Tausende Schüler und Studenten in NRW im Bildungsstreik
15.06.2009 | 16:05 Uhr 2009-06-15T16:05:00+0200
Berlin. Schüler und Studenten haben eine bundesweite Protestwoche gegen Bildungsmissstände eingeläutet. Auch in NRW beteiligen sich Tausende an den Aktionen. Am Mittwoch stehen Demonstrationen in verschiedenen Städten an. Gewerkschafter unterstützen die Proteste.
Mit ersten Protesten und Boykotten haben Studenten und Schüler am Montag eine bundesweite Aktionswoche gegen Bildungsmissstände eingeläutet. An den Universitäten Heidelberg, Berlin, Hamburg und Bochum seien Hörsäle und Seminargebäude besetzt oder blockiert worden, teilten die Organisatoren des «Bildungsstreiks» mit. Gewerkschafter stellten sich hinter die Protestierenden.
Im Rahmen des bis Freitag dauernden «Bildungsstreiks» sind Aktionen in rund 90 Städten geplant. Den Höhepunkt der Proteste erwarten die Organisatoren am Mittwoch. Bei Demonstrationen in dutzenden Städten sollen dann mindestens 150.000 Studenten und Schüler ihrem Ärger über schlechte Unterrichts- beziehungsweise Studienbedingungen Luft machen.
Tausende Teilnehmer in NRW
Auch in NRW haben tausende Schüler und Studenten am Montag mit Kundgebungen und Protestaktionen ihren Bildungsstreik gestartet. Auszubildende beteiligen sich ebenfalls an den zahlreichen dezentralen Aktionen, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mitteilte. Zudem findet am Samstag (20. Juni) eine landesweite Demonstration für bessere Bildung in Düsseldorf statt. Dazu werden laut Schülervertretung rund 10 000 Teilnehmer erwartet. Am Mittwoch finden unter anderem Aktionen in Aachen, Bonn, Bochum, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Herford, Ibbenbüren, Köln, Münster und Siegen statt.
Am Donnerstag sind unter dem Motto: «Geld für Bildung statt für Banken» symbolische Banküberfälle geplant. Auf dem Programm der von 240 Organisationen und Gruppen unterstützten Aktionswoche stehen aber auch Protestcamps mit alternativen Lernveranstaltungen, Vorträgen und Diskussionen.
Mehr Geld für Bildung gefordert
Zentrale Forderung der Aktionswoche ist mehr Geld für Bildung. Die jüngst von Bund und Ländern beschlossenen 18 Milliarden Euro Fördermittel für Hochschulen und Forschungseinrichtungen seien unzureichend, beklagte die «Projektgruppe Bildungsstreik 2009». Diese kritisierte zum Auftakt der Protestwoche auch die im Zuge der Bologna-Reform eingeführten Bachelor- und Master-Studiengänge als «Schmalspurstudium» und lehnte Studiengebühren ab.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die den «Bildungsstreik» unterstützt, forderte eine «Kehrtwende in der Bildungspolitik». «Während über Nacht hunderte Milliarden Euro für die Rettung der Banken und der Automobilindustrie bereit gestellt werden, tun sich Bund und Länder schwer, wenn es um dringend erforderlichen Zukunftsinvestitionen in die Bildung geht», erklärte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Auch die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Nele Hirsch, bezeichnete Proteste gegen Missstände im deutschen Bildungssystem als «längst überfällig».
Hochschulen "dramatisch unterfinanziert"
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, äußerte grundsätzlich Verständnis für die Demonstrierenden. Die Hochschulen seien - gemessen an den hohen Erwartungen, die die Gesellschaft an sie stelle - «dramatisch unterfinanziert», sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Einige Forderungen jedoch, wie etwa die Rücknahme des Bologna-Prozesses, sehe sie kritisch. Auch halte sie Studiengebühren unter bestimmten Voraussetzungen für sinnvoll.
Der Deutsche Lehrerverband distanzierte sich deutlich von den Aktionen. «Dieser Bildungsstreik ist ein ideologisch höchst einseitiger und rechtsstaatlich äußerst fragwürdiger Aktionismus», erklärte Verbandspräsident Josef Kraus. Wer mit Unterrichtsboykott und fingierten Banküberfällen operiere, der stelle sich damit «ins Abseits» - möge manche Forderung auch diskussionswürdig sein. Kraus sagte, es sei unerklärlich, «wie gesellschaftlich anerkannte Großorganisationen sich hier sich mit politisch extremistischen Gruppierungen in ein Boot setzen». (afp/ddp)
17:36
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17:32
Ich kann mich den vorgeposteten Meinungen nur anschliessen.
Die Deutsche Politik scheint nicht wirklich an einem gebildeten Volk Interesse zu haben.
