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Thyssen-Krupp

Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme

11.12.2012 | 18:18 Uhr
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
Birgit Unger ist geschäftsführende Gesellschafterin der RevierA GmbH: Sie fordert eine Frauenquote für die Unternehmens-Vorstände.Foto: Matthias Graben

Berlin/Essen.   Vorstände und Aufsichtsräte sind immer noch weitgehend fest in Männerhand. Expertinnen kritisieren Führungsstil der Konzernlenker und fordern mehr Frauen in Spitzenpositionen. Männliche Monokulturen seien schädlich für eine moderne Unternehmensführung: "Bei Krupp hat der weibliche Blick gefehlt."

Etwa 300 Frauen sind im Saal. Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist der einzige Mann auf der Fest-Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbundes.

Er beginnt seinen Vortrag vor dem rein weiblichen Publikum mit der Bemerkung, dass er sich zur Vorbereitung auf seine Rede tags zuvor mit Frau und Töchtern beraten habe. „Da verließen die ersten Frauen den Saal“, erinnert sich Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar). Cromme habe seine Ausführungen mit dem Hinweis an die Damen beendet, Aufsichtsratssitzungen seien keine Kaffeekränzchen.

Inbegriff des unantastbaren Managers

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“, Fidar.Foto: privat

Zwar ist dies bereits fünf Jahre her, doch Schulz-Strelow scheint immer noch beeindruckt zu sein: „Das kam ganz authentisch rüber“, erinnert sie sich. Cromme war offenbar ganz mit sich im Reinen. Für sie ist das Verhalten des mächtigen Konzernlenkers symptomatisch. „Er ist der Inbegriff des patriarchalischen, machtbewussten, unantastbaren Managers.“

In diesem Habitus der Führungsspitze sieht Schulz-Strelow eine mögliche Ursache für Fehlentscheidungen: „Eine männliche Monokultur kann dazu beitragen“, sagt sie. „Thyssen-Krupp hat seine Unternehmenskultur nie geändert. Männer, die sich über eine lange Zeit kennen, verlieren den Grund, sich infrage zu stellen.“ Die Sicht von außen, die eingefahrene Entscheidungs- und Führungsmuster hinterfragen könnte, fehle. Die gepflegte und strenge Tradition des Hauses Krupp komme belastend hinzu. Die Beharrungskräfte sind größer als die Einsicht in den notwendigen Wandel.

Risikofreude kann Schaden anrichten

Elke Holst, Forschungsdirektorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, DIW.Foto: DIW

Ähnlich sieht es Elke Holst, Forschungsdirektorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Männliche Monokulturen beziehen die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte nicht ein. Da kann man in Schwierigkeiten kommen.“ Zwar könne man nicht pauschal behaupten, dass Frauen die besseren Entscheidungen treffen würden oder weniger Fehler machten als Männer. Frauen werde jedoch zugeschrieben, dass sie weniger risikobereit sind und nicht so fixiert auf den reinen Konkurrenzkampf: er oder ich.

Holst: „Mit Risikofreude kann man vielleicht kurzfristig mehr Profit machen, doch zugleich kann man auch sehr großen Schaden anrichten.“ Die starren Hierarchien der Konzerne erinnerten sie zuweilen ans Militär. „Da wird ausgeführt, was von oben kommt, ohne es groß zu hinterfragen.“ Ein moderner Führungsstil aber setze auf flache Hierarchien und delegierte Verantwortung.

Der andere Blick fehlt

Birgit Unger, Geschäftsführerin der Agentur „RevierA GmbH“.Foto: Matthias Graben

„Bei Krupp hat ganz klar der andere, der weibliche Blick gefehlt“, sagt Birgit Unger. Sie bringt als Geschäftsführerin der Essener Agentur „Revier A“ Unternehmerinnen zusammen. Unger plädiert für eine Frauenquote, sonst würde es zu lange dauern, bis Frauen oben ankommen. „Das können wir uns volkswirtschaftlich nicht mehr erlauben.“ Doch die alten Netzwerke seien noch intakt: „Die Old Boys wollen unter sich bleiben. Sie suchen sich Partner, die ihnen ähnlich sind, die gleich ticken.“ Ob das für ein Unternehmen immer gut ist, sei die Frage.

Christopher Onkelbach



Kommentare
13.12.2012
05:57
Kritik an Männer-Dominanz bei ThyssenKrupp unter Cromme
von Dieselpumpe | #12

........vielleicht hätte es mit der Tops-Frau Dr. Ute Jaspers besser geklappt...........
........so wie in Duisburg..................

