Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Nachruf

Susanne Lothars totale Hingabe wird unsterblich bleiben

26.07.2012 | 15:29 Uhr
Susanne Lothar ist tot. Sie starb im Alter von 51 Jahren. Das Bild zeigt sie mit ihrem vor fünf Jahren gestorbenen Ehemann Ulrich Mühe.Foto: dapd

Essen.  Susanne Lothar ist tot. Die Schauspielerin, die für viele durch ihre Rolle in "Das weiße Band" unvergesslich bleiben wird, starb mit 51 Jahren. Es war aber vor allem das Theater mit seinen allerbesten Adressen in Wien und ihrer Heimatstadt Hamburg, das die Wahl-Berlinerin berühmt machte.

Wie persönlich darf so ein Nachruf sein? Darf man sagen, dass es, wenigstens für eine Weile, traurig macht, jemanden zu verlieren, den man persönlich nie gekannt hat? Ist es gar anmaßend? Susanne Lothar hat sich unauslöschlich in mein Bewusstsein eingebrannt und in das vieler Menschen, die den Film und das Theater lieben. Diese zierliche, wunderbare Frau, diese Schauspielerin voller Kraft und Leben, voller Zartheit und Stärke, die trotz aller Hogers, Berbens, Elsners ohne Vergleich war in Deutschland, ist mit gerade einmal 51 Jahren gestorben,  warum, das wissen wir noch nicht.

Welche Tragik, ihr Mann Ulrich Mühe starb vor fünf Jahren mit 54, er hatte Krebs, auch er ein ganz Großer der Bühne, des Fernsehens und des Kinos. Das Paar hinterlässt zwei eigene Kinder und drei aus Mühes Ehe mit der Schauspielerin Jenny Gröllmann, die ihrerseits 2006 mit 59 ebenfalls dem Krebs zum Opfer fiel. Vorausgegangen war ein zermürbender Rechtsstreit mit Mühe, der ihr öffentlich Stasi-Kontakte vorgeworden hatte.

Susanne Lothars Auftritt in "Das weiße Band" ist unvergesslich

Susanne Lothar hat einen Auftritt in Michael Hanekes Filmdrama „Das weiße Band“ , den man nicht vergessen kann, wenn der Gefühlshaushalt noch funktioniert, eine schreckliche Szene,  bei der man losheulen will und nur durch die eigene Schockstarre die Tränen unterdrücken kann. Als Hebamme ist sei seit langem heimlich mit dem Arzt im Dorf liiert, der sie in ihrer Abhängigkeit hemmungslos missbraucht. Jetzt aber ist er sie satt, und demütigt sie in kühlem Ton mit einem Wortschwall fortgesetzter Erniedrigungen, eine Folter, die sie, kaum merklich zitternd, über sich herabregnen lässt.

Wer der Hilflosigkeit dieser zerbrechlichen Frau zusieht, die mehr ertragen muss, als man einem Menschen antun darf, wer ihrer stockenden Stimme zuhört, die die Tränen niederkämpft, der kommt von ihr nicht mehr los: Es war die große Kunst dieser Schauspielerin, uns so anzufassen, dass wir das Gefühl nicht vergessen. Es waren die schwierigen Menschen, die gebrochenen, verzweifelten Frauen, denen sie Anmut und Würde gab, in deren Lebensabgründe sie uns blicken ließ. Wer hätte das überzeugender vermocht als sie? Und wer tut es nun?

Susanne Lothar füllte die abgedroschene Phrase vom Schauspieler, der an die Grenzen geht, mit Inhalt. Kein Wunder, dass Michael Haneke sie nicht nur für „Das weiße Band“ verpflichtete, sondern auch für den Psychothriller „Funny Games“ , der so hart ist, dass man ihm kaum aushalten kann. Mit  Ulrich Mühe spielt sie darin ein Ehepaar, das in der Beschaulichkeit seines Einfamilienhaus-Alltags von zwei jungen Sadisten zu Tode gequält wird. Der Horror und die schauspielerische Hochleistung besteht darin, wie vergeblich und immer verzweifelter sich das Paar bemüht, die Peiniger von ihrem grausamen Vorhaben abzubringen, wie es zwischen Hoffnung und Entsetzen hin- und hergeschleudert wird.

