Dortmund

„1000-Mann-Mob setzte Dortmunder Kirche in Brand und rief Allahu Ahkbar“ - So böse verdrehte ein US-Portal die Wahrheit

Was die Ruhr Nachrichten berichteten, und was ein rechtspopulistisches Online-Portal daraus machte.
Was die Ruhr Nachrichten berichteten, und was ein rechtspopulistisches Online-Portal daraus machte.
Foto: Screenshot
  • Rechtspopulistisches US-Portal nutzte Ruhr Nachrichten-Artikel zur Dortmunder Silvesternacht für Hass-Propaganda
  • Die Fakten wurden dreist verdreht

Dortmund. Ein 1000-Mann-Mob hat in der Silvesternacht in Dortmund Feuerwerkskörper auf die Polizei geworfen, eine Kirche in Brand gesetzt und dabei lautstark „Allahu Ahkbar“ gerufen.

So steht es zumindest in einem Bericht des US-amerikanischen News-Portal breitbart.com, das als rechtspopulistisch eingestuft wird.

Portal verdreht Fakten aus Ruhr Nachrichten-Artikel

Als Quelle für diese Meldung hatte sich das Portal ausgerechnet an den Berichten der Ruhr Nachrichten bedient. Und dabei die Wahrheit dreist verdreht.

Fakt ist: Der Jahreswechsel war in Dortmund kein Zuckerschlecken. An Neujahr vermeldete die Polizei unter anderem 41 Gewalttaten, 23 verletzte Personen und mehrere Sachbeschädigungen.

Das stand wirklich im Zeitungsartikel

In der Neujahrs-Bilanz der Ruhr Nachrichten hieß es am Sonntag: „Zwischen etwa 18.45 und 23.30 Uhr zogen überwiegend junge ausländische Männer in großen und kleinen Gruppen durch die Innenstadt. Am Platz von Leeds bildeten sie eine große Gruppe, bestehend aus mindestens 1000 Menschen.“

Weiter ist dem Bericht zu entnehmen: „Polizisten und Passanten wurden mit Pyrotechnik beworfen. Ein Unbekannter feuerte gegen 18.35 Uhr eine Rakete ab - er zielte jedoch nicht in die Luft, sondern traf einen Obdachlosen.“

Kleines und schnell gelöschtes Feuer an Kirche

Und was hat es mit der brennenden Kirche auf sich? „Von der Kleppingstraße aus musste die Feuerwehr ein brennendes Bauzaun-Fangnetz an der Reinoldikirche löschen“. Weiter: „Die Feuerwehr sprach von einem kleinen und schnell gelöschten Feuer an einem Fangnetz. Der Einsatz war nach 12 Minuten beendet.“

Soweit die Fakten, die der Zeitung zu entnehmen sind.

Österreichischer Wochenblick übernimmt Falschmeldung

Doch ein „Allahu Ahkbar“-brüllender Mob, der eine Kirche anzündete? Fehlanzeige.

Die böswillige Falschmeldung wurde trotzdem übernommen - und zwar unter anderem von der österreichischen Wochenzeitung „Wochenblick“. Sie titelte: „Silvester in Dortmund: Allahu Akbar und Kirchenbrand“.

Der Facebook-Post wurde bislang mehr als 800 Mal geteilt.

Die Ruhr Nachrichten haben auf die Fake News bereits reagiert. Hier kannst du den Artikel dazu lesen.

(jsc)

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