Das aktuelle Wetter NRW 6°C
Bekleidung

Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien

30.08.2012 | 08:09 Uhr
Funktionen
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
Der indische Einzelhändler Rajesh Shah ist sich keiner Schuld bewusst.Foto: Ajit Solanki/dapd

Ahmadabad.   In Indien ist ein Einzelhändler in die Schlagzeilen geraten. Rajesh Shah hat in der Metropole Ahmadabad ein Bekleidungsgeschäft eröffnet. Der Name des Ladens: „Hitler“ - stilecht mit einem Hakenkreuz im I-Punkt. Die jüdische Gemeinde ist empört.

In ein paar Tagen kommt der israelische Konsul in die indische Provinz Gujarat, um Wirtschaftsverträge zu unterzeichnen. Es geht um Aufträge für indische Unternehmen und viel Geld. Nicht gerade förderlich für die Geschäftsbeziehungen zwischen der westindischen Provinz und Israel dürfte der Klamotten-Laden sein, der vor kurzem in der größten Stadt der Provinz, Ahmadabad, eröffnet hat. Er trägt den Namen des Mannes, der für den Tod von Millionen Juden verantwortlich gewesen ist: „Hitler“.

Rajesh Shah weiß nicht, warum der Name seines Geschäfts plötzlich falsch sein soll. „Als wir vor über einem Monat ein Banner „Hitler opening shortly“ aufgehängt haben, hat sich niemand beschwert“, sagte der Betreiber des Bekleidungsgeschäfts der Zeitung The Times of India. Er und sein Kompagnon hätten nichts Böses im Schilde geführt bei der Namensgebung.

Rajesh Shah will Adolf Hitler nur als einen peinlich genauen Mann kennen, deshalb habe er sein Geschäft nach ihm benannt. Foto: AFP

Der Laden sei nach einem Geschäftspartner seines Großvaters benannt worden, einem peinlich genauen Mann, der deshalb „Hitler“ genannt worden sei. „Alles, was ich über Adolf Hitler wusste, ist, dass er ebenfalls sehr streng gewesen sein soll, ehrlich“, beteuerte Shah gegenüber der Zeitung. Von den schrecklichen Taten des deutschen Diktators vor und während des Zweiten Weltkriegs und dem Holocaust will er nichts gewusst haben.

Der Führer bringt gute Geschäfte

Nach den Protesten der kleinen jüdischen Gemeinde der Stadt, hat sich der Inhaber jedoch bereit erklärt, den Namen seines Geschäfts ändern zu lassen. Allerdings nur, wenn man ihm die bisherigen Kosten (umgerechnet rund 570 Euro) ersetze, die ihm für Werbung und Visitenkarten bereits entstanden seien.

 Die jüdische Minderheit in der Stadt glaubt aber nicht daran, dass Rajesh Shah und seine Partner die Bedeutung des Namens nicht gewusst hätten. Die Daily Mail schreibt, dass die Juden in der Stadt dahinter eine PR-Aktion vermuten. Als Mitglieder der Gemeinde ihm ihre Sorgen mitteilten und vorschlugen, einen anderen Namen zu verwenden, habe es seitens der Betreiber nur geheißen, dass „Hitler“ gute Geschäfte bringe.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass mit der deutschen Nazi-Vergangenheit in Asien - ob kalkuliert oder aus Versehen - Aufmerksamkeit erregt wird. In Thailand sind im vergangenen Jahr Schülerinnen einer katholischen Schule mit Nazi-Uniformen und Hakenkreuzbinden bei einer Kostümparade mitmarschiert. Es sei ihnen nicht bewusst gewesen, dass ihre Kostüme eine negative Bedeutung hätten, hieß es zur Entschuldigung.

Nazi-Bettwäsche in Indien

Spiegel Online berichtete über einen Geschäftsmann, der in Indien ein Restaurant mit dem Namen „Hitlers Cross“ eröffnet hat - inklusive Führer-Portrait am Eingang. Ein anderer Hindu brachte eine „Nazi Collection“ heraus: Bettwäsche mit Hakenkreuzen, die mit dem hinduistischen Glückssymbol der Swastika, auf Grund der Namensgebung der Kuschel-Linie wohl nichts zu tun haben dürften. Das Buch „Mein Kampf“ liegt in indischen Büchereien gleich neben den Werken Mahatma Gandhis.

