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Die neue Seite des Tatort-Staatswanwalts Christian Tasche

30.12.2012 | 17:21 Uhr
Christian Tasche als Staatsanwalt Wolfgang von Prinz mit Frau Beate von Prinz (Jeanette Hain) im Kölner Tatort.Foto: WDR/Uwe Stratmann

Dortmund.   Privat ist der Staatsanwalt aus dem Kölner „Tatort“ kein bisschen stieselig. Er ist ganz anders: locker, humorvoll und eloquent. Ein Stück dieser bisher verborgenen Seite darf der 55-Jährige in der jüngsten Ausgabe „Scheinwelten“ zeigen. Sie läuft am Dienstag im Ersten.

Den Anzug hat er abgelegt. Die Krawatte im Tatort-Fundus gelassen. In seiner Heimatstadt Dortmund schlendert Christian Tasche eher leger durch die Straßen. Jeans, Kapuzenshirt, Lederjacke. Privat ist der Mann, der seit 1997 den korrekten, immer ein wenig stieseligen Staatsanwalt Wolfgang von Prinz mimt, ganz anders: locker, humorvoll und eloquent.

Ein Stück dieser bisher verborgenen Seite darf der 55-Jährige in der jüngsten Ausgabe „Scheinwelten“, ARD, Dienstag, 20.15 Uhr, zeigen. An der Seite von Ballauf (Klaus J. Berendt) und Schenk (Dietmar Bär) spielt er sich in die erste Reihe. Als Ehemann der kalten, immer bösartig und arrogant wirkenden Beate (Jeanette Hain), die als Anwältin den millionenschweren Schlaganfallpatienten und Vater des Mordopfers Jakob Broich (Hans Peter Hallwachs) um sein Vermögen zu prellen scheint. Der Staatsanwalt darf Gefühle zeigen.

„Da lernt man ja auch mal seine Frau kennen, die man vorher nie gesehen hat“, sagt Tasche schmunzelnd. Ob die Beziehung von Dauer sein wird? Weiß er nicht. Ist auch irgendwie egal, denn überhaupt beim Tatort mitmachen zu dürfen, ist „für jeden Schauspieler ein Ritterschlag“. Tasche wird auch in Zukunft in Köln den Staatsanwalt geben und in Dortmund sein Leben leben. Eher zufällig ist er am Hellweg gelandet, nach dem Abitur in Gladbeck und dem Zivildienst in Hagen.

Taschengeld mit Straßentheater verdient

Zufälle scheinen sein Leben zu begleiten. Läuten Wendepunkte ein. Im Zivildienst macht er Theaterworkshops, verdient sich während des Sozialpädagogikstudiums sein Taschengeld mit Straßentheater. „Damals war Jango Edwards unser großes Vorbild“, erinnert er sich. „Ich hab‘ jongliert, bin Einrad gefahren, hab’ Feuer gespuckt“. Das habe ihm ziemlich viel Spaß gemacht, aber die Idee, damit richtig Geld zu verdienen, sei ihm nie gekommen.

Mit der Pädagogik auch nicht. Trotz Einser-Abschluss reizt ihn plötzlich ein Industriedesign-Studium. Das dort vorgeschriebene Praktikum absolviert er am Theater. Und landet auf der Bühne. Zufällig, weil ein Darsteller krank wurde. „In dem Moment war klar: Das ist jetzt dein Beruf“.

Christian Tasche bleibt Optimist

1991 dreht er mit Adolf Winkelmann seinen ersten Kinofilm: „Nordkurve“. Neben weiteren Filmprojekten steigt er 1997 beim Kölner Tatort ein. Tasche bleibt Freiberufler, sucht kein festes Serien- oder Theaterengagement. Leicht ist das Überleben nicht immer.

„Die öffentlich-rechtlichen Sender haben in den vergangenen Jahren Serien eingestellt, produzieren nicht mehr so viel selbst. Die Privaten kaufen amerikanische Serien oder zeigen Hartz-IV-Fernsehen“. Und die Angst vor unbekannten Talenten führt bei großen TV-Produktionen immer häufiger zur Verpflichtung bekannter Nasen: Neubauer & Co. „Es gibt so viele gute Schauspieler, da muss man nicht immer die drei gleichen nehmen“, sagt Tasche. Das mache ihn schon „ein bisschen sauer“. So mancher Kollege sei aus dem Beruf ausgestiegen.

Für Tasche ist das keine Alternative. Er bleibt Optimist. Überlebt als Synchronsprecher, mit Lesungen. „Das sind zwar kleine Brötchen, die ich zuweilen backe, aber was soll’s?“

Musikrevue

 

Außerdem hat der Mann seine „Liebesperlen“. Kein geheimes Viagra. Eine Revue, bei der er eine ganz „andere Saite seines Könnens zum Schwingen“ bringen kann. Den 24. Geburtstag feiert das Ensemble, das vornehmlich in Lünen und Dortmund auftritt, übrigens zu Silvester. In der Westfalenhalle spielt es seine Medleys aus den 50er- bis 80er-Jahren. „Da darf ich sogar den Elvis geben“, sagt er nicht ohne Stolz. An Silvester hat dann der Staatsanwalt seinen ganz großen Auftritt. Mit Anzug und Krawatte, versteht sich.

Angelika Wölke



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