Spürhund "Uno" entlarvt Urlauber, die Tiere schmuggeln

Spürhund Uno schlägt an und findet eine Schlangenhaut bei einer Demonstration des Zolls am Flughafen Düsseldorf. Im Hintergrund steht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.
Spürhund Uno schlägt an und findet eine Schlangenhaut bei einer Demonstration des Zolls am Flughafen Düsseldorf. Im Hintergrund steht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Elefantenfüße und Aschenbecher aus Kaimanen: Produkte aus gefährdeten Tierarten sind beliebte „Andenken“ – vor allem in der Reisezeit.

Düsseldorf.. Der Zöllner Guido Nickel nennt es „freudiges Verweisen“, aber wenn sein Spürhund Uno anschlägt, möchte man kein Koffer sein. Kratz! Beiß! Bell! Also wirft Nickel seinem Hund schnell die Belohnung zu, die ihn vom Gepäck herunter holt: ein bissfestes Röhrchen mit Pangolinschuppen darin. Das ist freilich ein seltsames Leckerli, zumal das asiatische Tannenzapfentier vom Aussterben bedroht ist. Aber darum geht es: Uno schlägt auf bedrohte Arten an, findet Schlangenhäute, Elfenbein und Leopardenfelle. Derzeit alle Nase lang – denn Reisezeit ist Schmuggelzeit.

Um Urlauber davor zu bewahren, unwissentlich zum Aussterben der marokkanischen Landschildkröte beizutragen (ein Tourist brachte neulich eine lebende mit – in einer Kippenschachtel!), hatte der Zoll am Donnerstag am Düsseldorfer Flughafen sein Kuriositätenkabinett aufgebaut: „Eine Ukulele, in Südamerika gefertigt“, sagt Zöllner Rainer Fenske. Ihr Korpus gehörte einem Gürteltier. Und dieses Fahrtenmesser aus Patagonien mit dem verdächtigen Griff? „War mal die Klaue eines Nandus – das ist ein straußenähnlicher Laufvogel.“

Leopardenpflaster für Düsseldorf

Das erschreckende an diesem Info-Tisch ist: Die meisten Artefakte sind recht neu. Dieser Elefantenfuß dort, ausgehöhlt zum Schirmständer, wirkt so geschmacklos wie aus der Zeit gefallen – ist aber ein frischer Fang. (Der Käufer hatte übrigens auch Stoßzähne dabei, die er legal geschossen hatte. Den Fuß aber hatte er zugekauft.) „In jedem Flug aus Vietnam ist eine eingelegte Schlange dabei“, sagt Fenske. Tatsächlich, wo der Mexikaner sich mit einem Wurm begnügt, steckt der Vietnamese eine ganze Cobra in die Schnapsflasche. Und in den asiatischen Kreisen Düsseldorfs scheint es akut einen gewissen Bedarf zu geben an Pflastern mit geriebenen Leopardenknochen. Wo wir gerade bei „Medizin“ sind: Diese Ampullen mit... ja, Bärengalle „sind etwas ganz Widerliches, denn sie werden dem lebenden Kragenbären abgezapft“, erklärt Fenske. „Nashörner werden allerdings nicht nur in geriebener Form eingeführt.“

Verwarnung fürs fünfte Seepferd

Rund 70 000 solcher Tier- und Pflanzenpräparate beschlagnahmt der Zoll jedes Jahr in Deutschland, in neun von zehn Fällen von Touristen. „Vielen Urlaubern ist nicht bewusst, dass ihre Nachfrage das Angebot bestimmt – und welche ökologischen Schäden sie herbeiführen“, sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), ebenfalls in Düsseldorf. Und sie warnt: „Je gefährdeter die Tierart, desto höher die Strafe.“

Elefanten, Nashörner, Tiger, Wale, Pandas – wer Produkte aus solchen Tieren einführt, muss mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen. Am anderen Ende der Skala steht das fünfte Seepferdchen. Ja, der Artenschutz kennt auch Freigrenzen: Vier getrocknete Seepferdchen darf man einführen, wie auch 125 Gramm Störkaviar, drei Regenstöcke (Musikinstrumente aus Kakteen) oder drei Gehäuse von Fechterschnecken. Erst beim fünften Seepferd setzt es eine Verwarnung mit einem Bußgeld von vielleicht 25 Euro. Bei einer Schildkröte wären es schon 500 bis 1000 Euro.

Auch der Hinweis, man habe die Muschel am Strand oder im Bauschutt gefunden, zieht nicht. Und wenn die Krokodiltasche aus kontrollierter Zucht stammt, braucht man dennoch eine Genehmigung. Natürlich sind auch Teile geschützt: jede einzelne Papageienfeder! Egal ob verpackt als Indianerschmuck oder „Dreamcatcher“. Rund 7000 Tierarten und 28 000 Pflanzenarten sind geschützt durch das „Cites“-Ankommen, darunter auch viele Orchideen und sogar das Alpenveilchen.

„Ein besonders schauriges Stück“ hat Rainer Fenske noch. Ein Brillenkaiman, der einen Aschenbecher vor sich herträgt. „Ein Kaiman kann natürlich nicht aufrecht stehen. Um diese Haltung zu erreichen, musste man ihm siebenmal das Rückgrat brechen.“