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Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung

20.01.2013 | 17:54 Uhr
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
Die Industrie erzielt Milliarden-Umsätze mit Nahrungsergänzungsmitteln.Foto: Winfried Rothermel/dapd

Berlin.   Vitaminpillen sollen vor Erkältungen schützen, Calcium für harte Knochen sorgen. 1,3 Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für angeblich gesundheitsfördernde Produkte aus. Das Bundesinstitut für Risikoforschung relativiert.

In Drogerien, Reformhäusern und Supermärkten gehören die kleinen Helfer seit langem zum Alltag: Brausetabletten mit Vitamin C sollen vor Erkältungen schützen, die mit Calcium für harte Knochen sorgen. Eisenhaltige Substanzen ersetzen Vegetariern das fehlende Fleisch und Ballaststoffe bewirken eine kräftige Verdauung.

So jedenfalls steht es in den Werbebotschaften. Doch ob die "Helfer" tatsächlich etwas bewirken, bezweifeln die Fachleute vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass zum Bundesverbraucherministerium gehört. "Nahrungsergänzungsmittel sind überflüssig, wenn man sich normal ernährt", sagt BfR-Sprecherin Suzan Fiack.

Leberwurst statt Eisentabletten

Das Institut räumt auf der Internationalen Grünen Woche mit der Vorstellung auf, dass die zusätzlich geschluckten Kapseln oder Getränke generell gut für den Menschen sind.

Lebensmittel
Neues Siegel kennzeichnet Fleisch aus tiergerechter Haltung

Wer im Supermarkt Fleisch kauft, kann ab sofort besser erkennen, ob bei der Herstellung auch auf den Tierschutz geachtet wurde. Der Deutsche Tierschutzbund hat ein Siegel für Fleisch aus tiergerechter Haltung entwickelt. Erste Märkte sollen bereits entsprechend gekennzeichnete Produkte anbieten.

Denn in den üblichen Lebensmitteln sind alle wichtigen Nährstoffe in ausreichendem Maße enthalten.

Eisenmangel können Verbraucher zum Beispiel durch ein paar Schnitten mit grober Leberwurst entgehen. 5,3 Milligramm Eisen enthält die Spezialität je 100 Gramm. Sesamkörner enthalten zehn Milligramm Eisen pro 100 Gramm.

„Der Markt ist seit Jahren stabil“

1,3 Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für Nahrungsergänzungsmittel aus. Am häufigsten werden Vitaminpräparate, Mineralien wie Calcium oder Magnesium, Ballaststoffe, Aminosäuren und pflanzliche Produkte wie Ginseng gekauft. „Der Markt ist seit Jahren stabil“, beobachtet Peter Loosen vom industrienahen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL).

Schwangerschaft
Übergewicht kann schon im Mutterleib entstehen

Schwangere haben mehr Einfluss auf das Gewicht des Kindes als bislang gedacht: Falsche Ernährung der Mutter kann dazu führen, dass das Baby schon zu dick auf die Welt kommt. Damit steigt wiederum die Gefahr für das Kind, später Übergewicht zu haben. Was Mütter bereits in der Schwangerschaft für ihr...

Erstaunlicherweise werden die Zusatzstoffe in der Regel gar nicht von denen verzehrt, die sie tatsächlich nötig hätten. „Es geht den meisten Konsumenten darum, einen gesunden Lebensstil weiter zu verbessern und nicht, eine ungesunde Lebensweise auszugleichen“, sagt Fiack.

Nur selten notwendig

Eine konzentrierte Aufnahme von einzelnen Stoffen haben nur wenige Menschen in Deutschland tatsächlich nötig. Das BfR glaubt, dass die Vielzahl der Angebote aber den Eindruck erweckt, dass die übliche Ernährung nicht mehr ausreicht, um gesund zu bleiben.

Essen
Kinderteller in Lokalen meist zu fett und kalorienhaltig

Kaum frische Zutaten, dafür Kalorienbomben wie Hähnchennuggets und Burger: Die Verbraucherzentrale NRW hat sich Kindermenüs in Lokalen genauer angeschaut. Von den getesteten Gerichten sei kein einziges empfehlenswert, lautet das Urteil. Mehr als jedes zweite Kinderessen fiel sogar komplett durch.

  Sinnvoll sei der Kauf der Produkte aber nur in bestimmten Fällen. „So kann eine einseitige oder unzureichende Ernährung dazu führen, dass zu wenige essenzielle Nährstoffe aufgenommen werden“, erläutert das Institut. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf an Nährstoffen hoch. Und: Wenn ältere Menschen an Appetitlosigkeit litten, könnten Zusatzstoffe helfen.

Laut BfR weisen Untersuchungen nur bei einer Handvoll Substanzen auf eine Minderversorgung in der Bevölkerung hin. In manchen Bevölkerungsgruppen wird weniger Vitamin D, Kalzium, Folsäure und Jod aufgenommen als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird. Das BfR empfiehlt aber lediglich Schwangeren die Einnahme von Folsäure.

Krebs-Risiko steigt

Für problematisch hält die Behörde Teile der speziell für Sportler angebotenen Ergänzungsmittel. Manche Präparate enthalten zum Beispiel Koffein, das kurzfristig den Herzmuskel leistungsfähiger macht, aber langfristig unerwünschte Folgen haben könne. Auch bei Eisenpräparaten rät das Amt zur Vorsicht. Eisen solle nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Mit einer dauerhaft hohen Zufuhr steigt nach Einschätzung der Experten das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes.