Susanne Lothars Vater spielte in Billy Wilders "Eins zwei drei" mit

Natürlich war es zuerst und vor allem das Theater mit seinen allerbesten Adressen in Wien und ihrer Heimatstadt Hamburg, das die Wahl-Berlinerin berühmt machte. Ihre ebenso wilde wie verletzliche Kindfrau „Lulu“ in Peter Zadeks Inszenierung Ende der 80er Jahre brachte ihr Ruhm und Preise, unter anderem den der „Schauspielerin des Jahres“. Auch ihre Eltern waren vor der Kamera und auf der Bühne zuhause, Ingrid Andree und Hanns Lothar, der manchen wenn auch nur als Hac­ken zusammenknallender Assistent Schlemmer in Billy Wilders hinreißender Komödie „Eins zwei drei“ in Erinnerung geblieben ist.

Susanne Lothar ist tot

Es ist nicht gewagt, zu behaupten, dass Susanne Lothar auch banaleren Stoffen wie „Tatort“- oder „Polizeiruf 110“-Krimis mmer etwas Besonders verlieh, weil ihre totale Hingabe an den Beruf jederzeit zu spüren war. Mag schon sein, dass niemand unersetzlich ist. Aber an den Verlust dieser Frau will man sich nicht gewöhnen.

Frank Preuß



Kommentare
27.07.2012
12:56
Susanne Lothars totale Hingabe wird unsterblich bleiben
von wohlzufrieden | #2

Zitat: "Hanns Lothar, der manchen wenn auch nur als Hac­ken zusammenknallender Assistent Schlemmer in Billy Wilders hinreißender Komödie „Eins zwei drei“ in Erinnerung geblieben ist." Zitat Ende. Wie bitte? Hans Lothar wurde zu seiner Zeit mit Schauspielern wie Curd Jürgens in einem Atemzuge genannt. Unvergessen auch mit seinen Brüdern Günter und Horst Michael in dem Streifen " Großalarm für die Davidswache, in dem Jürgen Roland Regie führte, oder als Retter in "Flug in Gefahr" Man sollte sich schon besser informieren bevor man schreibt, auch und gerade, wenn man in dieser Zeit noch nicht gelebt hat. Was Frau Lothar betrifft: Wieder hat uns eine großartige Schauspielerin verlassen!

26.07.2012
22:49
Susanne Lothars totale Hingabe wird unsterblich bleiben
von elementauscrime | #1

frank preuß schreibt mir aus der seele, die sich, wie der mensch in dem sie lebt, an den verlust dieser einmaligen frau lange nicht gewöhnen wird.

Aus dem Ressort
US-Feuerwehr rettet Hamster mit winzigem Sauerstoff-Schlauch
Erste Hilfe
Tierischer Erste-Hilfe-Einsatz für die Feuerwehr im US-amerikanischen Ort Lacey: Nach einem Brand haben die Einsatzkräfte dort eine Hamster-Familie beatmet. Das Foto, das ein Tier mit einem winzigen Sauerstoff-Schlauch zeigt, macht die Runde im Internet und begeistert viele Tierfreunde.
Erpresser bedroht Linda de Mol und ihre Kinder
Drohungen
Linda de Mol und ihre Familie leben in Angst: Ein Erpresser fordert viel Geld von ihrem Bruder, der als Fernsehproduzent mit "Big Brother" Milliarden verdiente. Nun gibt es ein Phantombild - der Mann hatte bei einem Bäcker Tortenstücke gekauft, die an die Privatadresse de Mols gingen.
Erster Ebola-Patient in den USA - Behörde warnt vor Panik
Ebola
Was lange befürchtet worden war, ist eingetroffen: Erstmals ist ein Patient außerhalb von Afrika mit Ebola diagnostiziert worden - in den USA. "Wir werden das stoppen", kündigt die US-Gesundheitsbehörde an und warnt vor Hysterie. Die Krankheit sei "angsteinflößend", die Gefahr aber äußerst gering.
Tumult im Dano-Mordprozess - Richter ermahnt Großvater
Prozess
Der Mordprozess um den erdrosselten Dano (5) hat mit Tumulten begonnen: Von Weinkrämpfen geschüttelt, hat der Großvater des Opfers die Aussage eines Polizisten gestört. Der 43-jährige Beschuldigte soll das Kind geprügelt und erdrosselt haben. Er selbst will ihn in einer Decke erstickt haben.
Tote Hosen werden mit jüdischer Auszeichnung geehrt
Rockband
Seit Jahrzehnten kämpfen die Toten Hosen gegen Rechtsextremismus, dafür wird die Band nun mit einer hohen Auszeichnung geehrt. Die jüdische Gemeinde ihrer Heimatstadt Düsseldorf verleiht den Rockern am Mittwochabend die Josef-Neuberger-Medaille, die auch schon Angela Merkel und Johannes Rau tragen.
Umfrage
Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

 
Fotos und Videos