Feinstaub-Belastung nimmt ab - bessere Luft im Ruhrgebiet

Die Umweltzone wirkt, meint NRW-Minister Joahnnes Remmel. Auch an der viel befahrenen B224 in Gladbeck sank demnach die Belastung.
Die Umweltzone wirkt, meint NRW-Minister Joahnnes Remmel. Auch an der viel befahrenen B224 in Gladbeck sank demnach die Belastung.
Foto: WAZ FotoPool
Die Belastung mit Feinstaub ist an markanten Punkten im Ruhrgebiet deutlich gesunken. Ein Erfolg der Umweltzone? Kritiker sind skeptisch.

Essen/Düsseldorf.. Sie reicht von Dortmund bis Duisburg, umfasst 850 Quadratkilometer und gilt als umstrittenste ihrer Art: Die „Umweltzone Ruhrgebiet“ ist NRW-weit die mit Abstand größte Tabuzone für Autofahrer ohne grüne Plakette.

Jetzt sieht NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) den jahrelangen Kampf gegen alte Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter nachträglich gerechtfertigt: Die markanten Messstellen an den großen Straßen im Rhein-Ruhr-Raum zeigen in den letzten zehn Jahren einen spürbaren Rückgang der Feinstaub-Belastung.

Umweltminister Remmel: "Sind auf dem richtigen Weg"

„Die Schadstoff-Belastung unserer Luft nimmt ab. Das zeigt, dass ambitionierter Umweltschutz wirkt und wir mit unseren Luftreinhaltemaßnahmen auf dem richtigen Weg sind“, sagte Remmel. Tatsächlich ist die Anzahl der Tage, an denen der Höchstwert von durchschnittlich 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten wurde, deutlich gesunken. An stark befahrenen Straßen kam es 2014 landesweit durchschnittlich zu 15 Überschreitungstagen. Erlaubt sind je Messstelle maximal 35 Überschreitungen.

Zufrieden verweisen die NRW-Umweltbehörden vor allem auf die bisherigen Problem-Messpunkte an der Gladbecker Straße in Essen, der Brackeler Straße in Dortmund, der Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen oder der Corneliusstraße in Düsseldorf: Hier ging die Zahl der Überschreitungstage von bis zu 97 vor zehn Jahren auf zuletzt 21 bis 35 zurück.

„Der Einfluss der 850 Quadratkilometer großen Umweltzone im Ruhrgebiet hat sich trotz aller Kritik deutlich gezeigt“, erklärt eine Sprecherin des Landesumweltamtes Lanuv. Nach Einführung der Plakettenpflicht 2010 hatten die Städte die Anforderungen an die „Sauberkeit“ der Autos immer weiter verschärft. Seit 1. Juli 2014 sind die Innenstädte der Rhein-Ruhr-Region für Fahrzeuge ohne grünen Aufkleber an der Windschutzscheibe tabu.

Auslöser für Lungenkrebs

Rund eine Million Fahrzeuge in NRW erfüllten noch im vergangenen Sommer die strengeren Umweltanforderungen nicht. Es handelte sich um zumeist ältere Dieselautos, die verkauft oder für bis zu 1500 Euro mit einem Partikelfilter nachgerüstet werden mussten. Wer im fließenden Verkehr oder auf einem Parkplatz in der Umweltzone ohne grüne Plakette erwischt wird, zahlt seither ein Bußgeld.

Winzige Staubpartikel gelten als Auslöser für Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie dringen über die Atemluft in die Lunge ein. Deshalb verlangt die EU seit 2008 Luftreinhaltepläne, wenn Grenzwerte überschritten werden. Kritiker halten die Plakettenpflicht dennoch für teuren Aktionismus, da der Straßenverkehr die Feinstaub-Belastung nicht signifikant beeinflusse. Auch das Bundesumweltamt verweist auf zahlreiche andere Quellen der Belastung. So hätten Holzöfen, Baumaschinen oder Industrieabgase einen erheblichen Einfluss auf die Luftqualität.

Das Wetter spielt eine Rolle

Die Feinstaub-Belastung ist zudem stark wetterabhängig. Ein Waldbrand in Spanien oder der Ausstoß eines Kohlekraftwerks in Polen können messbaren Einfluss auf die so genannte Hintergrundbelastung der Luft in NRW haben. Mitunter kommt sogar Sahara-Staub im Ruhrgebiet an.

Von einer grundsätzlichen Entwarnung in Sachen Luftqualität mag Remmel schon aus anderem Grund nicht sprechen. Die Belastung mit Stickstoffdioxid sei weiterhin zu hoch. An 58 von 127 Messpunkten in NRW lagen die Werte 2014 zum Teil deutlich über der europäischen Grenze.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE