Hitze lähmt Verkehr - sogar Gleisbett in Essen geschmolzen

In Essen ist sogar Bitumen im Gleisbett der Straßenbahn geschmolzen. Fotos: ANC-NEWS
In Essen ist sogar Bitumen im Gleisbett der Straßenbahn geschmolzen. Fotos: ANC-NEWS
Was wir bereits wissen
Straßen und Schienen halten den heißen Temperaturen vielerorts nicht stand, selbst der Schiffsverkehr ist betroffen. Die Folgen im Überblick.

Essen.. Die Hitze lähmt den Verkehr in NRW. In Essen kommt es am Freitag zu Problemen bei U-Bahnlininen. Grund: Die extreme Hitze hat am Donnerstag sogar das Gleisbett der Straßenbahn geschmolzen. "Auf der U11 in Altenessen kann die Bahn nicht mehr ab Schichtstraße in Richtung Gelsenkirchen fahren, weil sich der Asphalt zwischen den Gleisen verflüssigt. Busse sind im Einsatz", teilte die EVAG am Donnerstagabend mit.

Jens Kloth von der Evag dazu: „Wegen der Hitze sind die Bitumenstreifen (nicht der Asphalt), die die Gleise flexibel halten, geschmolzen. Wir vermuten, dass Autos, die die Gleise querten, das Material dann hochdrückten.“ Die Folge: Bitumenstücke klebten an den Rädern und dem Unterbau der U-Bahnen, die die kaugummiartigen Klumpen so über die weitere Strecke verteilten.

Verspätungen auf allen Linien

Daher ist nicht nur die U11 betroffen. Auch die U17 und U18 wurden in Mitleidenschaft gezogen, elf Bahnen wurden laut Evag verdreckt. „Aus diesem Grund kommt es auf allen Tram- und U-Bahn-Linien zu Verspätungen“, erklärt Jens Kloth. Mitarbeiter seien seit Donnerstagabend mit der Reinigung beschäftigt.

Am Freitag sei ein Schleifwagen, der die verschmutzten Gleise abschleift, auf den betroffenen Abschnitten im Einsatz. „Die Strecke zwischen II. Schichtstraße und der Endstation Gelsenkirchen – Buerer Straße ist deswegen heute in beiden Richtungen gesperrt“, so Jens Kloth.

Am Nachmittag teilt die Evag mit, dass die Reinigungs- und Reparaturarbeiten noch das ganze Wochenende andauern würden. Erst wenn alle Bitumenreste entfernt seien, könne der Schienenverkehr der U11 wieder aufgenommen werden.

Klaffende Löcher in Düsseldorfer Straßen

In der Landeshauptstadt Düsseldorf hat die Hitze mehrere Straßen aufweichen lassen. Ein Stadtsprecher erklärt: "Die Straßen sind unlängst repariert worden. Der dabei verwendete Kleber verträgt die extreme Hitze wohl nicht." Das Ergebnis sind klaffende Löcher in der Fahrbahn. Jetzt muss die gesamte Oberfläche ausgebessert werden. Betroffen sind unter anderem die Grunerstraße im Stadtteil Derendorf und die Rather Straße.

In Pempelfort ist ein Teil der Ehrenstraße abgesackt. Auch die Einkaufsmeile "Kö" ist betroffen: Auf Höhe der Girardetbrücke entstand ein Loch, das erst einmal notdürftig geflickt wurde.

Und auch das Ruhrgebiet ist betroffen: In Castrop-Rauxel und Lünen hielten viele Straßen der Hitze nicht Stand. Der Teerbelag löst sich auf, die Straßen müssen deshalb gesperrt werden.

Hitze macht Straßenbelag gefährlich - Autobahnen werden überwacht

Die Hitze kann zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden und verursacht Schäden auf Autobahnen. "Der Asphalt reagiert auf die Hitze und je heißer es wird, desto weicher werden die Fahrbahnen", sagte etwa ein Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart am Freitag. Durch den Druck von Lastwagen könnten Spurrillen entstehen, die vor allem für Motorradfahrer gefährlich seien. Entdecke die Straßenmeisterei Unebenheiten, würden Tempobegrenzungen eingeführt, die Abschnitte gesperrt und notsaniert. Wegen der Hitze lässt auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verstärkt Autobahnen überwachen.

Hitze In Baden-Württemberg zum Beispiel erwischte es laut dortigem Innenministerium die A5 bei Heidelberg. Dort platzte am Donnerstagabend die Fahrbahn auf. Rund 50 Meter vor einer Baustelle hob sich der Beton auf einem Fahrstreifen an und brach auf. Autos wurden nicht beschädigt.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium ordnete in der Folge ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf allen Autobahnen mit Betonbelag an. Dies teilte ein Sprecher am Freitag in Stuttgart mit. Hintergrund sei die Gefahr von Straßenschäden. Von den 1054 Kilometern Autobahn in dem Bundesland bestehen 40 Prozent aus einer Betondecke.

Für Berlin und Brandenburg warnte etwa auch der ADAC: Auf Autobahnen, aber auch Landstraßen könnten Dellen entstehen. "Wer als Auto- oder Motorradfahrer eine solche Anhebung der Fahrbahn zu spät bemerkt und mit hoher Geschwindigkeit darüber hinwegfährt, kann durch den Sprungschanzen-Effekt schlimmstenfalls die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren." Verkehrsteilnehmer sollten besonders vorsichtig und mit größerem Sicherheitsabstand fahren.

Hitze Asphaltschäden auf der Autobahn 7 haben am Freitag in Hamburg zu Verkehrsbehinderungen geführt. Die Hitze habe im Belag auf der Langenfelder Brücke Risse verursacht, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbehörde. Zur Reparatur sei eine Spur, die derzeit wegen Bauarbeiten über den Standstreifen verlaufe, gesperrt worden. "Da die Autofahrer leider so unvernünftig waren und um die Hütchen herumfuhren und dadurch die Bauarbeiter gefährdeten, sahen wir uns gezwungen, eine weitere Spur zu sperren", sagte die Sprecherin. Die Autos stauten sich am Morgen 19 Kilometer bis zur Anschlussstelle Hamburg-Marmstorf zurück. Nach Freigabe der zweiten Spur entspannte sich die Lage am Vormittag.

Verspätungen im Bahnverkehr am Freitag

Die Hitze beeinträchtigt auch den Bahn-Verkehr in der Region. Bei der Bahn kam es am Morgen zu Verspätungen auf der Hauptstrecke zwischen Duisburg und Dortmund. Grund war ein technisches Problem im Stellwerk in Duisburg, wegen der unter anderem eine falsche Signalstörung bei Wattenscheid gemeldet werde.

Auch am frühen Freitagabend wurden die Nerven der Pendler arg strapaziert. Viele Bahnen in der Region hatten Verspätung. Wenn sie dann kamen, waren sie völlig überfüllt und fast unerträglich heiß. Auf der Strecke zwischen Duisburg und Dortmund trafen Berufsverkehr, Urlauber und Besucher von Bochum Total aufeinander. Die Bahnen waren zum Teil so voll, dass Fahrgäste nicht mitgenommen werden konnten.

Nach einem schweren Gewitter war am Freitag auch der Schienenverkehr in der Nähe von Kassel gestört. Ein Blitz hatte in ein Stellwerk eingeschlagen. Für Reisende in dieser hessischen Region wurde ein Ersatzpendelverkehr mit Bussen eingerichtet. Die Störung dauerte am Freitagabend noch an.

Die Klimaanlagen mehrerer Züge hatten bereits am Donnerstag schlapp gemacht. Wegen ausgefallener Kühlung seien am Donnerstagnachmittag fünf Regional- und Fernzüge gestoppt worden, teilte ein NRW-Sprecher der Deutschen Bahn mit. Drei Intercitys auf dem Weg nach Hamburg wurden in Köln und Dortmund aus dem Verkehr gezogen. Die gestrandeten Fahrgäste konnten einen Ersatzzug nehmen.

Im Berufsverkehr war in zwei Zügen der von vielen Pendlern benutzten Regionalbahn RE 1 Schluss: Fahrgäste mussten in Duisburg und Düsseldorf aussteigen. Im Nahverkehr wurden wegen brütender Hitze einzelne Wagen gesperrt. Hitzebedingte Störungen gab es auch an Weichen.

Nahverkehr Die Bahn hat seit Jahren immer wieder mit den Klimaanlagen in ihren Zügen zu kämpfen. Während einer Hitzewelle im Juli 2010 sind diese binnen weniger Tage in gut 50 Fernzügen ausgefallen - teils komplett, teils in einzelnen Wagen. In einem ICE kollabierten damals mehrere Schüler. Rund 27.000 Bahnkunden erhielten Entschädigungen im Wert von insgesamt knapp vier Millionen Euro.

Im Deutzer Hafen in Köln versagte sogar die stählerne Drehbrücke ihren Dienst. Mit Löschwasser aus dem Rhein gelang es der Feuerwehr am Donnerstagnachmittag, die überhitzten Lager soweit abzukühlen, dass die Brücke vorerst quergestellt werden konnte. Damit war zumindest der Wasserweg wieder frei, teilte die Stadt Köln mit.

Weiße Flotte sagt Tour auf Baldeneysee ab

Die Hitze macht auch der Piratenfahrt der Weißen Flotte auf dem Essener Baldeneysee einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich sollten die Kinder zwischen vier und zwölf Jahren in ihren Piratenkostümen am Freitag jeweils um 14, 15.30 und 17 Uhr in See stechen. Doch Flotten-Chef Franz-Josef Ewers hat angesichts der Temperaturen die Fahrten abgesagt.

Bahn In der „Piratenhöhle“ unter Deck des Schiffes herrschen Temperaturen von rund 45 Grad. „Die Absage ist eine harte Entscheidung, aber zum Schutz der Kleinen geht es nicht anders“, sagt Ewers. Die Karten für die Fahrten behalten ihre Gültigkeit. Die Piratenfahrten finden in den ersten drei Ferienwochen jeweils werktags statt. (mit dpa)