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Petra Kleinert ist die Neue bei "Soko Leipzig"

03.01.2013 | 16:33 Uhr
Petra Kleinert ist die Neue bei "Soko Leipzig"
Hajo (Andreas Schmidt-Schaller, l.) und Hauptkommissarin Dagmar Schnee (Petra Kleinert, 2.v.l.) von der Sitte beobachten, wie der Sexualtäter Jaspersen das Gefängnis als freier Mann verlässt. Die Presse (Ludwig Blochberger, r.) ist auch vor Ort.Foto: Uwe Frauendorf/ZDF

Leipzig.   Die Schauspielerin Petra Kleinert ("Doppelter Einsatz", "Mord mit Aussicht") steigt in die ZDF-Serie „Soko Leipzig“ ein. Im Interview verrät Petra Kleinert, was sie über starke Frauen denkt, wie wichtig ihr Psychologie ist und wie sie das Leben nach der Wende meisterte.

Die Schauspielerin Petra Kleinert steigt in die Erfolgsserie „Soko Leipzig“ (Freitag, ZDF, 21.15 Uhr) ein. Ihr Start ist mit einem Special in Spielfilm-Länge verbunden. Leonie Prym sprach mit ihr über die Serie, die Rolle - und starke Frauen.

Am Freitag (4. Januar) sind Sie zum ersten Mal in der Serie Soko Leipzig zu sehen. Wie ist es, die Neue im Team zu sein?

Petra Kleinert: Ich habe mich sehr gerne in das Team eingefunden. Manchmal hat man ja Sorgen, dass man einem anderen Kollegen etwas wegnimmt, aber das war hier überhaupt nicht der Fall. Außerdem fand ich es sehr spannende, die sozialen Beziehungen der Kollegen zu ergründen.

Können Sie ihre Rolle, Hauptkommissarin Dagmar Schnee, beschreiben?

Petra Kleinert: Dagmar Schnee ist eine sehr emanzipierte Frau. Sie trifft schnelle Entscheidungen und ist sehr hart in ihrem Urteil. Sie ist sozial ein bisschen inkompetent. Die hat einen harten Ton am Leib und sagt, was sie denkt. Und sie hat ein kleines Wutproblem, ist schnell null auf 180. Aber sie ist so emanzipiert, dass sie sagt: „Nehmt mich so, wie ich bin.“

Dagmar Schnee arbeitet bei der Sitte.

Petra Kleinert: Ja, sie ist sehr durch ihren Job geprägt. Sie hat viel Leid und Elend gesehen, das lässt sie nicht los. Für „ihre Opfer“ kämpft sie aber unermüdlich. Und besonders wenn es um Kinder geht, zeigt sie viel Mitleid.

Petra Kleinert durfte Rolle mitentwickeln

Eine sehr taffe Frau also. Muss man um den Job von Chefermittler Hajo Trautzschke fürchten?

Petra Kleinert: Auf keinen Fall. Wenn die Rolle in diese Richtung ausgelegt wäre, hätte ich sie nicht angenommen. Andreas Schmidt-Schaller war einer der Gründe, warum ich bei Soko Leipzig eingestiegen bin. Wir kennen uns seit 18 Jahren, haben den gleichen Humor und die gleichen Werte.

Sie haben die Rolle mitentwickelt. Was war Ihnen besonders wichtig?

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Petra Kleinert: Ich wollte einen modernen Ermittler schaffen. Nicht einen, der dauernd an der Würstchenbude steht, Pommes isst und so viele private Probleme mit sich rumschleppt.

Wie bei so vielen Ermittlern in der letzten Zeit…

Petra Kleinert: Natürlich soll ein Ermittler auch Ecken und Kanten haben. Aber ich finde, man sollte den Ermittler über seine Arbeit kennenlernen und nicht zuerst von den privaten Problemen erschlagen werden. Die Figur darf nicht so schwer sein, dass der Zuschauer nicht mehr atmen kann. So ist es in amerikanischen Serien. Man erfährt erst nach und nach Privates der Ermittler.

Und wie sollte ihre Rolle auf keinen Fall sein?

Petra Kleinert: Ich wollte kein verhuschtes Mäuschen spielen, dazu fehlt mir einfach auch die Körperlichkeit. Wenn sich ein Charakter aber entwickelt, habe ich nichts dagegen.

