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Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport

13.06.2013 | 17:18 Uhr
Golfen nur für Reiche? Nein, diese Zeit ist vorbei. Johannes Podszun (Foto) von der Vereinigung clubfreier Golfspieler erklärt, wie sein Sport kostengünstig wird.Foto: Kai Kitschenberg/WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Dem Golfen haftet ein elitäres, versnobtes Image an. Doch die Zeiten, in denen es ausschließlich ein Sport für Millionäre war, sind vorbei. Inzwischen kann man sich teuere Clubbeiträge schenken und für 195 Euro im Jahr auf den meisten Plätzen spielen. Dazu kommt allerdings noch die Platzgebühr.

Das ist Golf: Ein älterer Herr, Typ Privatier, hievt sich aus seinem Sportwagen. Augenblicke später posiert er am Abschlag. Bis zu Loch 18 diskutiert er nun den Börsenindex und schimpft mit Gleichgesinnten über die gastronomischen Veränderungen in Kampen auf Sylt. Nebenbei schwingt er lässig ein Siebener-Eisen, bevor er im Clubhaus stöhnt: „Dieser Sport macht mich fertig“ – und einen 40 Jahre alten Whisky bestellt. Ist das wirklich Golf? Nicht unbedingt! Es geht auch weniger elitär.

Die laufenden Kosten

Der Jahresbeitrag in einem deutschen Golfclub liegt bei durchschnittlich 1400 Euro, in Traditionsvereinen kann er aber auch 15 000 Euro erreichen. Da ist es sicher günstiger, eine Runde um den Block zu spazieren oder auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Aber es geht auch erschwinglicher: Wer sich nicht bindet, sondern sich der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) anschließt, kann für 195 Euro im Jahr weltweit Golfplätze nutzen – vorausgesetzt, er hat die Prüfung zur Platzreife bestanden. Er zahlt dann jeweils das Greenfee, also eine Spielgebühr, die auf einem deutschen Platz bei 25 bis 120 Euro liegt. „Das Modell hat sich etabliert“, sagt VcG-Geschäftsführer Marco Paeke.
Erstes Klischee: Golf macht arm – ausgeräumt!

Die Nebenkosten

Was ist mit der Kleidung? Was mit den Schlägern? Und mit der Platzreife, also dem Führerschein für Golfer? Ojemine. Das klingt teuer. Doch es geht auch in der Sparversion. Golfexperte Johannes Podszun rechnet vor: Einmalig fallen Gebühren für die Platzreife (ab 75 Euro) und für einen Vorbereitungskurs (etwa 150 Euro) an. Einen Einsteigersatz mit Tasche und Schlägerset gibt es vielerorts ab 200 Euro (im Lidl-Onlineshop für 160 Euro). Auch Handschuhe (ab 19 Euro) und Golfschuhe (ab 90 Euro) müssen sein. Das macht rund 550 Euro.

Golfprojekt der Fröbelschüler

Die übrige Kleidung muss nicht zwangsläufig teure Golfmode sein, es genügt Freizeitkleidung, die einige Regeln erfüllen sollte, auch wenn die Szene lässiger geworden ist. Laut Dietrich von Garn vom Deutschen Golf Verband sind das: Ein Shirt mit Kragen für Männer, Frauen dürfen auch mit kragenlosen Shirts auf den Platz. Bluejeans sind auf manchen Plätzen weiter ein No-Go, mit Jeans in Beige oder Schwarz fällt aber niemand unangenehm auf. Trainingsanzüge und Turnschuhe müssen weiter draußen bleiben.
Zweites Klischee: Die Ausrüstung frisst ein Jahresgehalt – ausgeräumt!

Clubfreies Spielen

Als sich Golfer ohne Club vor 20 Jahren zusammenschlossen, um ihren Sport bezahlbarer und für mehr Menschen möglich zu machen, haben sich Traditionsvereinen schnell eingesperrt. „Damals hat nur jeder dritte Verein VcG-Golfern ein Spielrecht eingeräumt“, erinnert sich Paeke. Heute schlägt kaum noch ein Club den Clubfreien die Tür vor der Nase zu. 98 Prozent der Anlagen öffnen sich, neuerdings sogar der bislang zurückhaltende Düsseldorfer Golfclub.
Drittes Klischee: Golf ist elitär – ausgeräumt!

Das Gesunde am Golf

Bei einer 18-Loch-Runde verbrennt der Körper im Durchschnitt über 1200 Kalorien, unter Umständen mehr als bei einer Stunde Jogging, sagt der Kölner Sportmediziner Dr. Holger Herwegen. Zudem werden bei einem Abschlag über 124 Muskeln beansprucht. Da kommt was zusammen: Eine 18-Loch-Runde mit ihren acht bis zehn Kilometern Fußweg dauert vier bis fünf Stunden. Dabei wird ein- bis zweihundert Mal abgeschlagen, – wohin auch immer.
Viertes Klischee: Golf ist kein Sport – ausgeräumt!

