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Volkswagen-Tuning

Gerd Kummetat aus Gelsenkirchen ist der Herr der Käfer

26.06.2012 | 06:00 Uhr
Wenn es um Käfer geht, ist Gerd Kummetat der richtige Mann. Es darf aber auch mal ein Karmann Ghia sein, wie hier im Bild.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.   Seit fast 30 Jahren restauriert Gerd Kummetat (65) an den Sutumer Brücken alte Volkswagen. Dabei verpasst er ihnen auch gerne mal eine Extraportion PS.

VW Käfer , was sonst“, steht auf der Heckscheibe des pinkfarbenen Volkswagens. Nicht nur die Optik des Autos ist wenig volkstümlich, auch die inneren Werte entsprechen nicht gerade dem Durchschnitt. „Der sieht zwar so recht unscheinbar aus“, sagt Gerd Kummetat (65) und mal abgesehen von der Farbe hat er da Recht. „Aber er hat es in sich“, versichert der Schrauber und lässt Zahlen sprechen: 2,8 Liter Hubraum, 253 PS Motorleistung! Gerd Kummetat motzt seit beinahe 30 Jahren an den Sutumer Brücken Käfer auf.

Schlummernde Schätze

Seine Werkstatt lässt die Herzen von Autoliebhabern höher schlagen. Auf der Hebebühne steht ein lippenstiftroter Karmann Ghia, nebenan ein silbernes Käfer-Cabrio. Beide sehen so frisch aus, als wären sie gerade eben erst vom Band gerollt. Unter einer Stoffplane schlummert ein ganz besonderer Schatz.

Er blitzt in Dunkelblaumetallic und hat ein Brezelfenster im Heck. „Das ist mein Langzeitprojekt. An dem bastel ich schon seit 29 Jahren“, blickt Gerd Kummetat auf das funkelnde Käfer-Juwel . Bei Sonnenlicht, so versichert er, würde ein Kupferschimmer hinzukommen. „Wenn er mal fertig ist, wird er zwischen 85.000 und 90.000 Euro kosten.“ Seit 2,5 Jahren jedoch habe er sich dem Prunkstück nicht mehr zuwenden können – zu viele Aufträge.

Für Käfer-Treffen bis nach England

Einer seiner Hauptkunden ist Volkswagen selbst. Insgesamt 13 Käfer restaurierte Kummetat bislang im Auftrag der Wolfsburger für historische Rennen. Zuletzt päppelte er drei Wagen für die Mille Miglia (17.-20. Mai) auf. Das italienische Traditionsrennen führt die Teilnehmer von Bresica nach Rom und wieder zurück. Klar, dass der Beckhauser vor Ort dabei war. Für ein Käfer-Treffen reist er auch schon mal bis nach England.

Der Herr der Käfer

 

Gerd Kummetat legt gerne einen oben drauf. Bei seinen „Patienten“, aber auch bei sich selbst. „Die Rente habe ich durch“, sagt der Herr der Käfer, die erste Zahlung habe er bereits erhalten. Ihn reizen die immer wieder neuen Herausforderungen. „Ich will hier mitarbeiten, so lange ich kann“, sagt der 65-Jährige. Die Nachfolge ist gesichert. Sohn Andreas (28) steht in den Startlöchern. Insgesamt arbeiten bei Käfer-Tuning Kummetat vier Festangestellte, drei Aushilfen und eine Bürokraft. Im Januar 2013 feiert der Betrieb sein 30-jähriges Jubiläum.

Tuning muss verantwortbar sein

Das Auto müsse nach dem Umbau noch fahrbar sein, sagt Gerd Kummetat. „Das Tuning muss verantwortbar sein. Meine Devise: erst Fahrwerk und Bremsen, dann Motor.“ Vor Jahren sei einer seiner Kunden bei einem schweren Verkehrsunfall gestorben: „Da fängt man an zu denken“, sagt Kummetat und wirkt auch heute noch betroffen. Seitdem achte er noch gezielter darauf, dass die Kraft der Bremsen der Motorleistung mindestens ebenbürtig ist, sagt er.

Der gelernte Buchdrucker schraubte schon an seinem 50er-Moped, bevor er sein erstes Auto bekam – keinen Käfer, sondern einen VW 1500 S. Aber nicht lange: „Dann habe ich mitbekommen, dass Käfer gerne auch mal schneller gemacht werden.“ Der Virus sei dann ganz schnell übergesprungen. „Das ist wie ‘ne Droge“, lacht der 65-Jährige.

Mit Startnummer 413 zur Meisterschaft

Mit einem Käfer 1302 nahm er in den 80er-Jahren an Speedway-Rennen auf dem Almaring in Ückendorf teil. Er schraubte an dem Fahrzeug, sein Freund Manfred Leuner setzte sich ans Steuer. Zweimal sicherten sie sich mit der Startnummer 413 die Meisterschaft in der Zwei-Liter-Klasse. Manfred Leuner ist heute der Pate von Gerd Kummetats Sohn Andreas, seine Schwester Brigitte arbeitet bei ihm im Büro. Der Käfer lebt weiter.

Käfer-Treffen

 

Tobias Mühlenschulte


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