Sie spielen immer wieder starke Frauen. Das Heimchen am Herd ist also nichts für Sie?

Petra Kleinert: Nein. Warum sollte ich eine Hausfrau aus den 50er-Jahren spielen, wenn ich mich mit diesem Frauenbild einfach nicht identifizieren kann? Das ist einfach nicht mehr an der Tagesordnung.

Braucht es mehr starke Männer? Oder müssen die Frauen einfach das Ruder übernehmen?

Petra Kleinert: Das ist ein weites Feld. Ich denke, dass sich sowohl Männer als auch Frauen neu finden müssen. Ich würde mir wünschen, dass die Emanzipation so weit fortschreitet, dass diese Quotendiskussion aufhört. Der Beste soll einfach den Job bekommen.

Zurück zu Soko Leipzig: Worum geht es in der Folge „Monster“?

Petra Kleinert: Ein Sexualstraftäter, der vor 20 Jahren ein Kind missbraucht und umgebracht hat, wird aus der Haft entlassen und soll nun rund um die Uhr beschattet werden. In diesem Zusammenhang treffen Dagmar Schnee und Hajo Trautzschke aufeinander. Trautzschke hat den Mann nämlich vor 20 Jahren ins Gefängnis gebracht. Gleichzeitig passiert in Leipzig ein ähnliches Verbrechen. Es geht aber auch darum, wie das Team und auch der Sexualstraftäter damit umgehen.

„Sexualstraftäter sind ernsthaft krank“

Wie kann ein Sexualstraftäter mit diesem Thema umgehen?

Petra Kleinert: Ich möchte diese Täter nicht in Schutz nehmen, auf keinen Fall. Aber es ist ja nicht so, dass sie durch die Welt gehen und denken: „Hier bin ich und ich missbrauche mal ein Kind.“ Diese Menschen sind ernsthaft krank und meiner Meinung nach sind die Strafen für diese Täter auch immer noch zu niedrig. Aber in „Monster“ weiß der Täter um seine Krankheit und will wieder ins Gefängnis.

Das Thema ist ja starker Tobak. Nimmt man so etwas nach Drehschluss mit nach Hause?

Petra Kleinert: Ich fand die Themen Forensik und Serienmörder schon immer sehr spannend. Vor zehn Jahren habe ich nämlich überlegt, ob ich nicht anfange, Psychologie zu studieren. Da ich aber von Haus aus ein fauler Mensch bin, habe ich mich dann dagegen entschieden. Zwei so intensive Berufe kriegt man nicht unter einen Hut. Aber seitdem beschäftige ich mich auch privat mit diesen Themen.

Meldung vom 14.03.2012
Steffen Schroeder peppt „Soko Leipzig“ auf
Steffen Schroeder peppt „Soko Leipzig“ auf

Die Serie mausert sich zum VW Käfer der Krimi-Unterhaltung: Die „Soko Leipzig“ (ZDF, freitags, 21.15 Uhr) läuft seit 2001, und sie läuft und läuft und läuft. Drei Figuren sind gesetzt: Andreas Schmidt-Schaller mimt Soko-Chef Hajo Trautzschke, Marco Girnth gibt als Jan Maybach den Profiler im Team, allein unter Männern ist Melanie Marschke als Ina Zimmermann, die einfühlsame Ermittlern. Und dennoch muss auch ein Markenprodukt wie die „Soko Leipzig“ immer wieder neu erfunden werden. Ein bewährtes Mittel: die Einführung einer neuen Figur.

In der aktuellen Staffel löst Steffen Schroeder seinen Vorgänger Pablo Sprungala im Team ab. Sprungalas Figur Vince Becker war das bisher jüngste Mitglied der Ermittlertruppe – und der frechste. Er ließ sich nichts sagen, und war die Figur mit dem Super-Gedächtnis auf einen schnellen Abgang programmiert.

Der Neue zielt aufs junge Publikum – und zwar mit Erfolg

Der Neue zielt aufs junge Publikum. Der 38-jährige Münchner ist Maybachs Sportsfreund. Erst trainierten sie gemeinsam in einer Mucki-Bude, jetzt sind sie Kollegen.

