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Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor

22.05.2012 | 20:09 Uhr
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
Nicht alles, was in Praxen von Frauenärzten als Vorsorge-Plus-Leistung angeboten wird, ist auch sinnvoll, kritisiert die Verbraucherzentrale NRW. Foto: Jakob Studnar

Düsseldorf.  Vieles, was in gynäkologischen Praxen als „Vorsorge plus“ oder „erweiterte Krebsvorsorge“ zum Selbstzahlerpreis angeboten wird, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW überflüssig. Dieses diene allein dem Zweck, „Kasse zu machen“, kritisiert Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale.

Die Versprechen sind vollmundig: Ein Frauenarzt lobt die „wunderbare Möglichkeit, Tumore rechtzeitig zu entdecken“. Ein anderer zitiert internationale Studien, die eine Ultraschall-Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs für „dringend erforderlich hält“. Belege dafür fehlen. Vieles, was in gynäkologischen Praxen als „Vorsorge plus“ oder „erweiterte Krebsvorsorge“ zum Selbstzahlerpreis angeboten wird, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW überflüssig und diene allein dem Zweck, „Kasse zu machen“, so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Die Verbraucherschützer befassten sich vor allem mit dem „Bestseller“ unter den Selbstzahler-Angeboten, mit der Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke. „Obwohl wissenschaftliche Studien gezeigt haben, dass damit genauso viele Frauen an Eierstockkrebs sterben wie ohne diese Selbstzahler-Vorsorgeuntersuchung, versuchen Frauenärzte ihre Patienten vom Gegenteil zu überzeugen“, sagt Klaus Müller von der Verbraucherzentrale, die erstmals Gesundheits-Leistungen auf den Prüfstand gestellt hat. Zunächst wurden nur die Internet-Auftritte untersucht.

157 Frauenarzt-Homepages wurden gecheckt – das sind etwa 25 Prozent der insgesamt 611 Frauenarztpraxen, die bei den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe zugelassen sind. Zehn Prozent der überprüften Anpreisungen im Netz beurteilten die Juristen der Verbraucherzentrale als unseriös und mahnten zehn Mediziner deshalb ab. „Wir befinden uns am Anfang. Wir hätten auch deutlich mehr abmahnen können“, so Müller.

Auch die Ärztekammern wurden benachrichtigt

In fast 40 Prozent der untersuchten Fälle hätten Ärzte mit der aus Sicht der Verbraucherzentrale umstrittenen Ultraschall-Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs geworben. 44 Praxenauftritte empfahlen den Selbstzahler-Ultraschall, weil die Kassenleistung zur Krebsvorsorge nicht ausreiche. 14 Praxen stellten ihn gar als „einzig sinnvolle Leistung“ dar, so Müller. „Nur in 45 Fällen fanden wir zum Ultraschall keine unlauteren Versprechen.“ Es geht um Kosten zwischen 16 und 31 Euro.

Die Schreiben an die zehn Ärzte wurden Montag verschickt. Noch gebe es keine Reaktion der Mediziner. „Wie auch auf anderen Gebieten haben wir auch hier die Befugnis abzumahnen. Sollten die kritischen Werbeangebote nicht von der Webseite entfernt werden, kann ein Bußgeld von fünftausend Euro fällig werden“, so Müller. Auch die Ärztekammern wurden benachrichtigt.

Nach Meinung der Verbraucherschützer könne die Ultraschall-Untersuchung, wenn sie nicht medizinisch nötig sei, sogar verunsichernde Wirkung haben: „Die Nutzen-Schaden-Bilanz wird vom IGel-Monitor vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen eindeutig negativ beurteilt“, betont Müller. Durch viele Fehlalarme würden die Frauen verunsichert. „Besteht Krebsverdacht, ist die Ultraschall-Untersuchung ohnehin Kassenleistung“, heißt es von den Verbraucherschützern.

Erstellt wird der „IGel-Monitor“ vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (www.igel-monitor.de). 1,5 Milliarden Euro im Jahr zahlen Patienten für individuelle Gesundheitsleistungen (IGel).

Persönliche Beratung: in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW unter www.vz-nrw.de/gesundheitsberatung. Telefonisch: 0900-1-897964 (1,86 Euro/Min., Di 10-12 Uhr)

Petra Koruhn


Kommentare
23.05.2012
08:45
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von Coko | #8

den richtigen gyn. zu finden ist schwer, aber ich kann ja mehrere testen. ich finde es unmöglich wenn ich mit beschwerden zum arzt gehe und die erste frage lautet:...machen wir n krebstest mit usw. . anstatt zu fragen, welche beschwerden haben sie denn. ich habe nun einen der alles macht und ich zahle nichts dazu! und er macht nur soviel wie nötig! er ist der meinung, wenn überhaupt kein grund zur erweiterten vorsorge besteht, ist das geld und panikmache! man MUß auch nicht JEDE vorsorge mitnehmen, das bleibt ja auch dem patienten selbst überlassen!ich hab einen guten hausarzt und nach jahren endlich einen guten gyn., gut für mich und meinen geldbeutel! tipp: liebe patienten, laßt euch nicht in die irre führen und HINTERFRAGT WARUM das wichtig sein soll! bleibt gesund!

23.05.2012
08:01
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von gehmirwech | #7

Es gibt immer zwei Seiten bei einer Medaille:

Abzocke würde ich es nennen, wenn der Arzt einem keine andere Wahl lässt. Da es sich bei den iGel-Leistungen aber um WAHLleistungen handelt, kann sich doch jeder Mensch vorher selbst informieren, ob die Leistung in Anspruch genommen wird oder eben nicht. Wofür gibt es Krankenkassen, Ärzte, Internet, Fachlektüre...