13.12.2012
01:37
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von DerBiker72 | #11

Ich kann dieses Geschwätz auch nicht ab. Es liegt nicht an dem Geschlecht, sondern an mehreren Fähigkeiten, auch charakterlich, solche Positionen zu besetzen.

12.12.2012
22:15
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von kuba4711 | #10

Was hat dieses Männer - Frauen - Geschwätz mit Fehlleistungen in einem Management und dem Bestehen von Seilschaften in Unternehmen mit dem Geschlecht der daran Beteiligten zu tun?
Diese Frauen - Förderungs - Manie ,die sich auf die Aufsichtsräte und Vorstandspositionen in großen Unternehmen und Institutionen konzentriert ,die geht gehörig auf den Geist!

12.12.2012
21:34
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von DaDU | #9

Ach so, es heißt dann man zieht sich auf das Kerngeschäft zurück.

12.12.2012
21:32
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von DaDU | #8

Desto mehr ich drüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass das Ende von ThyssenKrupp ist. Sobald Berthold Beitz abtritt wird die Bude zerschlagen (plattgemacht).
Fünf Milliarden Euro, nach dem Bergbau verabschiedet sich jetzt auch der Stahl aus dem Pott.
Da kann weder Cromme oder eine Frau was retten.

12.12.2012
20:15
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von DerMerkerNRW | #7

Das ist Momentan noch das einzig Gute bei TK, die geringe Frauenquote!
Sonst kommt noch neben Patriachherschaft, Korruption usw. die irrationalen und Zicken Entscheidungen der Damen dazu! dann wäre das Unternehmen kurzfristig dem Untergang geweiht!

12.12.2012
19:09
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von pilsmann | #6

Wow, wieviele 1000-ende von Menschen haben momentan Angst ihre Arbeit zu verlieren? Milliarden-Verluste bei ThyssenKrupp.....und dann kommt man mit so einem Mist aus der Ecke?
Eure Probleme hätte ich gerne, in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs+ Milliarden Verluste über so einen Quatsch zu diskutieren.
..wenn der Vorstand Langeweile hat, sich die Frauen unzufrieden zeigen..geht joggen,dann bekommt den Kopf frei,macht euch Gedanken um Arbeitsplätze zu erhalten und nicht um so einen Mist zu verzapfen.

P.S.: Die Millionen an Abfindungen für eure "sogenannten" Top-Manager, dafür haben wir Schichten gefahren, dafür malocht!!!! Ihr solltet euch echt schämen, Erziehung 6, setzen... das ihr morgens noch in den Spiegel schauen könnt, unglaublich!

12.12.2012
19:04
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von xxyz | #5

Ich habe selten so einen Quatsch gelesen. Die Ergebnisse der Frauen und sonstigen Quoten sehen wir bei der CDU. Alles ist beliebig, es geht nur um die Macht.

Bei ThyssenKrupp ist Technik gefragt. Warum studieren so wenig Frauen technische Fächer? Weil es dort ein Schwarz-Weiß / Geht oder Geht nicht gibt und nicht ein Dauer-Kaffee-Trinken im belanglosen Gespräch?

Es geht hier auch hauptsächlich um Aufsichtsratsposten, wo man nie verantwortlich ist , aber gut kassiert.

Es gibt genügend Frauen, die in vielen Bereichen im Leben und im Job Leistung bringen. Wenn man sich mit diesen Frauen trifft, erfährt man meistens, dass sie sich nicht von solchen Gruppen repräsentiert fühlen, die nur auf Quoten setzen.
Wo bleibt denn die Quote im Bau, bei den Müllwerkern etc. Da würde etwas mehr Weiblichkeit auch helfen.

Es kann genauso gesagt werden, dass Frauen selbst das "GEdöns-Ministgerium" nicht hinbekommen.

Es liegt an den Personen und nicht am Geschlecht

12.12.2012
15:06
Kritik an Männer-Dominanz bei ThyssenKrupp unter Cromme
von FritzRodenski | #4

Auch an die Printredaktion der WAZ: Wann schreiben Sie die Firma einmal so, wie sie sich nennt und so wie sie heißt?

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2 Antworten
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von xxyz | #4-1

Auf den Tag warte ich auch.

Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von KalleWirsch59 | #4-2

Danke, für diesen Kommentar!

12.12.2012
13:43
Kritik an Männer-Dominanz bei Thyssen-Krupp unter Cromme
von Mr.Observer | #3

Nach fast 25 Berufsjahren ist meine Erfahrung, dass Frauen in leitenden Positionen oft verbissener und skrupelloser sind, als Männer. Ich glaube nicht, dass diese Eigenschaften Thyssen-Krupp wirklich weiter geholfen hätten.

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