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Aquaristik

Aquarium im Wohnzimmer - Was Sie jetzt wissen müssen

22.02.2013 | 18:34 Uhr
Ein ostafrikanischer Buntbarsch ist anspruchsvoll in der Haltung.Foto: Jakob Studnar

Duisburg.  Experten von der Duisburger Gesellschaft für Aquarienkunde erläutern, wie man in das bunte, ruhige Hobby rund ums Aquarium einsteigen kann, wie man sich dabei als Biologe, Physiker und Chemiker betätigt und was die größten Fehler sind. Einige Fische sind nämlich nichts für Anfänger.

Es ist ein buntes Biotop und zugleich ein wunderbarer Hingucker im Wohnzimmer: das Aquarium. Ein Becken aufzubauen, einzurichten und einzufahren, das Verhalten der Fische zu begreifen und sie zu vermehren, erfordert jedoch viele Kenntnisse.

Ein Aquarist ist deshalb von allem ein bisschen: Physiker, Chemiker, Genetiker, Mikrobiologe, Unterwassergärtner und Bastler. Wie fängt der Einsteiger an? Das wichtigste, so sagen erfahrene Aquarianer, sei der Kontakt zu anderen Fischliebhabern.

Zierfische in Duisburg

„Aquaristik ist ein Erfahrungshobby“, sagt Dirk Herchenhahn, Präsident der Duisburger Gesellschaft für Aquarienkunde (GfA). Sein Vereinskollege Andreas Eichler bestätigt: „Der Neueinsteiger muss lernen, am Verhalten der Fische zu erkennen, was im Aquarium richtig oder falsch läuft.“

Kontakt zu Aquarianern

Der persönliche Kontakt ist deshalb so wichtig, so Eichler, weil Aquarianer dem Neueinsteiger anhand ihrer Zucht zeigen könnten, welche Verhaltensweisen die unterschiedlichen Fische haben.

Herchenhahn und Eichler mit ihrer Erfahrung wissen, dass Goldfische rund 30 Zentimeter lang werden können und deshalb am besten Teiche brauchen, dass Fische aus Thailand oder Singapur in einer Medikamentenbrühe aufgezogen werden und später ohne diese schnell krank werden, sie können mit der Diagnose von Fischkrankheiten weiterhelfen, und sie helfen gerne bei der Auswahl des Materials und der Bestückung der Aquarien mit Pflanzen und Mikroorganismen. Kontakt vermittelt unter anderem die GfA (www.gesfa.de).

Das Wissen

Auch über das Internet seien viele Informationen verfügbar. Weil die Quellen manchmal nicht überprüfbar seien und auch weil es schlicht nicht möglich sei, die Fischbeobachtung durch Klicks zu ersetzen, sind die Experten von der GfA den Foren abgeneigt. Dem Interessierten legen sie allerdings ein Buch ans Herz: Den „Aquarienatlas“ . Der Atlas hat sechs Bände, für den Süßwasser-Aquarianer sei aber zunächst der 2006 in der 15. Auflage erschienene Band eins relevant.

(Hans A. Baensch, Rüdiger Riehl, Aquarienatlas, Mergus, 19,80 Euro.)

Die Grundausstattung

Mit welchen Fischen, Pflanzen und welchem Boden (Kies oder Sand) der Einsteiger anfängt, hängt von seinen Vorlieben ab. Doch es sollte ein Aquarium mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern sein, erläutert Herchenhahn: „Mehr Wasser verträgt kleine Fehler. Es verdünnt Giftstoffe oder zu starke Futterzugabe.“

Im Handel sind entsprechend große Aquarien auch als Möbelstück erhältlich, mit eingebautem Filter, eingebauter Beleuchtung, Regelheizer und Unterschrank (Kosten: um 600 Euro). Es sei aber auch möglich, über Internetauktionen zu günstigeren Angeboten zu kommen. Was nichts daran ändert, dass die Aquaristik durchaus ins Geld gehen kann. Ganz wichtig: Das eingerichtete Aquarium muss vor dem Einsetzen der Fische bis zu sechs Wochen „eingefahren“ werden – vereinfacht gesagt: Die Wasserqualität muss sich kontrolliert „einspielen“.

Vehement raten Aquaristen von kleinen Aquarien ab. Schülersets, wie sie im Handel für etwa 40 Euro zu haben sind, eigneten sich nur als Zweitaquarium für die Zwischenhaltung neuer oder kranker Fische.