Die Rechnung geht auf, fürs Zweite wie für die Leipziger Niederlassung der Produktionsfirma Ufa Fernsehproduktion. Vorigen Freitag sahen 5,11 Millionen Menschen die Ermittler aus dem Osten. Das entsprach einem sehr guten Marktanteil von 16,2 Prozent. Selbst das Publikum unter 50 interessiert sich Schmidt-Schaller, Schroeder & Co.: 1,17 Millionen oder 9,7 Prozent sind Zahlen, die das Zweite schmücken.

Seit 18 Jahren im Geschäft

Schroeder, seinerseits, schmückt sich gern mit der „Soko“. Der Schauspieler ist zwar seit bereits 18 Jahren im Geschäft, war auch in großen Produktionen wie „Das Wunder von Legende“ zu sehen oder dem „Baader Meinhof Komplex“, aber stets nur in kleinen Rollen. Die „Soko Leipzig“ sichert ihm für längere Zeit Bildschirm-Präsenz vor großem Publikum.

Zudem reizen die Geschichten des modernen Serien-Klassikers seine „Spiellust“. Denn: „Bei uns geht es nicht ,nur’ um einen Mord, sondern es werden viele politische und sonstige aktuelle Themen aufgegriffen, die die Leute beschäftigen.“ Mal geht es um die umstrittene Scientology-Sekte, mal geht es um verbotene Free-Fight-Kämpfe, mal um eine Knochenmarktspende für einen mehrfachen Mörder.

Klassische Krimi-Kost an diesem Freitag

Am Freitag indes wird klassische Krimi-Kost gereicht. Eine Künstlerin wird in ihrem Atelier tot aufgefunden. Matthieu Carrière gibt einen schmierigen Galeristen, die in der Hitparade der Verdächtigen natürlich ganz oben steht.

Da die Serie auch in der Publikumsgunst ganz oben steht, hat das ZDF bei der kommenden Staffel 13 richtig zugelangt. Erstmalig bestellte der Sender gleich 25 neue Folgen. Die Dreharbeiten begannen bereits im Januar. Dem Publikum werden die neuen Folgen erst im November vorgesetzt. Mit gutem Grund: Wenn’s draußen kalt und dunkel ist, sitzt die Nation am liebsten vor der Flimmerkiste. Daran hat sich auch im Internet-Zeitalter bisher nichts geändert.

Man wird zur Zeit fast von Krimis überschwemmmt. Um erfolgreich zu sein, muss sich eine Serie von den anderen absetzen. Soko Leipzig macht das seit fast 12 Jahren. Was ist das Geheimnis der Serie?

Petra Kleinert: Für mich ist es das angenehme und kollegiale Arbeiten. Natürlich kracht es auch mal hinter den Kulissen, aber das ist normal. Ich mag die Kollegen unwahrscheinlich gerne, sie tun mir gut. Und ich finde, dass sieht man auch im Endprodukt.

„In Leipzig freuen sich die Leute, wenn sie das Filmteam sehen“

Spielt Soko Leipzig eine besondere Rolle für den Osten?

Petra Kleinert: Auf jeden Fall. Der Osten identifiziert sich mit dieser Serie. In Berlin oder Hamburg gehört es fast zur Tagesordnung, wenn irgendwo ein Filmteam dreht, da sind die Leute eher genervt, weil die Straßen gesperrt sind und keinen Parkplatz finden. Aber in Leipzig freuen sich die Leute noch, wenn sie das Filmteam sehen.

Sie sind in Jena geboren, waren 21 als die Mauer fiel. Wie war die Zeit vor dem Mauerfall für Sie als Schauspielerin?

Petra Kleinert: Es war eine sehr spannende Zeit. Man hat in unserem Beruf versucht, etwas zu verändern und Haltung zu zeigen. Wir waren rebellisch und versuchten - etwa bei den Mai-Demos - die Welt zu verändern.

Und was hat sich nach dem Mauerfall geändert?

Petra Kleinert: Es war eine große Befreiung für mich. Natürlich hatte ich auch Ängste. Ich habe mich gefragt, ob ich als Schauspielerin gut genug bin und das Leben überhaupt schaffe. Wir wussten ja nicht mal, wie man eine Krankenversicherung abschließt. Ich war einfach froh, dass der Staat nicht mehr da war. Ich habe zwei Gesellschaftsordnungen kennengelernt, das hat mich geprägt.

Leonie Prym



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