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Das Nein zum „Ja-Wort“

20.04.2012 | 19:19 Uhr
Das Nein zum „Ja-Wort“
Auch im Elefanten-Haus im Zoo konnten sich Brautpaare trauen lassen. Archivbild Alexandra Umbach / WAZ FotoPool

Duisburg.   Die Stadt hat das Angebot der exklusiven Trauungen an besonderen Orten, etwa im Zoo, eingestellt. Aktuell wegen Personalmangel, aber sie prüft die komplette EInstellung, um Geld zu sparen. Dagegen regt sich Widerstand.

Als ein „unvergessliches“ Erlebnis preist Duisburgs Standesamt in einer üppigen, bebilderten Broschüre ihr exklusives Angebot, dass sich Brautpaare auch an ungewöhnlichen Orten das Ja-Wort fürs Eheglück geben können. Bei den Dickhäutern im Zoo etwa. Oder – für Kunstfreunde – im Lehmbruck-Museum. Oder in der guten Stube des einstigen Dorfschullehrers im Lehrerhaus Friemersheim. Vorbei.

Seit Anfang März hat die Stadt wie berichtet die „Eventtrauungen“ eingestellt. Weil die zuständige Stelle im Standesamt derzeit nicht besetzt ist und die Sonderwünsche daher nicht bearbeitet werden können. Zugleich aber prüfen die Haushaltssparer der Stadt, die Stelle nicht mehr zu besetzen und das Angebot komplett zu streichen. Schließlich handelt es sich um eine der so genannten „freiwilligen Leistungen“ der Stadt, die allesamt auf den Prüfstand sollen.

Zusätzliche Einnahmen von über 28 000 Euro

Andererseits: Für die Trauungen mit Pfiff, auch im historischen Steinhof in Huckingen oder für Zebra-Fans in der MSV-Arena, müssen die Brautpaare eine Extra-Gebühr von 153 Euro auf den städtischen Trau-Tisch legen. Bei 130 Event-Trauungen im vergangenen Jahr sind das immerhin zusätzliche Einnahmen fürs Stadtsäckel von über 28 000 Euro.

In der Info-Broschüre schwärmt die Stadt vom Hochzeitfoto mit dem Dickhäuter, von der Trauung in der Pagode „Halle des Glücks“ im Chinesischen Garten oder vom Eheglück „unter vollen Segeln“ im Ruhrorter Binnenschiffahrtsmuseums. Mit Erfolg, denn mehr als 2000 frisch Vermählte hauchten ihr Ja-Wort seit 1994 an den erlesenen Orten.

"Die Leute kommen auch oft von außerhalb zu uns"

Den Elefanten im Zoo mag egal sein, ob da Damen in rauschendem Weiß unter ihren Rüsseln stehen. Günter Pfeiffer nicht. Er ist Vorsitzender des „Freundeskreis lebendige Grafschaft“, der das Friemersheimer Kleinod hegt und pflegt. Vor der 1000. Trauung steht das Lehrerhaus. Die Brautpaare, sie lieben die Idylle, die Romantik , den nostalgischen Trauraum. „Die Leute kommen auch oft von außerhalb zu uns“, berichtet Pfeiffer und findet es „sehr befremdlich“, dass die Stadt ihn nicht mal informiert hat. Was den Verein natürlich auch umtreibt: Ein Teil der vor Ort erhobenen Gebühr von 77 Euro floss in die Vereinskasse.

Liebe im Lehrerhaus

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 1807 Trauungen, davon 130 an den besonderen Orten jenseits der drei Standesämter. Spitzenreiter der Sondertrauungen war das Lehrerhaus Friemersheim mit 60 Brautpaaren. 31 waren es im Zoo, 25 im Steinhof in Huckingen.

„Ehestreit“ mit der Stadt hat auch Elke Sommer vom Huckinger Steinhof wegen der Absage der Trauungen unter dem mittelalterlichen Steinhof-Turm . „Für viele Paare ist das hier ihre Heimat. Sie mögen das Ambiente. Hier können sie sich auch mehr Zeit lassen, einen Sekt trinken und viele feiern dann auch noch hier“, berichtet die Vereinsvorsitzende.

Für die politische Note sorgt Rainer Friedrich, SPD-Chef in Rheinhausen. Er hält die Sparüberlegungen der Stadt für ziemlich abwegig, verweist auf die stattlichen Gebühreneinnahmen und fordert die „unverzügliche“ Wiedereinführung der Sondertrauungen. Als nicht „glaubhaft“ kritisiert Friedrich die angeführten Personalprobleme der Stadt: „Das muss doch möglich sein.“

Oliver Schmeer


Kommentare
21.04.2012
12:13
Das Nein zum „Ja-Wort“
von BlackRaven | #3

Ich finde es traurig, daß es das nicht mehr geben soll. Uns hat es einen Riesenspaß gemacht, im Elefantenhaus zu heiraten. Ich glaube auch, daß es für die Standesbeamten doch bestimmt interessanter ist, ab und zu mal woanders tätig sein zu dürfen als in ihrem stupiden Standesamt. Wir hatten jedenfalls alle Spaß - inklusive dem Standesbeamten und den Elefanten.

21.04.2012
10:06
Das Nein zum „Ja-Wort“
von pufferkuesser | #2

Hallo,
die Kosten der verschiedenen Trauorte sind den Paaren bekannt. Leider scheitert es an der personellen Unterbesetzung der Standesämter. Genügend Paare für die verschiedenen Orte sind vorhanden. Wenn das Lehrerhaus vor der 1000 Trauung steht, hat dieser Ort bereits der Stadt Duisburg etwa 150000.- € an Gebühren eingebracht!

20.04.2012
19:45
Das Nein zum „Ja-Wort“
von Daredevil | #1

Wenn jemand auf derartige Weise heiraten will, wieso werden die Kosten für die jeweilige Veranstaltung nicht einfach verursachungsgerecht erhoben?

Für ein überschaubares Portfolio an verschiedenen Trauungsorten werden sich doch sicher die jeweiligen tatsächlichen Kosten ermitteln und den Heiratswilligen als Übersicht zur Verfügung stellen lassen, anstatt mit einer allgemeinen Gebühr alle Veranstaltungen zum selben Preis anzubieten. Dann kostets die Stadt nichts und niemand braucht über freiwillige Leistungen zu diskutieren, die Inhaber der Veranstaltungsorte verdienen noch ein bißchen was dran und die Paare sind froh über einen ausgefalleneren Trauungsort.

Wer dann noch einen anderen Ort will, der muß halt damit leben dass ihm dafür höhere Kosten in Rechnung gestellt werden und diese vorher evtl. noch nicht genau bekannt sind.

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