Die rebellischen Nonnen von Kloster Maria Regina

Schwester Katharina (l.) und Subpriorin Schwester Regina Kämpfen um ihre Heimat: Das Karmelitinnenklosters Maria Koenigin in Stolberg-Zweifall soll geschlossen werden
Schwester Katharina (l.) und Subpriorin Schwester Regina Kämpfen um ihre Heimat: Das Karmelitinnenklosters Maria Koenigin in Stolberg-Zweifall soll geschlossen werden
Foto: WAZ FotoPool
Seit Jahren sollen die letzten zwei Schwestern ihr Kloster verlassen. Aber sie wehren sich standhaft – trotz Repressionen und Kontosperre.

Stolberg-Zweifall.. Das Karmelitinnen-Kloster Maria Regina ist ein Ort des Friedens, gerade jetzt im Herbst. Hoch über dem kleinen Ort Zweifall bei Aachen liegt es am Waldrand in klarer Eifel-Luft fernab von Lärm und Hektik. Ab und an finden Wanderer oder Pilger den Weg hier hoch – doch eigentlich könnten die beiden derzeit einzigen Nonnen hier in der Ruhe wohnen, die ein Leben mit Gebet, Meditation und Bibelstudium braucht.

Doch der ruhige Schein trügt. Tatsächlich tobt seit Jahren ein Streit um das Kloster. Die Kirche und auch der Orden haben schon vor Jahren die Auflösung verfügt, weil die immer kleiner gewordene Klostergemeinschaft keine Zukunft habe. Nun soll auch der zivilrechtliche Klosterverein abgewickelt werden. Doch Subpriorin Schwester Regina und ihre Mitschwester Katharina wollen bleiben. Regina lebt schon seit 1978 im Zweifaller Karmel und betont: „Ich habe mein Versprechen auf diesen Ort abgelegt.“ Deshalb weigert sie sich - genauso wie die aus Polen eigens zur Unterstützung nach Zweifall übergesiedelte Katharina - etwa in ein anderes Kloster umzuziehen.

Die frommsten Hausbesetzer Deutschlands

Das Bild der frommsten deutschen Hausbesetzer weisen sie jedoch vehement zurück und holen eine gerahmte Urkunde hervor. „Das Kloster ist eine Schenkung von Maria Kerschgens, das ist schon 1948 urkundlich bestätigt worden“, erklärt Schwester Regina.

Ende 2004 war die NRZ schon einmal im Zweifaller Karmel. Damals war der Streit zwischen den Nonnen und dem Bistum Aachen derart eskaliert, dass die Damen - damals noch zu dritt - dem Bistums-Vertreter Hausverbot erteilt haben. Seitdem hat sich in dem 50er-Jahre-Bau nicht viel verändert, außer vielleicht, dass er nach dem Tod von Priorin Schwester Helene nun noch ein bisschen leerer geworden ist. Auf zwei Etagen ist das Kloster rings um einen Innenhof angelegt. „Das wurde hier für 24 Schwestern gebaut, die das Haus nur selten verlassen sollten“, erklärt Schwester Katharina die Einrichtung mit zahlreichen Arbeits- und Aufenthaltsräumen.

So viele Schwestern beherbergte der Karmel indes nur in den Anfangsjahren, kurz nach der Gründung 1955. Doch auch wenn die 47-jährige Katharina und die 60-jährige Regina („Ich fühle mich wie 35!“) heute nur noch zu zweit sind – am streng geregelten Klosteralltag mit Morgenandacht ab 5.45 Uhr, Essens- und Arbeitszeiten sowie Bibelstudium wird nicht gerüttelt. Um spätestens 22 Uhr ist Nachtruhe. Sonderlich laut ist es indes auch tagsüber nicht. Denn so gesprächig wie die Schwestern Gästen gegenüber sind – zu zweit „sprechen wir nur das Nötigste“, sagt Katharina. Ganz so, wie es sich in einem Karmel gehört.

Trotz ihrer kleinen Gemeinschaft und des großen Klosters liegen sie niemandem auf der Tasche, betont Schwester Regina. Ihren Unterhalt verdienen sie mit einem kleinen Laden und ihrer Hostienbäckerei. 16 Euro zahlen die rund 200 Kirchengemeinden in der Kartei für 1000 Hostien.

Schwestern kommen nicht an ihr Geld

Doch an dieses Geld kommen sie derzeit nicht heran, sagen die Schwestern. Das Amtsgericht hat für ihren Klosterverein „Karmelitinnen e.V.“ einen Notvorstand eingesetzt – zwei Karmelitinnen aus anderen Klöstern. Und diese hätten ihnen die Kontovollmacht entzogen. Am Hungertuch nagen die beiden dennoch nicht, dank eines großen Freundeskreises in Zweifall und Umgebung. „Die Leute unterstützen uns rührend“, sagt Schwester Katharina.

Dennoch scheint die Lage verfahren. Die jahrelangen Streitereien haben im Karmel Vorbehalte und Misstrauen gegen die Kirche und den eigenen Orden gesät. Zig Briefe hätten sie an den Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff gesandt – alle ohne Antwort, sagt Schwester Regina. Sie fürchtet, dass die Kirche ihr Kloster mit Blick auf die schöne Lage zu Geld machen will.

Neue Hoffnung auf einvernehmliche Lösung

Ganz aktuell gibt es aber vielleicht doch Grund zur Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung. Am Dienstag be­stätigten sowohl die Notvorsitzende Schwester Hildegard Grimme als auch Schwester Katharina der NRZ, dass es kommende Woche Mittwoch nun doch zu einem Gespräch zwischen den beiden Parteien kommen soll - nach mindestens einem missglückten Anlauf. „Ich erwarte davon nicht viel“, sagt Katharina. Aber Schwester Hildegard betont: „Wir denken in alle Richtungen.“ Ihr sei „sehr daran gelegen, dass wir eine Lösung finden, mit der alle Seiten leben können“.

Sollte nach sieben Jahren doch noch Frieden im Zweifaller Karmel einziehen?