Außerdem: Was wäre, wenn Sie diejenige wären, bei der tatsächlich ein Krebsgeschwür am Eierstock durch diese Wahlleistung erkannt worden wäre? Es ist das eine zu sagen, dass überwiegend (das heißt nicht generell!!!) kein Nutzen festgestellt wurde; aber wenn man selbst betroffen ist und andere Erfahrungen damit gemacht hat? Wie sieht dann die Meinung aus?

2 Antworten
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von DocNo | #7-1

In meiner Praxis KÖNNEN die Patientinnen Zusatzleistungen bekommen wenn sie die möchten. Dadurch konnte ich mehrere Brustkrebse, Gebärmutterinnenkrebse und Eierstockkrebs früher erkennen. Die Verbraucherschützer sollten sich mal um die Heilpraktiker kümmern die ohne Ausbildung (!), ohne Haftpflichversicherung zweifelhaftes Schmanentum betreiben und auf Grund eines Nazi-Gesetzes vom Februar 1939 arbeiten.. Wer macht alles mit der "Angst" Geschäfte...jede Versicherung ! Warum können mündige Bürger nicht Leistungen bekommen wenn sie dies wollen.Die Politikerinnen die hier den Mund so weit aufmachen sind meist privat versichert und erwarten ganz selbstverständlich wenn sie bei "ihrem" Frauenarzt sind diese Leistungen auch zu bekommen.

Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von street66 | #7-2

ah.............auch Angstmacher der weißen Liga? Aber den Hypokrateseid gibts ja nicht mehr, oder? Heute ist der Arzt so etwas ähnliches wie ein Versicherungsvertreter!?

23.05.2012
07:03
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von Lirpa | #6

Egal,wo man in der "Gesundheitsindustrie" hinschaut,alles ist nur noch auf Selbstbereicherung ausgerichtet.Bisher ist es der Politik nicht gelungen diese unselige Allianz aus Pharmaindustrie,Apotheken und Ärzten in den Griff zu bekommem.Alle Skandale werden regelmäßig als bedauerliche Einzelfälle bagatellisiert und dann zu den Akten gelegt.Konseqenz:Die "Branche" wird immer einfallsreicher und dreister.

1 Antwort
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von DocNo | #6-1

...reden wir von IGeL Leistungen oder vom Weltenschmerz der Ohnmächtigen?

23.05.2012
00:42
Verbraucherschützer werfen x-ärzten Abzocke vor
von a_ha | #5

Und was ist mit den Zahnärzten? "Paradontoseprophylaxe", die früher Zahnsteinentfernung hieß und von der Kasse bezahlt wurde? Wer kann mir versichern, dass sie nicht doppelt abgerechnet wird?
Die Lösung heißt Rechnungsdoppel an den Patienten, der sie unterschreiben muss. Aber, die Krankenkassen haben kein echtes Interesse. Lieber zocken auch sie die Mitglieder ab.

1 Antwort
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von DocNo | #5-1

...hallo, es gibt Pauschalen, weiterführende
Leistungen werden gering oder meist garnicht honorriert.

22.05.2012
22:37
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von lospolloshermanos | #4

Eigentlch muss man doch nur die Summen betrachten, die das Gesundheitssystem zu verteilen hat. Diese Menge an Geld schreit doch danach umverteilt zu werden. Leider spielt der Patient als Faktum nur als Störfaktor eine Rolle. Und der Staat hat sich von der Kontrolle verabschiedet. Gewinner sind Ärzte, die es machen, wie es immer gemacht wurde, und die Pharmaindustrie.

22.05.2012
22:26
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von PaulPanter | #3

Den Schaden haben übrigens auch diejenigen Ärzte, die nicht abzocken,
betuppen, irrführen. Denen glaubt man zunehmend nichts mehr, obzwar sie
nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

1 Antwort
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von street66 | #3-1

Da haben Sie vollkommen recht und vielleicht regt das endlich mal dazu an, das Schwarze Schaf aus der Mitte anzuprangern, aber "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" und da habe ich dann auch kein Mitleid frei nach dem Motto : "Mitgehangen- mitgefangen". Cèst ca.

22.05.2012
21:45
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von xxyz | #2

WRaren die Medizinmänner wirklich schlechter?
Wir zählen Unsummen für die medizinische Versorgung, und es kommt immer mehr der Eindruck auf, dass vieles wenig mit Medizin, sondern eher mit abzockenzu tun hat.

Medikamente, die keine Wirkung haben, aber auch nicht unabhängig getestet wurden
Abrechnungen ohne Kontrolle
Überweisungen an Ärzte, die Gegenleistungen bieten
Untersuchungen, die nichts bringen
Ärzte, die immer über das Gehalt meckern, aber nie Abrechnungen mit Zuschlägen etc vorlegen.


Es wird zeit, dass das System transparenter und wissenschaftlicher wird.

Wem wurde schon vom Arzt bei Rückenschmerzen geholfen?

22.05.2012
20:46
„Besteht Krebsverdacht, ist die Ultraschall-Untersuchung ohnehin Kassenleistung“,
von fummel | #1

Wenn die Untersuchung erfolgt ist kann ja zusätzlich die Kasse in Anspruch genommen werden.

Ich wünsche mir für die Zukunft nur noch Arztzentren.

1 Antwort
Verbraucherschützer werfen Frauenärzten Abzocke vor
von DocNo | #1-1

...viel Spaß mit den Polikliniken. Bein Gyn dann jedesmal ein anderer Arzt gefällig der nicht weis was der andere angefangen hat??

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