Immer häufiger werden auch normale Lebensmittel wie Säfte mit Vitaminen, Mineralien oder Ballaststoffen angereichert. Was gut für die Gesundheit ist und was überflüssig, ist nicht genau zu sagen.

Industrie muss Wirkung nachweisen

Wenn die Industrie in der Werbung eine gesundheitsfördernde Wirkung verspricht, darf sie dies nicht mehr ohne weiteres tun. Denn dann müssen die Hersteller dies auch nachweisen. Derzeit haben nur 222 Produkte das Plazet der EU erhalten. Bei rund 2000 steht dies noch aus.

Verbraucher, die wissen wollen, was genau zugelassen oder welche Anträge der Lebensmittelwirtschaft abgelehnt wurden, können sich auf der Internetseite der europäischen Nahrungsmittelsicherheitsbehörde ESFA unter www.efsa.europa.eu kundig machen. Dort finden sich die entsprechenden Listen.

Becel - alles in Butter?

Während Lebensmitteln schon häufig Vitamine und Mineralien zugesetzt werden, bleibt echte Gesundheitsnahrung die Ausnahme. Am bekanntesten ist die Margarine der Marke Becel pro aktiv, deren Verzehr den Cholesterinspiegel senken kann. Sie ist in Europa zugelassen.

Doch auch dieses Gesundheitsversprechen ist umstritten. Die Verbraucherorganisation Foodwatch glaubt, dass die verwendeten Zutaten Herz-Kreiskaufkrankheiten begünstigen können. Doch mit dem Versuch, die Werbung für Becel zu verbieten, ist Foodwatch gerade erst gescheitert. Die Richter sahen keinen Verstoß des Becel-Herstellers Unilever.

Wolfgang Mulke



Kommentare
23.01.2013
07:43
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
von Shy_Eye | #5

Wenn das BfR solche Erkenntnisse hat, dann bin ich schon fast dafür, dass dieses ganze unsinnige Zeug aus den Ladentheken verschwinden! Es gibt nun mal immer Menschen die meinen sich damit etwas gutes zu tun. Das ist blanke Naivität und das tolle Gefühl seinem Körper etwas gutes zu tun!

Dieser ganze Unsinn muss gestoppt werden.
Zu dem beteiligt sich auch Wiesenhof an Vitaminpräparate.... schon interessant!

23.01.2013
00:11
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
von Juelicher | #4

@berni44
Sie haben offenbar nicht den blassesten Schimmer, wovon Sie reden!
Die großen Hersteller von Vitaminen u. Nahrungsergänzungsmitteln sind Tochterfirmen großer Pharmahersteller wie BASF oder Hofmann La Roche. Warum sollten ausgerechet sie so dumm sein, ihre eigenen Produkte schlecht zu reden, mit denen sie Milliardengewinne machen. Nicht Ärzte (die teils in ihren Praxen ebenso an diesen Mitteln verdienen!) oder Pharmaindustrie weisen zunehmend auf die Gefahren von Nahrungsergänzungmitteln hin, sondern Wissenschaftler, die große Studien mit teils Zehntausenden Beteiligten angestellt haben. Außerdem gibt es inzwischen große Metastudien zur Problematik.

22.01.2013
14:32
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
von berni44 | #3

Hallo,
Vitamine wurden in den 30 Jahren von der damaligen Regierung für den Verzehr frei gegeben. In dieser Zeit waren gesunde Menschen nützlich.Die Menschen, die diese Mittel nahmen waren einfach gesünder als andere.
Dies erkannten alsbald die Ärzteschaft und die Pharamindustrie,sie hatten weniger Kunden. Sie fingen an, diese Präparate schlecht zu reden.
Ärzte und Pharmaindustrie können keine gesunden Menschen gebrauchen, da sie nur von Kranken gut leben können.
Diese Mittel regen den Körper einfach an , sich selbst zu erhalten.
Was hat denn für eine Vorsorge die Schulmedizin zu bieten? Fast nichts.
Kranke Organe werden entfernt. Was nicht mehr da ist schmerzt nicht.
Der Mensch wird dann zum Hilfsbedürftigen, an denen dann weitere Personen munter verdienen, Leiden muss dann der Hilfsbedürftige.
Viele Medikamente haben kaum Wirkung, aber eine Menge Nebenwirkungengen. Diese Nebenwirkungen garantierte der Medizinbranche weitere lukerative Umsätze.
Also, lasst es so wie es ist.

22.01.2013
09:41
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
von nulpe2 | #2

magnesium.......soll zwar nicht helfen aber eine schöne flamme geben wenn man mal verbrannt wird......

21.01.2013
23:50
Der Sinn und Unsinn der Nahrungsergänzung
von Juelicher | #1

Der Artikel müsste noch viel deutlicher auf die Gefahren hinweisen, die mit der Einnahme speziell von synthetischen Zusatzvitamen verbunden sein können. In den letzten Jahren haben sich in vielen Studien immer mehr Hinweise auf eine Schädlichkeit bzw. sogar erhöhte Sterblichkeit durch Vitamine ergeben. Dies wurde vor allem für die sogenannten Radikalenfänger (ein unsachlicher Begriff aus der Vitaminsierungspropaganda) A u. E nachgewiesen, durch die bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko stieg oder bei Männern das Prostatakrebsrisiko. Sogar für Vitamin C werden Nachteile diskutiert, wie etwa eine schlechtere Regenerationsfähigkeit der Muskel nach Sport. Auch für eine Reihe weiterer künstlicher Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel müssen gesundheitliche Nachteile befürchtet werden.

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