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Die Deutschen lieben ihr Sofa und träumen von offenen Küchen

24.08.2012 | 18:10 Uhr
Hauptsache, es gibt ein Sofa. Eine große Studie hat ergeben, dass 95 Prozent der Deutsche sich nicht von der Couch trennen würden.Foto: Martin Möller

Köln.   Bei der Einrichtung mögen es die Deutschen konservativ. Sie legen viel Wert auf eine Couchgarnitur und eine Schrankwand im Wohnzimmer. Von der offenen Küche träumen dagegen sehr viele Menschen, tatsächlich findet sie sich aber in kaum einer Wohnung. Das ergab eine Wohnstudie.

Sie ist ein Traum: Diese offene Wohnküche mit dem Design zum Dahinschmelzen. Eine gut gelaunte Familie trifft sich am freistehenden Kochblock mit Marmorplatte. Die süßen Kinder sitzen auf Barhockern mit Edelstahlfuß und warten darauf, dass Mama die Pasta vom fünfflammigen Gasherd zieht. Unterdessen spiegelt sich in der hochglänzenden schwarzen Schrankfront der Papi. Er zapft Eiswürfel aus einem in den Kühlschrank integrierten Crusher.

Die offene Wohnküche – sie ist ein Traum und sie bleibt auch ein Traum. Denn die Wohnwahrheit der Deutschen sieht anders aus. Die Mehrheit lebt nicht dieses Leben aus dem Katalog. Ihre Wohnkultur ist bodenständig und spielt sich zwischen Sofa-Ecke, Grünpflanze und der soliden Schrankwand aus Holz ab. Das belegt eine Studie, die das Möbelunternehmen Interlübke zu seinem 75. Geburtstag in Auftrag gegeben hatte. Es ist die größte Wohnstudie seit mehr als 20 Jahren.

Wo die Wohnrealität von den Träumen abweicht

Theorie und Realität stimmen selten überein. Wohnmagazine leben zwar vor, wie Räume verschmelzen. Da werden Wände rausgerissen, damit Küche und Esszimmer eins werden oder das Wohnzimmer zum Wohnarbeitskoch-Multitalent gepimpt wird. Vorschläge, mehr nicht. „Es ist etwas ernüchternd, dass die Wohnrealität von den Trends abweicht“, sagt Interlübke-Geschäftsführer Leo Lübke. Die Deutschen wollen lieber Türen hinter sich zuziehen und genießen daheim Gutes von gestern: Raufaser und davor eine Schrankwand mit Fernseher. Und erst die geliebte Sitzgarnitur! 95 Prozent der 1000 Befragten würden sich davon nie und nimmer dauerhaft runterbewegen. Gemütlichkeit geht vor.

So wohnt sie, so wohnt er

Wo wir gerade beim Kuscheln sind: Männer und Frauen harmonieren in vielen Punkten. Manchmal aber auch nicht. Sie will Gardinen, er eine Stereoanlage. 81 Prozent der Damen legen Wert auf Stoff vor dem Fenster, Männer mögen es gerne nackt – also das Fenster. Auch für Teppiche können sich Frauen eher erwärmen als Männer (68 zu 54 Prozent). „Aber die Unterschiede sind nicht so groß, dass sie zum großen Krach zwischen den Geschlechtern führen würden“, sagt Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner, der die Studie des Marktforschungsinstituts Emnid betreut hat. „Frauen wohnen weicher“, lautet sein Fazit.

Design Börse in Köln beginnt

Auch der Berliner Stil-Professor Axel Venn hat sich mit dem männlichen und weiblichen Wohnen näher beschäftigt. Für das Magazin „Mein schönes Zuhause“ hat er aufgezählt, was Frauen wollen, nämlich: Sofas mit vielen Kissen, gerahmte Familienfotos, Pastelltöne. Und der Haus-Herr? Er will eine Raumatmosphäre aus Kino, Spielsalon und Baumhaus, die Farben Blau und Umbra sowie allgemein die Farben von Holz, Messingleuchten und Materialien aus Leder, Fell und Kaschmir.

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