Eine Erklärung für den „Hitler-Kult“ in Fernost: In Thailand, wie auch in andern Ländern Südostasiens, spiele europäische Geschichte im Schulunterricht kaum eine Rolle. In manchen Schulbüchern Indiens, werde Hitler sogar als großer Staatenlenker gefeiert, der sich mit den Großmächten Großbritannien und USA angelegt hat. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass das heutige Deutschland mit dem Dritten Reich nichts mehr zu tun habe, berichten Korrespondenten aus Asien.

Gregor Boldt

Kommentare
31.08.2012
16:05
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von bloss-keine-Katsche | #9

Das setzt einer auf den Export!
Freut sich bestimmt über die Werbug durch den Artikel.

30.08.2012
16:33
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von EdMcSquare | #8

Um diesen Bericht richtig interpretieren zu können, muss man ein wenig die indische Mentalität und Kultur kennen. Ich habe beruflich viel mit Indern zu tun und dieser Bericht überrascht mich keineswegs.
Die Inder sehen in Hitler eine Art "***********", der in seinem Land Autobahnen gebaut und gegen die Engländer gekämpft hat. Zudem hat er ein Symbol, dass dem indischen Friedenssymbol sehr nahe kommt als "Wappen" genommen. Das ist das Wissen, auf das sich 99,9 % der Inder beschränkt. Den Rest der Geschichte oder die Greueltaten kennen die Inder nicht.
Die Inder sind dann immer ganz überrascht, wenn ich Ihnen erzähle, dass man hier in Deutschland lieber nicht über Hitler sprechen sollte. Für sie ist er eine Art "Vaterfigur" und da die indische Mentalität sehr auf Vaterfiguren anspringt, glauben sie halt, dass Hitler ein guter Mensch war. Von daher kann ich die Überraschung des Ladenbesitzers durchaus verstehen.
Ach ja: Die bekannteste deutsche Person in Indien ist übrigens: Steffi Graf

1 Antwort
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von nivea1 | #8-1

Hallo,
ich bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen und habe Ihren Kommentar dazu mit Aufmerksamkeit gelesen. Da ich in Indien war und dort Freundschaft zu Indern geschlossen habe, kann ich Ihre Aussage nur bestätigen. Gerne würde ich mich mehr über die Kultur und Geschäftsbeziehungen erfahren. Ich würde mich freuen wenn Sie mit mir über meine E-Mailadresse christiane-knauf@web.de Kontakt aufnehmen würden. Liebe Grüße

30.08.2012
14:40
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2012
12:52
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von bonafide | #6

ichfrage mich gerade was all mit den Leuten die den Namen Hitler seit Generationen im Schilde führen, geschieht wenn diese ein Geschäft eröffnen.
Aufschrei?
Wobei..gibt es noch rechtmäßige Hitlers? Oder wurden die alle 1945 kurzerhand geköpft?

Naja, kurz und gut..viel Aufregung um nichts

30.08.2012
11:42
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2012
10:15
Da klingelt die Kasse...
von Ismet | #4

Das hier bewusst mit dem Namen "Hitler" ein Geschäft gemacht wird, dürfte wohl jede Klar sein. Aber was dem guten Mann der diese Idee hat und dieses auch umgesetzt hat, bei "Hitler" höchstselbst keine Lebensgrundlage gehabt hätte weil dieser eben kein "Arier" ist, scheint Ihm nicht bewusst zusein.
Dennoch kann ich sein Tun verstehen, es geht ums Geldverdienen. Denn Geld hat kein Gewissen. Daher auch der Spruch von einem "berühmten" Aktionär dessen Namen ich nicht nennen werde:
Kaufe wenn das Blut Kniehoch steht...

