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Ines Bathen erlebt mit dem USC Münster den „normalen Wahnsinn“

Ines Bathen erlebt mit dem USC den „normalen Wahnsinn“

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Ines Bathen kämpft mit dem USC Münster um das Play-off-Halbfinale. Die Domstädter haben in Hamburg mit 3:1 gewannen, müssen aber auch das Rückspiel am Mittwoch in Münster (19.30 Uhr) für sich entscheiden, um in das ersehnte Halbfinale einzuziehen.

Münster. 

Szenen spielten sich ab, Szenen als gäbe es mindestens die deutsche Meisterschaft zu feiern. Min-des-tens. Sie kreischten, sie hüpften, sie sprangen Arm in Arm umher. Und doch sagt Ines Bathen, als die allerersten Glücksgefühle abgeklungen sind: „Eigentlich bringt uns dieser Sieg gar nichts.“ Uff.

Denn Ines Bathen spielt in Münster eben nicht bei den Preußen Fußball und steht mit ihnen in einer Europapokal-K.o.-Runde. Nein, die Sauerländerin spielt für den USC in der Volleyball-Bundesliga – und deren Play-offs besitzen ihre eigenen, für Fachfremde ungewöhnlichen Gesetze.

Zusatz-Satz, der, der modern rüberkommen möchte, nennt ihn Golden Set – heißt das Zauber-Bindestrichwort, welches für den Wahnsinn sorgt. Für den ganz normalen Volleyball-Wahnsinn.

Denn obwohl Bathen und ihre Mannschaftskolleginnen das Viertelfinal-Hinspiel in Hamburg mit 3:1 gewannen, müssen sie auch das Rückspiel am Mittwoch in Münster (19.30 Uhr) für sich entscheiden, um in das ersehnte Halbfinale einzuziehen. Im Fußball reichte unter bestimmten Voraussetzungen selbst eine knappe Niederlage, um sich direkt für die nächste Runde zu qualifizieren.

„Wir haben von der Partie in Hamburg eigentlich nicht wirklich etwas“, erzählt die 21-Jährige, die ihre Karriere beim TuS Nuttlar startete. „Außer, dass wir mit einem Heimsieg direkt weiter sind.“ Und dieses enorm gestiegene Selbstbewusstsein, welches der sensationelle, hart umkämpfte Triumph in Hamburg den Außenseiterinnen aus der Studentenstadt brachte. Die Gäste aus dem Norden würden mit einem Erfolg hingegen erstmal nur den Zusatz-Satz erzwingen. Kein weiteres Spiel, keine dritte Begegnung an eventuell neutraler Stelle, nein, nur einen Satz, der bis 15 geht und über Wohl und Wehe richtet. „Es kann sich alles drehen“, sagt Ines Bathen. Mehrfach.

Weil diese Erkenntnis für sie, die mit der deutschen U20-Nationalmannschaft Weltmeisterin wurde und seit 2007 beim USC spielt, nicht neu ist, blickt sie extrem entspannt, gleichwohl aber hoch fokussiert und voller Vorfreude auf das Rückspiel im Münsteraner Volleyball-Tempel Berg Fidel. „Die Stimmung in Hamburg war echt super“, erzählt sie, „aber ich glaube, dass sich unsere Fans auch nicht lumpen lassen werden.“ Die Top-Marke in dieser Saison waren bislang 2700 Zuschauer, „vielleicht können wir das übertreffen“, sagt Bathen.

Dass die Fußballer des FC Bayern am gleichen Abend ihr Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Marseille bestreiten und dies live vom Fernsehen übertragen wird – es schockt Bathen und Co. nicht. „Das sollte keinen wahren Volleyball-Fan abhalten“, sagt Spielführerin Andrea Berg. Schließlich ist „bei diesem Modus noch gar nichts entschieden. Und wir wissen doch, dass Hamburg auswärts gewinnen kann“, ergänzt Trainer Axel Büring.

Welcher Gegner im Halbfinale warten würde? „Das ist so kompliziert zu erklären“, sagt Ines Bathen, „manchmal verstehe ich das selbst nicht.“ Nebensache. Vorerst wartet die Hürde Hamburg. Und sollte der Sieg erst nach dem Zusatz-Satz feststehen, wird der Jubel in Hamburg in der Nachbetrachtung mager aussehen.