NRW-Projekte sind lukrativer als Stuttgart 21
10.11.2010 | 18:10 Uhr 2010-11-10T18:10:00+0100
Essen/Berlin.Die Betuwe-Linie und der „Eiserne Rhein“ sind für die Deutsche Bahn wirtschaftlicher als Stuttgart 21. Doch die Deutsche Bahn bleibt hart - die Finanzierung beiden großen NRW-Bahnbauten ist völlig ungesichert.
Die Zweifel an Stuttgart 21 wachsen. Das umstrittene Bahnprojekt wird die politisch und rechtlich notwendige Wirtschaftlichkeitsgrenze nur mit Mühe und Not erreichen. Weit wirtschaftlicher sind dagegen zwei große NRW-Bahnbauten, deren Verwirklichung die Düsseldorfer Landesregierung fordert: Die Güterzuglinien „Betuwe“ und „Eiserner Rhein“ von den Benelux-Häfen Rotterdam und Antwerpen ins Ruhrgebiet. Das geht aus neuen Zahlen des Bundesverkehrsministeriums hervor. Sie liegen der WAZ vor.
Nachteil für Nordrhein-Westfalen: Die Finanzierung der beiden Strecken nach Holland und Belgien durch den Staat ist trotz ihrer Wirtschaftlichkeit und der durch sie erhofften Entlastung der verstopften NRW-Autobahnen völlig ungesichert – eben anders als in Stuttgart.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wird heute die 40 Projekte umfassende Überprüfungsliste „Bedarfsplan für die Schienenwege“ vorstellen. Sie ist seit einem halben Jahr überfällig und facht die Debatte um den Stuttgarter Bahnhof und die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ulm neu an.
Vorwurf: Bei Stuttgart 21 werde bewusst „günstig gerechnet“
Nach den Berliner Rechnungen stehen bei der Schnellstrecke Stuttgart-Ulm Kosten von 2,53 Milliarden Euro einem Nutzen von drei Milliarden gegenüber – ein Wirtschaftlichkeitsfaktor von 1,2, in den aber 700 Millionen Euro durch Einnahmen im Güterverkehr einberechnet sind. Die Güterzugstrecke Antwerpen-Mönchengladbach-Ruhrgebiet erreicht dagegen ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 3,5, die Betuwe-Linie Emmerich-Oberhausen steht mit 1,3 auch noch besser da als Stuttgart 21.
Kritiker wie der Experte Prof. Christian Böttger werfen dem Verkehrsminister vor, Stuttgart 21 bewusst „günstig zu rechnen“, in dem er den nicht realisierbaren Güterverkehr einbeziehe. Böttger äußerte seine Kritik gestern vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages. SPD, Grüne und Linke forderten daraufhin erneut den sofortigen Baustopp. Denn nach der Bundeshaushaltsordnung sei das Projekt rechtlich unzulässig, wenn der Wirtschaftlichkeitsfaktor unter 1 liege.

12:31
#20 Bahnexperte
Zustimmung besonders für den letzten Absatz, aber nur, wenn an der Betuwe Katastrophen-und Lärmschutz installiert wird. Und genau da will sich die Bahn AG durchmogeln indem sie nur Blockverdichtung ohne Lärm-und Katastrophenschutz betreiben will.
10:06
Wer da glaubt, kann Exportiert und Importiert werden, ohne Seehäfen und die zugehörigen Bahnanschlüsse, der ist ein Träumer.
Wer da glaubt, schnelle kurze Güterzüge werden über die Neubaustrecken, wie Stuttgart 21, fahren, der ist ein Träumer. Güterzüge mit über 2100 Tonnen können die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm nicht befahren. Güterzüge fahren meist weiträumig an Stuttgart vorbei, um die Steige zu vermeiden. Eine Ost-West-Achse gibt es praktisch nicht. Die Magistrale Paris – Stuttgart – Bratislava spielt keine Rolle im europäischen Güterverkehr!
Die wichtigste Achse ist die Strecke Niederlande – Rheintal – Schweiz – Italien.
Ein Ausbau der Rheintalbahn, der Betuwe Linie, des Eisernen Rheins ist aus unserer Sicht des Güterverkehrs wesendlich dringender.
21:57
Wer da glaubt der Ausbau des Eisernen Rheins oder der Betuwe Linie würden ohne Widerstand der Besserwisser über die Bühne gehen ist ein Träumer. Das wären Projekte wie Stuttgart 21 mit anderem Namen.
