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Nach Pfingsthitze - heftige Unwetter sorgen für Chaos in NRW

09.06.2014 | 13:11 Uhr
Foto: dpa

Bochum.  Auf die Hitze folgt mancherorts der große Knall: Am Montagabend tobten extreme Unwetter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen über NRW. Im Ruhrgebiet herrschte am Abend blankes Chaos, tausende Bäume sind umgestürzt. Der komplette Bahnverkehr kam zum Erliegen. Mobilnetze fielen aus.

Deutschland hat das heißeste Pfingsten seit Jahrzehnten erlebt - und ein Unwetter, wie es NRW in dieser Form wohl noch selten erlebt hat. Essen, Duisburg (dort vor allem im Südteil der Stadt) Dortmund, Bochum, Mülheim, Gelsenkirchen, Düsseldorf wurden von extrem schweren Gewittern mit heftigem Starkregen heimgesucht. Böen in Orkanstärke knickten reihenweise Bäume um, hunderte Häuser und Autos wurden beschädigt.

Nach Angaben der Polizei war es der stärkste Sturm in NRW seit Kyrill im Jahre 2007.

In Essen fiel in einigen Stadtteilen der Strom aus, ebenso in Bochum. Vielerorts waren die Straßen derart überflutet, dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war. In Gelsenkirchen krachte ein Baum in ein Wohnhaus. In Duisburg schlug ein Baum in ein voll besetztes Auto.

Etliche Augenzeugen berichteten, dass das Unwetter gegen 21 Uhr wie aus dem Nichts in bisher nie gekannter Stärke über die Städte des Ruhrgebiets hereingebrochen ist. Die Schadensmeldungen bei Polizei und Feuerwehr prasselten im Sekundentakt ein.

Tausende Bäume umgeknickt

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Mehrere Verletzte nach Evakuierung des Pfingst-Openairs

Ein Sturm- und Regen-Inferno hat sich am Montagabend über Essen entladen. Nach der Evakuierung des Geländes beim Pfingst-Openair wurden mehrere...

Ein genaues Bild können sich die Helfer derzeit noch nicht machen. Alle Kräfte sind im Einsatz. Vor allem die umgestürzten Bäume - es müssen tausende in der Region sein - blockieren etliche Straßen. So war die A40 bei Essen-Holsterhausen in Richtung Duisburg gesperrt. Viele Verkehrsverbindungen stehen zudem unter Wasser - beispielsweise in Gelsenkirchen-Schalke.  Die Polizei rechnet mit etlichen Verletzten.  In Duisburg bittet die Feuerwehr die Anwohner dringend darum, in ihren Häusern zu bleiben, da immer noch Gefahr von herabstürzenden Ästen ausgeht.

Der gesamte Bahn-Verkehr in NRW kam ab 21.30 Uhr komplett zum Erliegen, da auch etliche Gleise von umgestürzten Bäumen blockiert wurden.  In Mülheim-Holthausen krachte die Oberleitung der Straßenbahn auf die Straße. In Gelsenkirchen in der Ringstraße sind die Stromleitungen der Straßenbeleuchtung beschädigt und sorgen für Gefahr.

In mehreren Städten war zeitweise das Handynetz zusammengebrochen. Auch Feuerwehr und andere Rettungskräfte waren zeitweise wegen der überlasteten Leitungen und wegen der vielen Noteinsätze nicht erreichbar.

Der Düsseldorfer Flughafen hat zeitweise sämtliche Flüge storniert. Um 22 Uhr wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen.

Panik auf dem Festival

In Essen-Werden  musste das Gelände des Pfingst-Open-Air-Konzertes blitzartig evakuiert werden. Dort feierten tausende Menschen ein bis dahin fröhliches Fest. Es gab Panik-Reaktionen und 20 Verletzte.

Die Schäden allein in Essen dürften insgesamt in die Millionen gehen, das volle Ausmaß wird erst am Dienstag sichtbar werden. Die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz, konnte aber nur punktuell helfen. „Wenn Sie uns helfen wollen, ziehen Sie leichteres Geäst von der Straße“, bat die Feuerwehr auf Facebook. „Aber achten Sie auf Ihre Sicherheit!“

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurde Essen besonders hart von Sturm und Regen getroffen, in Bredeney gab es Wind-Spitzengeschwindigkeiten von 120 km/h, in Stoppenberg kamen binnen einer Stunde 21 Liter Wasser pro Quadratmeter herunter.

Die Folgen des Unwetters

Polizei sperrte "Birlikte"-Gelände in Köln

Die Gewitterfronten waren von der Eifel aus nach NRW hinein gezogen. Am Abend traf es dann das Ruhrgebiet. Sturzbäche ergossen sich in die Straßen, etliche Häuser wurden unter Wasser gesetzt. Blitze schlugen in Dächer ein.

In Köln musste zuvor die Kundgebung zum Gedenken an den Nagelbombenanschlag vor zehn Jahren wegen einer Unwetterwarnung vorzeitig beendet werden. Es seien Hagel und Sturmböen zu erwarten, wurde den 50 000 Besuchern am Montagabend mitgeteilt. Deshalb müsse die Veranstaltung leider abgebrochen werden - zwei Stunden früher als geplant. Udo Lindenberg und Peter Maffay konnten nicht mehr auftreten. Lindenberg winkte den heimwärts eilenden Besuchern noch von einem Fenster aus zu.

Als Zeichen gegen Rechts hatte Köln am Pfingstwochenende das Fest "Birlikte - Zusammenstehen" organisiert. Es erinnerte an den mutmaßlich vom "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) verübten Anschlag vom 9. Juni 2004. Dabei waren in der hauptsächlich von Migranten bewohnten Keupstraße 22 Menschen verletzt worden.

Warsteiner Pfingstschützen mussten in Deckung gehen, Schlammlawine in Messinghausen

In Warstein konnte das Vogelschießen beim traditionellen Pfingstschützenfest noch trocken über die Bühne gebracht werden. Der Jungschützen-Vogel fiel mit dem 203. Schuss. Minuten später zogen dunkle Wolken über dem Schützenplatz auf. Ein Gewitter mit Blitz, Donner, Regen und faustdicken Hagelkörnern entlud sich über der Bierstadt. Der geplante Schützenfestzug am späten Nachmittag wurde vorsichtshalber abgesagt. Allerdings schien da bereits wieder die Sonne über Warstein.

Komplett verweht und zerstört wurde bei einem kurzen, aber heftigen Unwetter im Sauerland die Hütten-Ausstellung am Baumarkt im Gewerbegebiet Meschede-Enste. An der früheren Rennstrecke in Nuttlar stürzten sieben Bäume um. Schlimmer traf es den Osten um Brilon: Dort stürzten 14 Bäume um, vier Straßen standen teilweise bis zu 40 Zentimeter unter Wasser. In Messinghausen rutschten 60 Tonnen Schlamm in einer Lawine auf eine Straße, in ein Haus in Obermarsberg schlug der Blitz ein.

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Kommentare
10.06.2014
23:08
Nach Pfingsthitze - heftige Unwetter sorgen für Chaos in NRW
von Xenesis | #50

Offenbar wurden die Gewitter von den Fachleuten im Vorfeld nicht derart umfangreich eingeschätzt, was in der Meteorologie immer möglich ist. Deshalb...
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2014-06-09 13:11
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