Die Fische

Für den Anfänger empfehlen die Aquarianer lebendgebärende Fische wie Guppys oder Platys. Gemeinsam mit Welsen oder auch Schnecken, die die Algen minimieren, können diese in einem bepflanzten Gesellschaftsaquarium gehalten werden. Wichtig: In einem Gesellschaftsaquarium müssen die Ansprüche der Fische an Wasserbeschaffenheit, Temperatur und Licht in etwa gleich sein. Auch deren Verhalten muss zueinander passen. Gerade für Einsteiger empfiehlt es sich, mit wenigen Arten und Fischen anzufangen. Grobe Faustregel: Etwa 1,5 Liter Wasser auf 1 Zentimeter Fisch.

Die Pflege

Im Gegensatz zu Hunden, mit denen der Besitzer täglich Stunden im Freien verbringen muss, kosten Fische relativ wenig Zeit.

Fünf Minuten am Morgen, um das Licht anzustellen, Futter zu geben und die Fische zu beobachten, am Abend noch einmal die selbe Zeit. Jede Woche gilt es, zwei Stunden freizuschaufeln, um sich dem Teilwasserwechsel zu widmen. Hierbei wird etwa ein Drittel des Wassers ausgetauscht, damit giftige Abbauprodukte der Fischausscheidungen nicht überhand nehmen. Bei der Gelegenheit gilt es auch, Algen zu entfernen und braune Pflanzenteile abzuschneiden.

Andreas Bäumer


Kommentare
24.02.2013
13:17
Aquarium im Wohnzimmer - Was Sie jetzt wissen müssen
von Phelsuma88 | #3

Diese Regel Grobe Faustregel: Etwa 1,5 Liter Wasser auf 1 Zentimeter Fisch sollte sofort aus dem Beitrag entfernt werden, da sie grob fahrlässig ist.
Leider halten sich solche Regeln wie die obrige oder Fische würden sich der Aquariengröße anpassen sehr hartnäckig.

Rauskommen meist Fischsuppen mit verkrüppelten Individuen und ein ein Pfleger der sich über Algen, Fischsterben etc. wundert.

24.02.2013
07:32
Aquarium im Wohnzimmer - Was Sie jetzt wissen müssen
von Wurzelputz | #2

Wer nicht mindestens 1-2 Stunden wöchentlich Zeit mitbringt, die Kosten der umgebenden Technik nicht unterschätzt und herbe Fischverluste sowie ständige Algenbekämpfung nicht scheut wird jahrzehntelang Freude haben.

Zwar sehr selten, aber an eine Überschwemmung und entsprechende Versicherung (fragen, ob man die überhaupt abschließen kann) sollte man auch denken.

1 Antwort
Aquarium im Wohnzimmer - Was Sie jetzt wissen müssen
von Phelsuma88 | #2-1

"herbe Fischverluste sowie ständige Algenbekämpfung nicht scheut "
Ich betreibe seit über einem Jahrzehnt Aquaristik, da muss ich mir doch die Frage stellen, was machen sie da ?

Algen sind in jedem gesundem Aquarium vorhanden, überhand nehmen sie nur bei unpassendem Besat sowie, für das Wachstumgünstige Wasserwerte.

23.02.2013
15:06
Aquarium im Wohnzimmer - Was Sie jetzt wissen müssen
von jessiesrevenge | #1

"Grobe Faustregel: Etwa 1,5 Liter Wasser auf 1 Zentimeter Fisch."
Tolle Regel, nach der könnte ich auch im 300l Becken ein Stör halten, die Regel ist echt nicht gut für Anfänger, da man da Gefahr läuft viel zu große Fische einzusetzen...
Und von Mollys und Platys kann man echt nur abraten, Anfänger sind sehr schnell überfordert mit den Tierchen, die warmes Wasser und auch Brackwasser mögen. Die meisten sind ja schon beim Kauf krank, meistens die Weißpünktchenkrankheit zb bei Mollys. Und die Vermehrung ist eben auch nicht zu verachten, so das ein 200l Becken in nur wenigen Monaten gnadenlos überfüllt ist und die Nachfrage eben eher geringer ist, bei Lebendgebärenden. Zumal man bei der Zusammensetzung Männlein und Weiblein genau auf das Verhältnis achten muss, damit die nicht im Dauerstreß sind.

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