10:21
Ich befürchte, dass NRW, wie so oft, kaum Berücksichtigung findet. Der Süden Deutschlands profitiert aus politischen Gründen doch am meisten. Das gilt nicht nur für den Ausbau der Bahnstrecken, sondern auch für Autbahnen und Bundesstraßen. Wenn man sich nur die Infrastruktur des Ruhrgebiets anschaut, weiß man wovon ich spreche (A40, A42, A52 etc).
10:14
Niemand soll glauben, die Haushaltsmittel für Stuttgart 21 ließen sich mir nichts die nichts auf Projekte in NRW umbuchen Das setzt ein jahrelanges Planfeststellungsverfahren voraus, Ende offen.
10:09
Keine Frage, Güter sollen auf die Bahn und die Strassen entlasten. Nur sollte man nicht die Bürger an den Strecken und Nutzer der Bahn aus den Augen verlieren. Auch sei daran erinnert, wer der Eigentümer der Bahn ist und wer die Bahn mit Steuergeldern finanzierte.
10:00
Keitermann. Der Eisernen Rhein rechnet sich, doch ist anscheinend der Protest der Bauherren, die an der Streck gebaut haben zu groß. Auch hat allen Anschein nach die Bahn kein Interesse an Neubaustrecken für den Güterverkehr. Die Bahn möchte weiterhin mit 60km/h quer und in großen schleifen durchs Nadelöhr Ruhrgebiet bummeln. Die Bahn möchte weiterhin den weiten Weg nach Hamburg fahren, statt den kurzen nach Rotterdam, oder Antwerpen.
Rotterdam und Antwerpen, das sind aber für NRW die wichtigsten Seehäfen. Hamburg ist aber auf Dauer für NRW unwichtig, da zu nördlich Gelegen.
09:24
Hallo ihr Schlaumeier! Sitzt morgens vor der Kaffetasse und wollt mal eben eine Wirtschaftlichleitsprognose in Milliardenhöhe abgeben. Ob Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt oder sonstwo, ohne jemals dort gewesen zu sein. Das gilt auch für die Radakteure der WAZ. Die Strecke Siegburg Frankfurt gilt als Vergleich. Hat viel Geld gekostet. Nutzen? Man muss einmal beide Strecken gefahren sein. Die Alte und die Neue. Einschließlich der Bahnhöfe Ffm Hbf und Ffm Fernbahnhof. Dann ist man schlauer. Über den Eisernen Rhein ist schon viel gerechnet und diskutiert worden. Und wieder verworfen worden. Gerade hier ist das Kosten-Nutzenverhältnis besonders umstritten. Von Gutachter zu Gutachter. Und wer will letztendlich endscheiden? Bisher hat es noch keiner gewagt. Weil man das erst genau weis, wenn das Projekt fertiggestellt und einige Jahre gelaufen ist.
09:22
Wir verabschieden uns - dank FDP und CDU - immer mehr vom Begriff der Daseinsvorsorge und gehen dazu über, nur noch die Lukrativität und die Eigenkapitalrendite zu sehen. Ob das für uns alle der richtige Weg ist, darüber sollte etwas mehr als bisher gesprochen und gestritten werden.
09:21
Zweifelsfrei ist Stuttgart 21 nach 30 Jahren Planung völlig überholt. Triebzüge und Züge mit Steuerwagen können Heutzutage in 3 Minuten wenden. Die Zeitersparung ist folglich gleich 0. Stuttgart 21 dient auch nur dem Fernverkehr. Stuttgart 21 nützt nicht dem Güterverkehr, im Gegensatz zum Gotthard-Tunnel. Der Güterverkehr wird weiterhin das Nadelöhr der Geislinger Steige bewältigen müssen.
Der Ausbau der Betuwe-Linie, des Eisernen Rheins , die Viersener Kurve und der Ausbau des S-Bahn-Netzes Rhein-Ruhr, schon lange gefordert, doch nichts tut sich seit 5 Jahren in NRW.
Dabei ist die Kosten-Nutzen-Rechnung besonders günstig, und NRW und das Ruhrgebiet benötigen die schnelle Verbindungen zu den Seehäfen. Doch nur eines wurde erreicht.
Der RVR hat es geschafft, das die Rheinische Bahn, als Verlängerung des Eisernen Rheins, in einen Radweg umzuwandeln wird. Dabei hätte die Rheinische Bahn gut als S-Bahnstrecke und durchgehende Güterzugstrecke ausgebaut werden können. Doch an einem Ausbau der Bahn hatte der RVR kein Interesse. Viel mehr beschäftigen sich einige Politischen Vertreter des RVR mit dem unsinnigen und überholten Thema „Ruhrstadt“.