1 Antwort
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von schweinchen_schlau | #4-1

Zur Bedeutung des Begriffes "Arier" sei Ihnen dieser Link empfohlen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Arier

Und dies nur ganz nebenbei bemerkt. Hitler und seine NSDAP unterhielten während des 2. Weltkrieges beste Kontakte zur indischen Befreiungsbewegung, nicht nur um dadurch den Briten zu Schaden, sondern auch aus Sympathie zum "arischen Brudervolk".

30.08.2012
09:31
da kann man mal sehen ...
von Partik | #3

... wie entnazifiziert Deutschland mittlerweile ist.

Würde ein solcher Laden in Deutschland eröffnet, würde der umgehend brennen wie eine Synagoge in der Kristallnacht.

Fährt man ins Ausland, kann man sehr oft sehen, wie unproblematisch und teilweise dreist (wie in diesem Fall) die Bevölkerungen mit dem Thema umgehen.

Da kommt man sich kurioserweise im Ex-Täterland BRD vor wie in einer entnazifizierten Enklave. Ich stelle mir gerade vor, wie bei uns in der Fußgängerzone ein neuer Klamottenladen mit solch einem Namen aufmacht. Ganz deutschland würde in Schnappatmung geraten ...

1 Antwort
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von NaNaNaBatman | #3-1

Es ist auch nicht korrekt seinen Laden so zu benennen. Der Name Hitler ist zurecht mit Schrecken verbunden und sollte nicht für billige Marketinggags trivialisiert werden. Zugegebenermaßen würde man manchen Teilen der Bevölkerung mehr Besonnenheit wünschen, denn da ist die Empörung immer groß, wobei scheinbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn über Empörung darf man nicht empört sein. Oder über nicht von Deutschen begangenen Antisemitismus, if you know what I mean.

30.08.2012
08:53
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von schweinchen_schlau | #2

@NaNaBatmann

Um nicht noch einen Schritt weiter zugehen, Hitler war es der die Swastika als sein Symbol mißbrauchte und damit außerhalb des hinduistischen Kulturraumes ächtete.

Die Kombination mit seinem Nachnamen und der Swastika hat jedoch eine ganz eigene Qualität. Dahinter keine Absicht der Ladenbetreiber zuvermuten, ist schon reichlich naiv.

Hier wird bewußt mit schockierenden und unrühmlichen Elementen versucht Kasse zu machen. Sie haben es ja schon mal bis zur Weltpresse geschafft, mit nur 570 €.

30.08.2012
08:37
Hitler-Geschäft sorgt für Ärger in Indien
von NaNaNaBatman | #1

Vielleicht fühlen sich die Inder auch insgeheim gehört durch den Arier-Kult Hitlers geehrt.

Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Arier

Aus dem Ressort
Mutter in Australien wegen achtfachen Mordes angeklagt
Kindermorde
Nach der Familientragödie in Australien, bei der acht Kinder getötet wurden, ist die Mutter als Mörderin angeklagt. Hintergründe sind weiter unklar.
Inhaftierter Hoeneß gibt Bayerischen Verdienstorden zurück
Hoeneß
Uli Hoeneß könnte eigentlich zufrieden sein - Weihnachten zu Hause am Tegernsee und im Januar als Freigänger zum FC Bayern. Dennoch ist er sauer.
EU-Prüfer schmuggeln Waffen durch Kontrollen am Flughafen
Flughafen-Kontrollen
Verdeckt arbeitende Prüfer haben Waffen und andere gefährliche Gegenstände durch die Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen transportiert.
Muslimin angefahren - Polizei vermutet fremdenfeindliche Tat
Staatsschutz
Mehrere offenbar fremdenfeindliche Männer haben eine 29-jährige Muslimin in Braunschweig angefahren und beschimpft. Nun ermittelt der Staatsschutz.
Maskierte überfallen KaDeWe in Berlin - Beute bei Juwelier
Überfall
Schock beim Weihnachtsgeschäft: Mehrere Maskierte haben vor den Augen vieler Kunden einen Schmuckhändler im Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe überfallen.