Denn ungebildete 1,50 EURO Jobber sind nun mal leichter zu regieren.
Warum gibt Deutschland, im Vergleich in Europa den kleinsten Teil des Volkseinkommens für die Bildung aus?
Genauer: keine 3 Prozente werden hierzulande für Bildung bereit gestellt, wobei z.B. die neuen EU Mitglieder, ehemalige Ostblockstaaten, weit über 10 Prozent für Bildung ausgeben.
Kein Wunder, das diese Staaten auf den Gedanken gekommen sind, von Deutschland Gelder zu verlangen..!
Wieso soll sollen, Polen, die Slowakei, Rumänien u.s.w. für teures Geld die besten Ingenieure und Informatiker ausbilden? Damit sie nachher hier in Deutschland jobben und hier bei uns, ihr zu Hause erworbenes Knowhow einsetzen?
Das Ganze hat also System: Ingeniere aus dem Ausland verlangen weniger Gehalt und in Deutschland gibt es nur 1,50 Euro Jobber, die nicht aufmucken, weil sie das System einfach nicht durchschauen und leider nur Bild-blöd lesen und Fernsehen...
09:00
Hat nicht ein H. Steinmeier herumgetönt, dass mehr Geld für Bildung ausgegeben werden soll. Ist diese letzte Platzpatrone der SPD bei der Demo auch dabei, oder reicht ihm der Einsatz für Opel und Arcandor bereits ? Tja, das Eine sagen und das Andere tun. So sind halt unsere Volksbeglücker. Honni soi, qui mal y pense !
22:44
Bravo jcm, gehen Sie ruhig zur Demo, diesmal wird es wohl nicht ganz so gefährlich werden wie vor 41Jahren. Obwohl ihre ParteifreundeInnen von dieLinke/FreundeskreisErichMielke zu den UnterstützerInnen der Veranstaltung gehören und wohl auch präsent seien werden ist diesmal wohl nicht damit zu rechnen das SchülerInnen und StudentenInnen erschossen werden.
14:50
Also, ich denke, dass manche sachen überzogen dargestellt werden, aber ich bin durchaus der meinung, dass unser bildungssystem nicht gerade der bringer ist, vor allem, da sie offenbar selbst keine ahnung haben, was sie gerade machen!
ich bin in der 8. , also der erste jahrgang g- 8 , und niemand weiß, wann wir unsere praktika machen, ob wir noch zp10 schreiben, nicht mal, welche fächer wir nächstest jahr haben, und bevor sie uns sagen, ob wir denn ein auslandsjahr machen dürfen, warten sie erst mal die nächsten wahlen ab, weil unnsere lehrer es mittlerweile auch geschnallt haben: Alle versuchen sie`s, aber KEINER FRAGT DIE SCHÜLER, WAS WIR MEINEN!!! Denn die schlauen menschen im ministerium haben ja eh viel mehr ahnung, was wir brauchen, denn die haben ja schon ein abi...ich frage mich nur manchmal, auf welchen umwegen ICH dahin kommen soll.
09:19
@jcm:
Ihre Kommentare lassen die Mundwinkel regelmässig wieder nach oben gehen, so erfrischend und klar wie Sie Situationen darstellen. Von Ihnen sollte es wirklich eine Riesenhorde geben!!!
07:47
Soso, die Bildung also wieder mal. Schlechte Ausstattung. Zu wenige Lehrer. Jaja, kennt man. Ich glaub, den meisten jungen Menschen geht der ***** auf Grundeis. Du plagst Dich ab und kriegst ja doch keinen Job. Traurig...
23:14
Bertelsmann mischt schon längst mit in der Hochschulpolitik, genauso wie beispielsweise Unilever und die Hamburger Sparkasse im Falle des hamburger Hochschulrats. An vielen Universitäten ist das ähnlich. Es wird Zeit sich gegen die Einmischung der Wirtschaft in die Lehre zu wehren! Für eine unabhängige Bildung!
18:34
@jcm
Danke!
Ich wünschte mehr Leute wären so eingestellt wie Sie!
18:01
Ich kann dem Lehrerverband nur raten, die politische Korrektheit etwas hintenan zu stellen. Dass bei so einer Aktion auch einige K-Grüppchen ihr Süppchen kochen und ihre eigenen Flyer zu der Aktion mitbringen, kann man wohl nicht verhindern. Es geht um die berechtigten Ziele und die sind ziemlich klar formuliert. Und wenn oben im ersten kommentar nochmal betont wird, dass es nicht um mehr Geld für Bildung, sondern um Gute Bildung für alle geht, kann man das nur unterstreichen. Denn sonst erklärt sich am Ende noch die Bertelsmann-Stiftung solidarisch und das wäre viel schlimmer, als ein paar quakende anti-kapitalistische Frösche im Biotop.