeersaison heute offiziell eingeläutet. Tatsächlich gibt es die ersten Früchte schon seit den letzten Apriltagen. „Wir sind schon mitten in der Saison“, sagt etwa Henriette von der Leyen von der Gutsverwaltung Bloemersheim in Neukirchen-Vluyn (insgesamt 4 Hektar Erdbeeren). Der Anbau im Folientunnel macht es möglich. Bei Franz-Josef Arntz in Kleve sind die Erntehelfer ebenfalls längst im Einsatz. Mit Erdbeeren auf 1,5 Hektar im Tunnel und 20 Hektar im Freiland zählt er zu den großen Erzeugern in der Region. „Der April war sehr sonnig, das war gut fürs Wachstum“, sagt Arntz.

Heimische Früchte bis in den September

Landesweit sind Erdbeeren auf dem Vormarsch. Die Anbaufläche ist beständig gewachsen – auf zuletzt NRW-weit 2600 Hektar, gut 1400 davon im Rheinland. Die Landwirte folgen dem Geschmack der Verbraucher. Landesweit gibt es mittlerweile mehr als 500 Selbstpflückfelder. Regionale Vermarktung liegt im Trend. Selbst große Lebensmittelketten wie Rewe oder Discounter wie Aldi werben damit. Bei Erdbeeren ist das aus Sicht von Experten nur folgerichtig, denn: Die roten Früchte mögen keine langen Transportwege.

Ob diese Erdbeersaison eine gute wird, ist noch nicht absehbar. Wettermäßig kann viel passieren. „Erdbeeren sind sehr anspruchsvoll, das macht sie so interessant“, sagt Henriette von der Leyen von Gut Bloemersheim. Auch Franz-Josef Arntz ist lieber zurückhaltend („abgerechnet wird zum Schluss“). Was viele Leute nicht wissen: Die Saison ist lang. Heimische Früchte gibt es üblicherweise bis in den September hinein.

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Die Fachleute bei den Rheinischen Bauern machen sich wegen des Wetters bisher jedenfalls keine Sorgen. Wachstum und Reifezeitpunkt liegen im langjährigen Mittel, hieß es auf NRZ-Nachfrage. Sobald es wärmer wird, wird das Angebot breiter und die Preise purzeln. Wie stark, dazu mag sich aktuell niemand äußern. Die Vorsaison taugt nur sehr bedingt zum Vergleich. Da war die Ernte außergewöhnlich gut. Preise von 2,50 oder 2,60 Euro pro Pfund ab Hof waren nicht ungewöhnlich.

Der Mindestlohn jedenfalls spielt nach Ansicht der Landwirtschaftskammer bei den Preisen praktisch keine Rolle: „Erdbeerbauern haben ihre Erntehelfer immer schon gut bezahlt“, sagt Sprecher Bernhard Rüb. Das Geschick des Pflückers entscheide darüber, ob Ware verkauft werden kann oder nicht. Zerdötschte Erdbeeren will niemand haben. Ein guter Pflücker schafft bis zu 15 Kilo in der Stunde. Die Kammer hat errechnet, dass sich der Mindestlohn nur mit etwa 20 bis 30 Cent je Kilo bei den Kosten auswirkt – wohlgemerkt: nicht beim Preis. „Der wird vom Markt gemacht“, sagt Bernhard Rüb.