Verblüffend jung

Golf hat sich verändert – weil die Typen andere sind. Früher hatte die Sportart in etwa so viel Glamour wie ein Bernhard Langer, und der war nun nicht   gerade als Feierbiest bekannt. Dann kam die Generation Tiger Woods und lieferte Geschichten vom Rande des Platzes für die Klatschspalten. „Als Woods bei wichtigen Turnieren in einem einfachen T-Shirt angetreten ist, ist die Etikette endgültig lockerer geworden“, sagt Johannes Podszun, Marketingleiter der clubfreien Golfspieler. Auch wenn Traditionalisten bei diesem Anblick der Kragen ihres Polohemdes platzen dürfte.

Golf
Eine Schule geht aufs Grün

Golf - nur eine Sportart für die Generation 40+? Die acht Kinder, die heute im Golfclub Mülheim a.d. Ruhr einen Ball nach dem anderen in Richtung Grün pitchen, sind gerade ‘mal acht oder neun Jahre alt.

Daneben hat es Golf auch dank seiner Varianten zu später Jugend gebracht: Cross-Golf wird nicht auf dem Platz gespielt, sondern überall. Auf Halden, in Wäldern, über Stock und Stein (Termine in NRW im Internet, z.B. pottgolf.de). Auch frei zugängliche Übungsplätze mit Driving Ranges haben dem Golfen ein lockeres Image verpasst, z.B. auf der Rennbahn in Dortmund-Wambel, dortmund.golfrange.de. Oder die Indoor-Golfanlagen, die Schnupperkurse am Simulator anbieten (oasebochum.de in Bochum und cosmo-sports.de in Düsseldorf).
Fünftes Klischee: Golf ist nur etwas für Rentner – ausgeräumt!

Übrigens: Im Jahr ihres 20. Geburtstags bietet die Vereinigung clubfreier Golfspieler Sonderaktionen. So gibt es eine Jahresmitgliedschaft, einen Schlägersatz und Bälle für 399 Euro. Als Konkurrenz zu klassischen Golfvereinen sieht sich die VcG übrigens nicht, „viele Spieler schnuppern bei uns rein und binden sich später an einen Club, wenn sie häufig spielen“, sagt Geschäftsführer Marco Paeke. Internet: www.vcg.de

Kirsten Simon



Kommentare
17.06.2013
17:07
Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport
von Lirpa | #6

Verehrte Frau Simon,ich weiß nicht,wer Ihnen diese Halbwahrheiten zugeflüstert hat,die doch an der Realität ziemlich vorbeigehen.Der typische Sport für den Hartz IV-Empfänger also. Aber rechnen sollte der schon können.Natürlich können Sie für 195 €/a Mitglied im VcG werden.Aber in kaum einem Club werden Sie damit besonders willkommen sein.Mit dieser Mitgliedschaft dürfen Sie vielerorts nämlich nicht am Wochenende spielen.Auch die Lidl-Ausrüstung wird bei Ihrem Porsche fahrenden Nachbarn wenig Eindruck hinterlassen.Versuchen Sie nicht in eine Liga aufzusteigen,die Sie sich nicht leisten können.Das Selbstbewußtsein könnte darunter leiden.

17.06.2013
16:46
Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport
von Knuddelkater | #5

Na das hört sich ja richtig günstig an, selbst für einen, der Harz 4 bekommt *ironie off

Also ohne Club kein Golf, entweder 1.500 im Club oder Clubfrei (?) für 195 Euronen. Dann Platzreife 75, EUR ect.p.p.

und das soll günstig sein ? Geht´s noch ?

17.06.2013
15:52
Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport
von Danzel | #4

darkblue.

mal schach auf hohem niveau gespielt?
da verliert der kröper mal gut 2-3 kilo (wasser)

und naja schonmal golf gespielt? ich kann ansonsten swing golf in essen kettwig empfehlen. gibt einen knüppel und 2 bälle und man kann sich austoben. macht gut laune und kostet irgendwas unter 20 euro. und nach dem ballsuchen und laufen sind sie fertig glauben sie mir. und die bahnen sind nicht annähernd so lang wie beim richtigen golf

17.06.2013
15:17
Golf und Sport ??
von darkblu2006 | #3

Golf ist genau soviel Sport wie Schach oder Halma .

17.06.2013
09:39
Golfen macht arm?
von Samenschock | #2

warum sollte Golfen arm machen, wenn sich nur Milliardäre und Multimillionäre in den Clubs rumtreiben?

14.06.2013
09:00
Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport
von Hans100 | #1

In Ihrer Einleitung über den sportwagenfahrenden,wiskytrinkenden Typ Privatier bediene Sie jedes Klischee, was Sie eigentlich in Frage stellen wollten. Als langjähriger Golfspieler habe ich so etwas nie erlebt und Sie sollten doch einmal den Club benennen , in dem Sie soetwas erlebt haben .Oder haben Sie das einfach erfunden um das Klischee zu verstärken oder weil es populistisch in die Klischee-Vorstellungen passt? Mit Ihrer Einleitung haben Sie eigentlich dem Golfsport einen Bärendienst erwiesen. Vielleicht wollten Sie das ja so!

1 Antwort
Golfen macht arm? - Fünf Klischees zum Elitesport
von Cherolis | #1-1

Vielleicht haben sie ja den Sinn der Einleitung nicht so ganz Verstanden. Mit der Einleitung sollte das Klischee was in vielen Köpfen sitzt nachgezeichnet werden um im folgenden Beitrag wiederlegt zu werden. Was auch erfolgreich gelungen ist.

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